Ein interdisziplinärer Online-Vortrag der IAD mit Martin G. Müller
Ein Abend, der bewegt hat: Unter dem Titel „Shuntüberleben – Was wir wissen sollten“ sprach Martin G. Müller im Oktober bei der IAD über Verantwortung, Erfahrung und Herzblut in der Shuntversorgung. Der Vortrag führte zu einem offenen Dialog zwischen Patienten, Pflege und Ärzten – und wird im Januar 2026 fortgesetzt.
Am 23. Oktober 2025 lud die Interdisziplinäre Arbeitsgemeinschaft Dialysezugang (IAD) zu einem besonderen Online-Vortrag ein: „Shuntüberleben – Was wir wissen sollten. Richtig punktieren, versorgen und schützen – gemeinsam für ein längeres Shuntüberleben.“
Referent war Martin G. Müller (Saarbrücken), Autor von Spektrum Dialyse und selbst seit 46 Jahren Dialysepatient. Sein Ziel war klar: aufrütteln, aufklären und Mut machen – aus Patientensicht, aber mit medizinischem Tiefgang.
Müller präsentierte keine bloße Folienreihe, sondern stellte die Realität vieler Betroffener dar. Er verband Patientenerfahrungen und persönliche Erlebnisse mit fundiertem Wissen und band Ärztinnen, Ärzte sowie Pflegekräfte aktiv in seine Dialoge ein. „Ich will weniger Zufall, mehr Qualität – auch für die nächste Generation Betroffener“, lautete einer seiner Leitsätze.
Die Idee zu diesem Vortrag entstand bei Stefanie Neuhäuser (Köln) von der IAD, die das Format als Patientenverantwortliche konzipierte und moderierte. Unterstützt wurde sie von Kathleen Rickert (Fachpflege Shunt IAD - Hamburg) und Dr. med. Torsten Meyer (Nephrologe und Vorsitzender der IAD - Braunschweig), die während der Veranstaltung live Fragen beantworteten und wichtige fachliche Impulse – auch auf Müllers Nachfragen – einbrachten.
Der Austausch war lebendig, praxisnah und menschlich. Zahlreiche Fragen im Chat zeigten, wie groß das Interesse an diesem Thema auf allen Seiten ist. Pflege, Ärztinnen, Ärzte und Patienten begegneten sich in einem echten Dialog – auf Augenhöhe.
Im Mittelpunkt stand die zentrale Botschaft: Jeder Shunt ist eine Lebensader – und verdient dieselbe Sorgfalt wie beispielsweise ein Herzkatheter. Ebenso sollte man bereits beim Gespräch mit dem Nephrologen kritisch nachfragen: Wie erfolgreich sind die Shuntoperationen? Wie oft muss nachoperiert werden, bis der Shunt für die Dialyse nutzbar ist? Und wäre ein Eingriff in einem spezialisierten Shunt-Referenzzentrum nicht die bessere Wahl?
Anhand einer nicht repräsentativen Patientenumfrage, zeigte Müller deutliche Unterschiede zwischen ortsnahen Kliniken und spezialisierten Fachzentren. Erfahrung und Spezialisierung sind häufig der entscheidende Faktor für eine erfolgreiche Shuntanlage und eine stabile Funktion über viele Jahre hinweg. In etwa 72 Prozent der Fälle funktionierten Shunts in Kliniken vor Ort gut – in spezialisierten Fachzentren dagegen in 94 Prozent der Fälle. Sein Rat: kritisch nachfragen und vergleichen – wie beim Autokauf.
Doch auch die beste Shuntchirurgie allein genügt nicht. Entscheidend ist, was am Patientenbett geschieht. Hier bestehen zunehmend erhebliche Versorgungslücken. Oft wird der Shunt sofort ohne Kontrolle punktiert und erst dann kontrolliert, wenn Probleme auftreten – aber nicht regelmäßig zur Vorsorge.
Am Ende des Vortrags blieb ein Gedanke besonders hängen: „Was nützt die beste Chirurgie, wenn am Patientenbett die Sorgfalt fehlt? Jeder Shunt ist unsere Lebensader – und die darf kein Zufall sein.“
Die Resonanz auf den Vortrag war außergewöhnlich positiv. Aufgrund des großen Interesses hat die IAD beschlossen, im Januar 2026 eine Fortsetzung durchzuführen. Der zweite Teil findet am Donnerstag, den 22. Januar 2026, um 17:00 Uhr statt.
Ein herzlicher Dank geht an Stefanie Neuhäuser, Kathleen Rickert, Dr. Torsten Meyer und Rony Laurisch für die hervorragende Organisation und Begleitung dieses Abends. Das Format zeigte eindrucksvoll, dass interdisziplinäre Zusammenarbeit, Wissen und Herz Hand in Hand gehen können – für ein längeres Shuntüberleben und mehr Lebensqualität der Patientinnen und Patienten.
Am Ende wurde deutlich: Das ist Teamarbeit. Doch der Patient ist das wichtigste Glied in allen Abläufen. Er muss lernen, seinen Shunt zu kennen, zu verstehen und selbst regelmäßig zu kontrollieren – denn nur so bleibt die Lebensader wirklich am Leben und schützt die Lebensqualität!