Am 10. Mai 2022 entstand aus einer spontanen Idee ein Projekt, dessen Entwicklung sich damals niemand hätte vorstellen können. Der Gedanke war einfach: Menschen gestalten Steine mit Botschaften zur Organspende und legen diese an öffentlichen Orten aus. Die Steine wandern weiter, regen zum Nachdenken an und schaffen Aufmerksamkeit für die Menschen, die auf ein lebensrettendes Organ warten.
Wenige Wochen nach dem Start durfte ich das Projekt gemeinsam mit meiner Kollegen Daniel Balzert ✞ in der Staatskanzlei des Saarlandes vorstellen. Bereits bei diesem ersten Termin erkannten Ministerpräsidentin Anke Rehlinger und Gesundheitsminister Dr. Magnus Jung das Potenzial dieser ungewöhnlichen Form der Aufklärung. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die spontane Aussage der Ministerpräsidentin: „Das muss in jede Arztpraxis.“ Ein Gedanke, der anschließend tatsächlich umgesetzt wurde. Durch die Unterstützung des Saarländischen Gesundheitsministeriums, der Kassenärztlichen Vereinigung und weiterer Partner gelangte das Projekt in Arztpraxen und medizinische Einrichtungen im ganzen Saarland.
Was als kleine Idee begann, entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem Mitmachprojekt, das weit über die Grenzen des Saarlandes hinaus sichtbar wurde. Einen wesentlichen Anteil daran hatte meine Projektkollegin Elke Kerkering. Mit ihrer Kreativität, ihrer Begeisterung und ihren unzähligen gestalteten Steinen gab sie dem Projekt ein Gesicht. Über soziale Medien fanden immer mehr Menschen den Weg zum Projekt. Sie wie viele Steingruppen gestalteten eigene Steine, entwickelten neue Motive und trugen die Botschaft weiter. So gingen Steine durch ganz Deutschland – von der Nordsee bis zu den Alpen von Helgoland bis zur Zugspitze. Später wurden Steine auch in anderen europäischen Ländern entdeckt, teilweise sogar in den jeweiligen Landessprachen gestaltet. Das Projekt gehörte längst nicht mehr einzelnen Menschen. Es wurde so von vielen getragen.
Zu den Menschen, die das Projekt über Jahre begleitet und unterstützt haben, gehörte auch mein Weggefährte Daniel Balzert. Gemeinsam konnten wir noch im September 2025 einen weiteren wichtigen Schritt erreichen. Im Gespräch mit Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot wurde das Projekt den Schulen und Bildungseinrichtungen des Saarlandes vorgestellt. Dadurch entstand aus einer reinen Mitmachaktion auch ein Bildungsprojekt, das junge Menschen dazu anregt, sich mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen. Erste Projekte aus Schulen erreichten uns schon.
Daniel durfte diese Entwicklung noch miterleben. Sein Tod am 23. Dezember 2025 macht deutlich, dass hinter jedem Engagement Menschen stehen, die ihre Zeit, ihre Kraft und oft auch einen Teil ihres Lebens mit viel Herzblut für eine Sache einsetzen. Das zeigt das Projekt, in unaussprechlicher großer weise deutschlandweit.
Mein Dank gilt ebenso der Ministerpräsidentin Anke Rehlinger, Gesundheitsminister Dr. Magnus Jung, Staatssekretärin Bettina Altesleben sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Staatskanzlei und des Gesundheitsministeriums. Über fünf Jahre hinweg haben sie das Projekt begleitet, unterstützt und ihm immer wieder Sichtbarkeit verliehen. Selbst das saarländische Kabinett, positionierte sich 2024 geschlossen für Organspende. Bei allem beschränkte sich die Unterstützung nicht allein auf das Projekt „Steine für Organspende“. Ministerpräsidentin Anke Rehlinger und Gesundheitsminister Dr. Magnus Jung haben in den vergangenen Jahren auch immer wieder auf die Bedeutung der Organspende aufmerksam gemacht und waren bei zahlreichen Veranstaltungen, Gesprächen und Aktionen rund um dieses Thema präsent. Sie haben damit nicht nur das Projekt unterstützt, sondern vor allem den Menschen auf den Wartelisten eine Stimme gegeben.
Im fünften Jahr von „Steine für Organspende“ übernahmen Ministerpräsidentin Anke Rehlinger und Gesundheitsminister Dr. Magnus Jung die Schirmherrschaft des Projektes. Der Besuch der Ministerpräsidentin und der Staatssekretärin am Universitätsklinikum des Saarlandes am 05. Juni 2026 entstand auf meine Anregung hin und sollte den Blick bewusst auf die Menschen richten, die auf eine Organspende warten, bereits transplantiert wurden oder täglich für diese Patientinnen und Patienten medizinische Verantwortung tragen.
Doch im Mittelpunkt standen niemals das Projekt oder die Organisatoren. Im Mittelpunkt standen immer die Menschen, die auf eine Organspende warten, ebenso die Menschen, die durch eine Organspende ein neues Leben erhalten haben, und die Teams aus Medizin, Pflege, Koordination und Betreuung, die diese Menschen täglich begleiten.
Dialysepatienten befinden sich dabei in der besonderen Situation, die Wartezeit auf eine neue Niere mit der Nierenersatztherapie – der Dialyse – überbrücken zu können, sofern keine schwerwiegenden Komplikationen eintreten.
Menschen, die auf ein Herz, eine Lunge oder eine Leber warten, haben diese Möglichkeit nicht. Mit jedem Tag, an dem die Leistung des eigenen Organs weiter abnimmt, die Atemnot größer wird, der Herzschlag unregelmäßiger oder die körperliche Kraft weniger wird, wachsen die Sorgen und Ängste der Betroffenen. Gleichzeitig leiden auch ihre Angehörigen mit. Welche Gedanken Eltern durchleben, wenn sie hilflos am Krankenbett ihres schwer kranken Kindes sitzen und auf ein Spenderorgan hoffen, können wir vermutlich nur erahnen.
Alle warten auf denselben Anruf vom Transplantationszentrum: „Wir haben ein Organ für Sie.“
Können Sie sich vorstellen, welche Freude, welche Erleichterung und welche Hoffnung dieser Anruf auslöst? Plötzlich darf man wieder nach vorne blicken. Man darf Pläne machen. Man bekommt die Chance auf Zukunft zurück. Und mit dem Patienten freut sich die ganze Familie über diesen erlösenden Anruf. Gleichzeitig ist man in Gedanken und tiefer Dankbarkeit bei den Menschen des Organspenders, die jetzt trauern.
Um diesen Menschen Hoffnung zu geben und gleichzeitig den Gedanken an die Organspende weiterzutragen, gehen die Steine als ihre Botschafter auf Reisen. Jeder einzelne Stein trägt eine Botschaft und lädt dazu ein, sich mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen. Keiner verlangt dabei ein Ja zur Organspende, sondern ist dankbar für jeden Menschen, der eine persönliche Entscheidung trifft. Das stellt im Ernstfall oft auch für die Angehörigen eine große Erleichterung dar. Hinter jedem Stein steht ein Mensch, der aufmerksam machen möchte – auf die Menschen, die warten, hoffen und auf eine zweite Chance im Leben vertrauen. Dafür engagieren sich seit fünf Jahren die vielen Steinkünstlerinnen und Steinkünstler des Projektes immer wieder gemeinsam in ganz Deutschland.

Am 05. Juni 2026 besuchten Ministerpräsidentin Anke Rehlinger und Staatssekretärin Bettina Altesleben gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des Universitätsklinikums des Saarlandes die Einrichtungen rund um Transplantationsmedizin und Organspende. Beide waren an diesem Tag zugleich als Schirmherrinnen des Mitmachprojektes „Steine für Organspende“ vor Ort. Der Besuch entstand auf meine Anregung hin und sollte den Blick bewusst auf die Menschen richten, die täglich mit dem Thema Organspende leben.
Während des Rundgangs wurden Einblicke in die Situation von Patientinnen und Patienten gegeben, die auf eine Organtransplantation warten oder bereits transplantiert wurden.
In der zertifizierten Dialysestation des Universitätsklinikums gab es die Gelegenheit, mit Patienten ins Gespräch zu kommen, die dank der künstlichen Niere (Dialyse) überleben oder die Zeit bis zu einer Organtransplantation überbrücken. Oft beträgt die Wartezeit bis zu acht Jahre und länger. Viele erleben die Transplantation leider nicht mehr. Ministerpräsidentin Anke Rehlinger und Staatssekretärin Bettina Altesleben führten ausführliche Gespräche mit den Patienten und fragten sowohl bei den Betroffenen als auch bei Pflegekräften und Ärzten sehr viel nach. Besonders gefreut hat mich, dass die Patienten am Ende in Anwesenheit der Politikerinnen ihrem behandelnden Team aus Ärzten und Pflegekräften ein großes Lob aussprachen. Was ich selbst so in dieser Einrichtung bestätigen kann.
Am Informationsstand kamen die Politikerinnen dann mit Patienten und deren Angehörigen zusammen, die bereits eine Organspende erhalten hatten oder noch auf ein Organ warteten. Auch hier erhielten Frau Rehlinger und Frau Altesleben interessante Einblicke in die Situation der Betroffenen. Die Ministerinnen wie auch die Patienten, mit denen ich gesprochen habe, sprachen sich dabei klar für die Widerspruchslösung aus, die derzeit auch auf Bundesebene und im Bundesrat diskutiert wird.
Besonders deutlich wurde dabei, dass hinter jeder politischen Diskussion über Organspende immer konkrete Menschen stehen: Menschen, die warten. Menschen, die hoffen. Menschen, die begleiten. Genau das konnte man an diesem Tag vor Ort erleben.
Am Ende des Besuches wurden Patenschaften für das Mitmachprojekt „Steine für Organspende“ von mir übergeben. Ich sagte dabei: Die heutige Patenschaft soll nur einen Gedanken tragen: Dass überall dort, wo über Organspende gesprochen wird, auch die Menschen sichtbar bleiben, die warten. Dass ihre Geschichten nicht verloren gehen. Und dass kleine Zeichen manchmal Gespräche auslösen können, die große Kampagnen nicht erreichen.
Überdies stellte ich dar, dass es mir wichtig war, dass heute bei dem Termin nicht viel über Systeme, Gesetze oder politische Modelle gesprochen wurde. Im Mittelpunkt stehen und standen die Menschen, die auf eine Organspende warten, die Menschen, die ein Organ erhalten haben, und die Teams, die sie jeden Tag wie die Angehörigen begleiten.
Ministerpräsidentin Rehlinger hob die positive Rückmeldung der Patienten hervor, die schilderten, wie gut sie sich betreut fühlten. Sie sagte: „Medikamente wirken, aber Menschen wirken auch.“ Sie selbst trage einen Organspendeausweis bei sich. „Organspende rettet Leben und sie geht uns alle an. Uns ist oft nicht bewusst, dass wir selbst oder Menschen, die uns lieb sind, eines Tages auf ein Spenderorgan angewiesen sein könnten. Umso wichtiger ist es, sich frühzeitig mit der Frage der Organspende auseinanderzusetzen“, sagte sie zum Abschluss des Besuches.
Für mich schließt sich mit diesem Tag ein Kreis. Vor vierzig Jahren begann mein Engagement langsam als Jugendlicher am Informationsstand der Universitätsklinik Heidelberg vor der Kinderklinik. Damals war ich selbst ein junger Patient. Heute, vier Jahrzehnte später, blicke ich auf viele Begegnungen, Projekte, Diskussionen und Entwicklungen an denen ich mit beteiligt war zurück.
Nach vierzig Jahren aktiver Aufklärungsarbeit ziehe ich mich nun aus dieser Aufgabe langsam zurück. Ich werde mich immer noch zu Wort melden aber außerhalb nicht mehrt so aktiv sein. Auch das Projekt „Steine für Organspende“ haben wir fünf Jahre lang begleitet, aufgebaut und weiterentwickelt. Nun muss es seinen eigenen Weg gehen. Denn ein Projekt, das nur durch einzelne Menschen lebt, ist auf Dauer nicht tragfähig. Ein Projekt lebt erst dann wirklich, wenn andere Menschen die Idee aufnehmen und weitertragen.
Deshalb verstehe ich die übergebenen Patenschaften, auch an die Steingruppen und Steinkünstler in kürze durch Elke Kerkering, als eine Art Staffelstab. Nicht als Auszeichnung. Nicht als Verpflichtung. Sondern als Einladung, dort auf das Thema Organspende aufmerksam zu machen, wo sich im eigenen Leben die Gelegenheit ergibt. Wenn dies gelingt, dann hat das Projekt sein Ziel erreicht.
Mein herzlicher Dank gilt allen Menschen, die das Projekt in den vergangenen fünf Jahren begleitet haben: den Gestalterinnen und Gestaltern der Steine, den Unterstützerinnen und Unterstützern in den sozialen Medien, den Patientinnen und Patienten, den Angehörigen, den medizinischen Teams, den politischen Verantwortlichen und allen, die durch ihre Entscheidung zur Organspende Hoffnung schenken.
Insbesondere meiner Projektkollegin Elke Kerkering. Wir haben über die Jahre stets voller Vertrauen, auf Augenhöhe sowie mit viel Respekt und Freundschaft zusammengearbeitet. Es war eine sehr schöne Zeit mit diesem Projekt.
Alles für die Menschen auf den Wartelisten.
Martin G. Müller
Spektrum Dialyse
Juni 2026