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Letzte aktuallisierung des des Presseschau: 26.10.2020



KIT: Blutgefäße gezielt und schnell vergrößern

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 23.10.2020

 

Bei Herzinfarkten und Schlaganfällen muss die Blutversorgung möglichst schnell sichergestellt werden, um größere körperliche Schäden zu vermeiden. Zoologen des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) setzen auf einen neuen Mechanismus, um die Endothelzellen zu vergrößern und damit binnen Stunden den Blutdurchfluss zu verbessern. Das Team hat die Ergebnisse in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht. (DOI: 10.1038/s41467-020-19008-0). bei Herzinfarkten und Schlaganfällen muss die Blutversorgung möglichst schnell sichergestellt werden, um größere körperliche Schäden zu vermeiden. Zoologen des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) setzen auf einen neuen Mechanismus, um die Endothelzellen zu vergrößern und damit binnen Stunden den Blutdurchfluss zu verbessern. Das Team hat die Ergebnisse in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht. (DOI: 10.1038/s41467-020-19008-0).

 


„Wir brauchen kreativere Konzepte im Bereich der Lebendspende“

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 16.10.2020

Der Mangel an Spenderorganen liegt nicht allein an einer zu geringen Organspendebereitschaft, sondern auch daran, dass Unfallprävention und lebensrettende Maßnahmen immer besser werden. Den Mangel an Organen von verstorbenen Spender kompensieren viele europäische Länder erfolgreich durch erweiterte Lebendspende-Modelle, die eine optimale Umsetzung der vorhandenen Spendebereitschaft erlauben und darüber hinaus auch eine genderspezifische Ungleichheit ausgleichen: Denn Frauen tolerieren oft nicht die Organe ihrer Lebenspartner und habe daher weniger Aussichten, eine Lebendspende zu erhalten. Wir haben in Deutschland eine große Diskrepanz zwischen der Zahl derer, die auf eine Transplantation warten, und den verfügbaren Spenderorganen, die sich in den letzten Jahren sogar noch vergrößert hat. Eine grundlegende Veränderung der Situation ist nicht zu erwarten, weil lebensrettende Verfahren und Unfallsprävention zunehmend besser werden. Die Zahl der Unfallopfer nimmt ab, was sehr erfreulich ist, ebenso wie die Tatsache, dass mit der zunehmenden Etablierung von „Stroke Units“ auch die Zahl derjenigen, die an einem Schlaganfall versterben, rückläufig ist. Die Zahl der potenziellen Spender ist auf einem niedrigen Niveau und es kann erwartet werden, dass dieses noch weiter abnimmt.

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Die SARS-CoV-2-Pandemie hat nicht zu einer nennenswerten Beeinträchtigung der Organspende in Deutschland geführt

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 16.10.2020

 

Die gute medizinische Versorgung in Deutschland hat dazu beigetragen, dass transplantationsmedizinische Eingriffe ohne Beeinträchtigungen durchgeführt werden konnten. Es kam zu keiner nennenswerten Abnahme der Transplantationszahlen. Mittlerweile weiß man auch, dass eine Transplantation und in Folge die damit einhergehende Behandlung mit immunsuppressiven Medikamenten das SARS-CoV-2-Infektionsrisiko und das COVID-19-Erkrankungsrisiko per se nicht erhöhen. Das war eines der wesentlichen Ergebnisse, die auf der 29. Jahrestagung der Deutschen Transplantations-gesellschaft (DTG) diskutiert wurden. In der SARS-CoV-2-Pandemie hat sich die hohe medizinische Versorgung in Deutschland ausgezahlt. Auch zum Höhepunkt der Pandemie reichten die Intensivkapazitäten, Beatmungs- und Dialyseressourcen. Alle erhielten die lebensrettenden Maßnahmen, keiner der Patienten musste einer Triagierung unterzogen werden. Auch wenn zahlreiche Betten für COVID-19-Patienten reserviert und die Kliniken aufgefordert wurden, elektive Eingriffe zu verschieben, war die medizinische Versorgung durchgehend gesichert und medizinisch notwendige Operationen, die nicht aufzuschieben waren, konnten durchgeführt werden. Diese Leistungsfähigkeit des deutschen Gesundheitssystems in der Krise muss gewürdigt und positiv hervorgehoben werden.

 


„Ein Tropfen auf dem heißen Stein“ – keine Trendwende bei der Organspende in Sicht

Quelle Informationsdienst Wissenschaft, 15.10.2020

 

Die Transplantationsmedizin „krankt“ nach wie vor an einem eklatanten Organmangel. Auch ein kurzzeitiger Anstieg der Organspenderzahlen im Jahr 2019 darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Situation für die Menschen, die auf ein Organ warten, nach wie vor desolat ist. Jedes Jahr werden über 1.000 Patientinnen und Patienten von der Warteliste genommen – entweder, weil sie zwischenzeitlich verstorben oder nicht mehr für eine Transplantation geeignet sind. Viele europäische Nachbarn transplantieren auch Organe von Spendern nach Herztod, um die Zahl der zur Verfügung stehenden Organe zu erhöhen. Laut DTG ist es an der Zeit, in Deutschland eine Diskussion über diese Möglichkeit anzustoßen. Obwohl die Transplantationsmedizin in Deutschland weiterhin durch erhebliche Schwierigkeiten bei der Versorgung von Patienten, die auf die lebensrettende Transplantation eines Organs angewiesen sind, gekennzeichnet ist, hat seit März 2020 die SARS-CoV-2 Pandemie die prekäre Situation in den Hintergrund gedrängt.

 


Chronische Nierenerkrankung: Unterschiedliche biologische Eigenschaften des Nebenschilddrüsenhormons durch Oxidation

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 05.10.2020

 

Wissenschaftler warnen vor Fehleinschätzungen bei der Therapiesteuerung, da gebräuchliche iPTH-Assays nicht zwischen bioaktivem und inaktivem Hormon unterscheiden. Viele Funktionen des menschlichen Körpers werden über Hormone reguliert. Krankheitszustände können diese Botenstoffe beeinflussen. In der klinischen Praxis wird der Status bestimmter Botenstoffe genutzt, um Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand zu ziehen und daraus die weitere Therapie abzuleiten. Ein Beispiel aus der gängigen Praxis ist die Erfassung des Nebenschilddrüsenhormons (Parathormon, PTH) bei der chronischen Nierenerkrankung, da bekannt ist, dass die Konzentration des PTH mit abnehmender Nierenfunktion progressiv ansteigt. Eine Forschergruppe aus der V. Medizinischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim (UMM), um Professor Dr. med. Berthold Hocher, konnte schon vor einigen Jahren zeigen, dass PTH bei nierenkranken Patienten oxidiert wird, und dass dies zum Funktionsverlust des Hormons führt. In ihrer aktuellen Arbeit gingen die Forscher der Frage nach, inwieweit die Oxidation von PTH den Krankheitsverlauf beeinflusst und ob der Zustand von PTH – ob oxidiert oder nicht-oxidiert – für die Therapieentscheidung relevant sein könnte.


Umzug der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 05.10.2020

 

Am 10. Oktober 2020 zieht die Chirurgische Klinik mit rund 250 Patienten in den Neubau um. Noch ein letzter Kraftakt und dann ist es geschafft: Am 10. Oktober zieht die Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg in den Neubau in direkter Nachbarschaft zur Medizinischen Klinik (Krehl-Klinik) um. Bei dem Großeinsatz mit Unterstützung des Deutschen Roten Kreuzes werden rund 250 Patienten transportiert. Spezielle Krankenwagen für Intensivpatienten sind im Einsatz.


Nierenschäden - EMA untersucht mögliche Nebenwirkung von Remdesivir
Quelle: Pharmazeutissche Zeitung, 03.10.2020
Der Pharmakovigilanz-Ausschuss der Europäischen Arzneimittelagentur EMA hat mit einem Sicherheitsreview für das Covid-19-Medikament Remdesivir (Veklury®) begonnen. Es gibt Berichte zu akuten Nierenschädigungen. Remdesivir wurde am 3. Juli in der Europäischen Union zur Behandlung von Covid-19-Patienten zugelassen. Da noch nicht genügend Daten für eine reguläre Zulassung vorlagen, hat Hersteller Gilead bislang eine sogenannte bedingte Marktzulassung für Patienten ab einem Alter von zwölf Jahren, wenn bei diesen eine Lungenentzündung vorliegt und sie auf eine Sauerstoffzufuhr angewiesen sind. Es gehört nun zum Prozedere, Nebenwirkungsmeldungen besonders scharf zu betrachten. Der Pharmakovigilanz-Ausschuss (PRAC) der EMA betont, dass zum Zeitpunkt des Zulassungsantrags die renale Toxizität von Remdesivir auf Basis von Tierstudien abgeschätzt wurde. Im Risikomanagementplan war daher sowieso vorgesehen, die Auswirkungen von Remdesivir auf die Niere genauer zu untersuchen. Monatlich werden dazu derzeit die eingehenden Berichte evaluiert.

Zentrales Thema auf dem Hybridkongress „Nephrologie 2020“: SARS-CoV-2 und Niere

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 01.10.2020

 

SARS-CoV-2 geht an die Nieren. Viele zuvor nierengesunde Patienten weisen bereits zu Beginn einer COVID-19-Erkrankung Urinauffälligkeiten auf, bei schweren Verläufen entwickelt sich oft ein akutes Nierenversagen. Wie die Chancen aussehen und was getan werden muss, damit diese Patienten nach einer COVID-19-Erkrankung keine dauerhaften Nierenschäden davontragen, wird ab Donnerstag auf dem Hybridkongress der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) diskutiert. Ein weiteres Thema ist die Frage, wie gefährdet Dialysepatienten und transplantierte Menschen bei einer COVID-19-Erkrankung sind. Erwartet wird eine aktuelle Auswertung der DGfN-Registerdaten. Nieren sind Zielorgan von SARS-CoV-2. Eine am UKE Hamburg durchgeführte Obduktionsstudie [1] zeigte: Bei 60% der untersuchten Kohorte (n=63) von an COVID-19 verstorbenen Patienten wurde in den Nieren die RNA von SARS-CoV-2 nachgewiesen. Damit geht SARS-CoV-2 nicht nur an die Nieren, sondern in die Nieren. Der pathologische Befund passt zu der klinischen Beobachtung, dass auch bei bis dato nierengesunden Patienten während einer COVID-19-Erkrankung Nierenauffälligkeiten beobachtet werden. Prognostisch bedeutsam: frühe Nierenbeteiligung bei COVID-19-Patienten. Mehrere Studien [2, 3] zeigten, dass es bei Patienten, die an COVID-19 erkranken, häufig frühzeitig im Verlauf zu einer Nierenbeteiligung kommt, detektierbar durch den Nachweis einer Albuminurie (und/oder Hämaturie). Eine chinesische Studie, die Ende April in JASN („Journal of the American Society of Nephrology“) publiziert wurde [4], kam zu dem Ergebnis, das die Nierenbeteiligung bei COVID-19-Patienten das Outcome der neuartigen Viruserkrankung dramatisch verschlechtert und die Mortalität um den Faktor 10 erhöht (1,25% der Patienten ohne Nierenbeteiligung verstarben vs. 11,2% der Patienten mit Nierenbeteiligung). Es gibt also Hinweise, dass frühe Zeichen einer Nierenbeteiligung wie Eiweißverlust im Urin, Eiweißreduktion im Blut, auch der Verlust von Antithrombin III prognostisch bedeutsam sind, Nierenparameter wie die Albuminurie also als Seismograf für den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung herangezogen werden könnten [5].

 


Neue Therapieoptionen bei Lupus-Nephritis

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 29.09.2020

 

Die Lupus-Nephritis ist eine Nierenentzündung im Rahmen des systemischen Lupus erythematodes (SLE), einer Autoimmunerkrankung. Sie bedingt oft lebensbedrohliche Verläufe des SLE, für welche nur wenige etablierte immunsuppressive Therapieoptionen im Vergleich zu anderen SLE-Manifestationen existieren. Verschiedene Biologicals befinden sich hier in klinischen Studien – ein spezifischer monoklonaler Antikörper (Belimumab) ist bereits für die Add-on-Behandlung des SLE ohne Nephritis zugelassen. Nun erschien eine Phase-III-Studie zur Therapie der Lupus-Nephritis mit vielversprechenden Ergebnissen [1]. Der systemische Lupus erythematodes (SLE) ist eine chronisch-entzündliche, meistens schubförmig verlaufende Autoimmunerkrankung. Man findet sehr unterschiedliche klinische Manifestationen an verschiedenen Organen (Haut, Lunge, Herz, ZNS, Muskeln/Gelenke, Nieren), sodass es insgesamt kein einheitliches Krankheitsbild gibt. In Deutschland leben ca. 30.000 Menschen mit einem diagnostizierten SLE (Erhebung von 2002 [2]); betroffen sind meist junge Frauen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren.  Die Ursachen der Erkrankung sind multifaktoriell (z. B. genetische Veranlagung, hormonelle und umweltbedingte Trigger); die Pathomechanismen komplex – praktisch alle Arten von Immunzellen sind beteiligt [3] und es kommt zur Bildung verschiedener Autoantikörper und Immunkomplexablagerungen. Eine Beteiligung der Nieren („Lupus-Nephritis“) wird ungefähr bei der Hälfte der Patienten beobachtet, sie gehört zu den schwersten Lupus-Formen mit häufig lebensbedrohlichen Verläufen.  In den letzten Jahrzehnten führte das zunehmende Verständnis der immunologischen Pathomechanismen zu Fortschritten in der Therapie, wodurch sich die Lebenserwartung bei SLE-Patienten deutlich verbessert hat (5-Jahres-Überlebensrate 1950 <50 % und heute: >95 %) [4]. Die medikamentöse Therapie besteht aus einer Basistherapie (Hydroxychloroquin plus ACE-Hemmer/AT1-Antagonist) sowie einer antientzündlichen und immunsuppressiven Induktions- und Erhaltungstherapie. Dazu werden verschiedene Substanzen kombiniert (Prednisolon, Azathioprin/Mycophenolat-Mofetil, Cyclosporin A/Tacrolimus). Dennoch spricht die Lupus-Nephritis oftmals schlecht auf die Therapie an, sodass bis zu 30 % der Betroffenen dialysepflichtig werden [1].

 


Nephrologie – viele Innovationen zu Beginn des neuen Jahrzehnts

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 28.09.2020

 

Nephrologische Erkrankungen gewinnen weltweit zunehmend an Relevanz. Mit einer Prävalenz von mehr als 10 % sind chronische Nierenerkrankungen (CKD) sehr häufig. Mehr als jeder 5. Patient erleidet während eines Krankenhausaufenthalts eine akute Einschränkung der Nierenfunktion. Mehr Aufklärung, bessere Prävention, Entwicklung und Umsetzung innovativer Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten, Intensivierung der klinischen Forschung sowie eine adäquate Integration der Nephrologie in die Strukturen des Gesundheitssystems sind enorme Herausforderungen, vor denen das Fachgebiet steht. Wie es diesen begegnet, wird im Rahmen des diesjährigen Kongresses „Nephrologie 2020“ diskutiert.In Deutschland leben etwa 9 Mio. Menschen mit einer chronischen Nierenkrankheit*. Das Alter, ein ungesunder Lebensstil und damit verbundene Begleiterkrankungen, insbesondere Diabetes mellitus, Übergewicht und Bluthochdruck, sind die häufigsten Gründe dafür, dass Menschen an einer chronischen Nierenerkrankung („chronic kidney disease“/CKD) erkranken. Mit einer CKD erhöht sich das Risiko eines Nierenversagens, das eine Nierenersatztherapie erforderlich macht. Die davon Betroffenen müssen sich regelmäßig einer Dialyse unterziehen (in der Regel dreimal pro Woche über vier Stunden) oder einer Nierentransplantation – wobei die mittlere Wartezeit auf eine Niere in Deutschland mehr als 7 Jahre beträgt. Nephrologische Erkrankungen gewinnen daher auch gesellschaftlich an Relevanz: Die Menschen werden immer älter und der Anteil der Diabetiker und Menschen mit Bluthochdruck ist in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten deutlich angestiegen, sodass man trotz Präventionsbemühungen auch mit einem Anstieg an nierenkranken Menschen rechnen muss. Das Gesundheitsministerium NRW schätzt auf Basis eines Gutachtens zur Krankenhausreform, dass die Nephrologie zukünftig um 13 % wachsen wird.

 


Autoimmunerkrankungen gezielt behandeln: Plasmazellen im Fokus eines neuartigen Therapieansatzes

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 22.09.2020

 

Ein Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Deutschen Rheumaforschungszentrums Berlin, ein Institut der Leibniz-Gemeinschaft (DRFZ), konnte die Autoimmunerkrankung systemischer Lupus erythematodes bei zwei Patientinnen erfolgreich behandeln. Mit dem gegen spezielle Immunzellen – sogenannte Plasmazellen – gerichteten Antikörper Daratumumab gelang es, das krankhaft veränderte Immungedächtnis nachhaltig zu beeinflussen und dadurch die Entzündungsprozesse im gesamten Körper zu verringern. Die Ergebnisse sind jetzt im Fachmagazin New England Journal of Medicine* erschienen. Das immunologische Gedächtnis gewährleistet einen Schutz vor Krankheitserregern, die nach überstandenen Infektionen oder Impfungen schnell wiedererkannt und unschädlich gemacht werden. Diese Immunantwort wird vermittelt durch Gedächtnis-T-Lymphozyten sowie durch Antikörper, die von sogenannten Plasmazellen produziert werden. Ausgereifte Gedächtnis-Plasmazellen nisten in spezialisierten Nischen im Knochenmark, wo sie ein ganzes Leben lang große Mengen Antikörper produzieren können. Bei Autoimmunerkrankungen hingegen erkennt das Immunsystem Bestandteile des eigenen Körpers fälschlicherweise als Gefahr und entwickelt – auch mit Hilfe des immunologischen Gedächtnisses – eine Abwehr durch sogenannte Autoantikörper. Der systemische Lupus erythematodes (SLE) ist eine solche Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper gegen körpereigene Zellkernbestandteile gebildet werden. Dies geht mit einer Entzündung von Haut, Gelenken oder inneren Organsystemen – wie Niere, Herz oder Nervensystem – einher. Herkömmliche Therapieansätze zielen auf eine dauerhafte Unterdrückung von Immunreaktionen, richten sich bislang jedoch nicht gegen ausgereifte Gedächtnis-Plasmazellen.


Mit Diabetesmedikamenten gegen die Herzschwäche

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 22.09.2020

 

Die chronische Herzschwäche, auch Herzinsuffizienz genannt, ist für mehr als 460.000 Krankenhauseinweisungen in Deutschland verantwortlich. Das sind so viele wie bei keiner anderen Krankheit. Erkrankte Patienten erleben außerdem eine enorme Einschränkung ihrer Lebensqualität und auch die Wahrscheinlichkeit, an der Krankheit zu versterben, ist enorm hoch. Doch eine überraschende Entwicklung macht Patienten und Ärzten seit einer Weile Hoffnung: Zwei Medikamente, die eigentlich zur Diabetes-Behandlung entwickelt wurden, haben sich als sehr wirksame Medikamente gegen die Herzinsuffizienz erwiesen. In Studien wurde die Wirksamkeit dieser Präparate nun eindrucksvoll nachgewiesen. Eine chronische Herzinsuffizienz entsteht meist als Folge anderer kardiovaskulärer Erkrankungen wie Bluthochdruck, einer koronaren Herzerkrankung und insbesondere nach Herzinfarkten oder Herzmuskelentzündungen. Außerdem gibt es eine genetische Vorbelastung bei manchen Formen der Herzmuskelerkrankung (genetische Kardiomyopathien). Effiziente Medikamente zur Therapie der Herzinsuffizienz und vor allem der zugrundeliegenden Erkrankungen sind zwar mit Erfolg in den letzten Jahren entwickelt worden, dennoch blieb die Sterblichkeit und die Zahl der Krankenhausaufnahmen hoch. Neue Studiendaten lenken das Augenmerk von Kardiologen nun auf die ursprünglich für Diabetes mellitus entwickelten Medikamente Dapagliflozin und Empagliflozin aus der Gruppe der SGLT 2-Hemmer. Nachdem einige orale Diabetesmedikamente in der Vergangenheit eine Erhöhung der Krankenhausaufnahme wegen einer Verschlechterung der Herzinsuffizienz verursachten (sogenannte Glitazone), hatte die amerikanische Zulassungsbehörde (FDA) Sicherheitsstudien für alle neu entwickelten Antidiabetika verpflichtend gemacht. So viel bei Zulassungsstudien zu SGLT2-Inhibitoren auf, dass sie nicht nur bei Diabetes helfen, sondern auch eine Verbesserung der Herzinsuffizienz zu bewirken scheinen.

 


Erinnerungsstätte in Homburg : Eine Stele erinnert an Organspender

Quelle: Saarbrücker Zeitung, 21.09.2020

„In Umfragen spricht sich zwar ein hoher Prozentsatz für die Organspende aus. Doch nicht jeder dieser Menschen hat einen Spenderausweis“, sagte die saarländische Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) am Samstagmorgen auf dem Campus des Uniklinikums in Homburg. Damit fasste sie das Dilemma kurz zusammen: Organtransplantation ist eine lebensverlängernde Maßnahme und aus medizinischer Sicht eine äußert wertvolle Sache – allein, es fehlen genügend Spender. Zum Gedenken an jene Menschen, die sich nach dem Tod dazu bereit erklärt haben, und an deren Angehörige wurde jetzt eine „Oase geschenkten Lebens“ eingeweiht, bestehend aus einer Stele und einem frisch gepflanzten Ginkgobaum.


Neue BZgA-Studienergebnisse: Immer mehr Menschen treffen eine Entscheidung zur Organspende

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft,  16.09.2020

 

Die BZgA veröffentlicht erste Studienergebnisse ihrer bundesweiten Repräsentativbefragung „Einstellung, Wissen und Verhalten der Allgemeinbevölkerung zur Organ- und Gewebespende in Deutschland 2020“. Die neuen Daten zeigen, dass mit 62 Prozent deutlich mehr Befragte eine Entscheidung zur Organ- und Gewebespende getroffen haben – bei der letzten Befragung im Jahr 2018/2019 lag dieser Wert noch bei 56 Prozent. Die Erhebung ist ein wichtiger Bestandteil der Aufklärungsarbeit der BZgA, um bestehende Wissenslücken in der Bevölkerung zur Organspende zu erkennen – und diese dann zu schließen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) veröffentlicht erste Studienergebnisse ihrer bundesweiten Repräsentativbefragung „Einstellung, Wissen und Verhalten der Allgemeinbevölkerung zur Organ- und Gewebespende in Deutschland 2020“.  Die aktuellen Daten zeigen, dass mit 62 Prozent deutlich mehr Befragte eine Entscheidung zur Organ- und Gewebespende getroffen haben – bei der Befragung im Jahr 2018/2019 lag dieser Wert noch bei 56 Prozent. Gestiegen ist auch der Anteil derer, die ihre Entscheidung schriftlich in einem Organspendeausweis und/oder einer Patientenverfügung festgehalten haben: von 39 Prozent auf aktuell 44 Prozent. 18 Prozent der Befragten haben eine Entscheidung getroffen, diese aber nicht schriftlich dokumentiert. 82 Prozent der in diesem Jahr Befragten stehen dem Thema Organ- und Gewebespende positiv gegenüber, 2018 waren es 84 Prozent.

 


DGTI: Erkrankungen durch Blutreinigung heilen

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 15.09.2020

 

Gesund durch Blutreinigung? Wie neue Erkenntnisse in der therapeutischen Apherese helfen können, Erkrankungen zu heilen. Die therapeutische Apherese, im Volksmund auch Blutreinigung genannt, ermöglicht bei einer Vielzahl von Erkrankungen, das Blut außerhalb des Körpers von krankmachenden Bestandteilen zu befreien. Die bekannteste Form der Blutreinigung ist die Nierenersatztherapie (Dialyse), welche bei Nierenversagen eingesetzt wird. Doch auch bei der Organtransplantation leisten neue Verfahren der Apherese einen wichtigen Beitrag dazu, dass die Empfänger ihre erhaltenen neuen Organe nicht abstoßen, betont die Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie e.V. (DGTI). Schon im Mittelalter wurde versucht, das Blut durch einen regelmäßigen Aderlass zu reinigen. Die erste moderne „Blutreinigung“ ist die Hämodialyse. Weniger bekannt ist die therapeutische Apherese, welche in der Transfusionsmedizin eine große Bedeutung hat. Die Institute für Transfusionsmedizin verfügen heute über Geräte und Therapieansätze, die gezielt krankhafte Bestandteile aus dem Blut entfernen können. Bei der zumeist mehrstündigen Behandlung wird das Blut durch eine Maschine geleitet, um die kranken von den gesunden Blutbestandteilen zu trennen. Die gesunden erhält der Patient als Infusion zurück, die kranken werden verworfen. „Die therapeutische Apherese ist ein erprobtes und höchst effektives Verfahren mit beeindruckenden klinischen Erfolgen“, sagt Professor Dr. med. Nina Worel vom Medizinischen Universitätscampus Wien, die bei der DGTI die Sektion Präparative und therapeutische Hämapherese leitet.

 


Wie sag ich’s meinen Patientinnen und Patienten?

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 15.08.2020

 

 

Mit einer einfachen Veränderung der Kommunikation können Ärztinnen und Ärzte das Verständnis bei ihren Patientinnen und Patienten enorm steigern. Die Kommunikation zwischen Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten sowie Patientinnen und Patienten ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für eine effektive medizinische Betreuung. Von der Mehrzahl der Patientinnen und Patienten wird aktuell ein Modell der so genannten „Partizipativen Entscheidungsfindung“ bevorzugt, bei der sie deutlich mehr in den Entscheidungsprozess eingebunden sind, als dies noch früher der Fall war. Eine gelungene Kommunikation, die diesen Ansatz beinhaltet, kann in Anbetracht der durchschnittlich eher geringen Gesundheitskompetenz der Bevölkerung die Behandlungsergebnisse vorteilhaft beeinflussen. Gleichzeitig kann eine schwierige oder nicht gelungene Kommunikation Stress für alle Beteiligten auslösen. Dass dies oft schon durch eine Vereinfachung der Sprache verhindert werden kann, zeigt nun eine Untersuchung zur Arzt-Patienten-Kommunikation. „Wir haben in einem mehrstufigen Untersuchungssetting die Auswirkungen eines einfachen Austausches von Begriffen vorgenommen“, erläutert Prof. Dr. Peter Borusiak von der Universität Witten/Herdecke (UW/H), der neben Yuliya Mazheika (Wagener-Stiftung für Sozialpädiatrie), Prof. Dr. Olivier Berthod (Jacobs-University Bremen) sowie Prof. Dr. Jana Möller und Dr. Carolin Auschra (Freie Universität Berlin) an dem Kooperationsprojekt beteiligt war.

 


Verbindung aus Calcium und Phosphat löst starke Entzündung bei Rheumapatienten aus

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 10.10.2020

 

Wissenschaftler der Universität Leipzig haben entdeckt, dass Calcium im Zusammenspiel mit Phosphat starke Entzündungen bei Rheumapatienen auslösen kann. Die Erkenntnis eröffnet neue Therapieansätze bei rheumatischen und chronisch entzündlichen Erkrankungen. Das Ergebnis hat eine Forschergruppe der Medizinischen Fakultät um Studienleiter Prof. Dr. Ulf Wagner aktuell in der Fachzeitschrift „nature communications“ veröffentlicht. „Ein entzündungsfördernder Effekt von Calcium-Ionen war bisher bei chronischer Bronchitis und Adipositas erforscht worden, der Nachweis bei Rheuma ist völlig neu. Mit dieser Entdeckung ist es nun möglich, neue Therapieansätze bei rheumatischen und chronisch entzündlichen Erkrankungen zu entwickeln“, sagt Wagner, Leiter der Arbeitsgruppe „Experimentelle Rheumatologie“ an der Klinik und Poliklinik für Endokrinologie, Nephrologie, Rheumatologie am Universitätsklinikum Leipzig, der das Ergebnis gemeinsam mit Dr. Elisabeth Jäger, Supriya Murthy und PD Dr. Manuela Rossol publiziert hat.


Epigenetische Veränderungen gehen Ausbruch von Diabetes voraus

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 10.09.2020

 

Bereits einige Jahre vor der Diagnose eines Typ-2-Diabetes lassen sich bei den Betroffenen epigenetische* Veränderungen in den Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse feststellen. Sie sorgen dafür, dass einige Gene eine andere Aktivität haben als bei gesunden Personen. In einer Studie haben Forschende des DZD und DIfE 105 solcher Veränderungen in menschlichen Blutzellen entdeckt. Die Ergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift Diabetes veröffentlicht. Diese Erkenntnisse könnten helfen, weitere diagnostische Marker für Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Bei der Entstehung von Typ-2-Diabetes spielen mehrere Ursachen eine Rolle. Dazu gehören eine erbliche Veranlagung, epigenetische Faktoren, eine fett- und zuckerreiche Ernährung sowie Übergewicht und Bewegungsmangel. Um die Entwicklung der Stoffwechselerkrankung zu vermeiden, ist es wichtig, Menschen mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko frühzeitig zu erkennen. Da es bei der Diabetes-Entwicklung auch zu Funktionsstörungen in den Langerhans-Inseln in der Bauchspeicheldrüse kommen kann, haben Forschende des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) Potsdam-Rehbrücke und des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) untersucht, ob es epigenetische Veränderungen in den Langerhans-Inseln gibt, die mit der Diabetes-Entstehung zusammenhängen. An der Studie hat auch die Universität Lund mitgearbeitet.

 


Rekord – 50 Jahre Dialyse

Quelle: Pressenetwork, 08.09.2020

 

Thomas Lehn – seit 1970 Dialysepatient - Der Ingelheimer Thomas Lehn (64 Jahre) ist seit seiner Geburt nierenkrank und ist wahrscheinlich der einzige Mensch auf der Welt, der ohne eigene Nierenfunktion seit 50 Jahren mit der Dialysebehandlung lebt. Ein Jubiläumsfest war geplant, musste aber wegen der Corona Krise absagt werden.Thomas Lehn kam mit einem Nierenerkrankung auf die Welt. Im Alter von 5 Jahren wurde ihm die rechte kranke Niere entfernt und 9 Jahre später gab nach einer schweren Grippe auch seine linke Niere ihre Funktion auf. Die Dialysebehandlung bei Kindern in Deutschland steckte 1970 noch in den Kinderschuhen und nur in der Urologischen Kinderdialyse der Chirurgischen Klinik in Heidelberg gab es die einzige Möglichkeit in Deutschland, das Leben von Thomas Lehn zu retten. Nach zwei erfolglosen Bauchfelldialysen in der Universitätsklinik Mainz verschlechterte sich sein gesundheitlicher Zustand, so dass er in ein urämisches Koma fiel. In letzter Minute brachte man ihn nach Heidelberg an die Kinderdialyse, da dort ein Dialyseplatz frei wurde, weil ein Kind die Nierenerkrankung nicht überlebt hatte. Die Dialyseplätze waren rund um die Uhr belegt. Dialyseplätze in Deutschland waren damals so rar, dass nicht einmal jeder erwachsene Nierenkranke einen Dialyseplatz erhielt.


Später dialysepflichtig - SGLT-2-Hemmer und der Nierenschutz
Quelle: Pharmarzeutische Zeitung, 03.09.2020
Die Evidenz, dass Arzneistoffe aus der Gruppe der SGLT-2-Hemmer das Fortschreiten einer Nierenerkrankung bremsen können, wird immer größer. Zwei weitere Studien lieferten positive Ergebnisse.  SGLT-2-Hemmer sind vor allem aus der Typ-2-Diabetestherapie bekannt. Sie hemmen den Natrium-Glucose-Cotransporter-2 (SGLT2). Dadurch wird die Rückresorption des Zuckers in den Nierentubuli unterbunden und der Zucker mit dem Urin ausgeschieden. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) äußert sich nun zum Nutzen dieser Arzneistoffe bei Nierenpatienten. Bereits vor einigen Jahren gab es erste Hinweise auf nephroprotektive Effekte, als die EMPA-REG OUTCOME- Studie zeigte, dass der SGLT-2-Inhibitor Empagliflozin das renale Outcome von Diabetikern verbessern kann. Damals blieben aber noch einige Fragen offen. Handelt es sich um einen Substanz- oder einen Klasseneffekt? Profitieren auch Nierenpatienten ohne Diabetes? Mittlerweile erhärtet sich die Evidenz, dass es sich sehr wohl um einen Klasseneffekt handelt und dass auch Nicht-Diabetiker mit Nierenerkrankungen profitieren. Im Rahmen des europäischen Kardiologenkongresses wurden nun die Ergebnisse von zwei Phase-III-Studien veröffentlicht. Diese könnten laut DGfN wegweisend für Patienten mit chronischer Nierenkrankheit (CKD) sein.

Hoffnung für Herz und Nieren

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 02.09.2020

 

Eigentlich hatten Forscher des Uniklinikums Würzburg nach einer Therapie gesucht, um die Herzen von Diabetes-Patienten zu schützen. Die fanden sie auch in einem SGLT2-Hemmer. Darüber hinaus machte Professor Christoph Wanner, Leiter der Nephrologie in der Medizinischen Klinik und Poliklinik I, eine zufällige Entdeckung, die zahlreiche weitere - und wie jetzt beim virtuellen Kongress der European Society of Cardiology zu sehen war erfolgreiche! – Studien nach sich zogen. Denn SGLT2-Inhibitoren haben sich auch in der Therapie chronischer Nierenerkrankungen als äußerst wirksam erwiesen, unabhängig vom Diabetes-Status. Großartige Neuigkeiten für Patienten mit Chronischer Nierenerkrankung. Seit Jahren hat sich keine neue Behandlungsoption als sicher und wirksam erwiesen, so dass kein neues Medikament in die klinische Praxis eingeführt werden konnte. Mit SGLT2-Inhibitoren gibt es jetzt eine ganz neue Substanzklasse, die sehr effektiv ist. Zwei randomisierte kontrollierte Studien zeigen, dass die SGLT2-Inhibitoren Canagliflozin und Dapagliflozin das Fortschreiten der chronischen Nierenerkrankung bei allen Patienten verlangsamen, nicht nur bei Diabetikern. Dieser Durchbruch bei der Behandlung von Nierenerkrankungen geht auf eine Studie von Professor Christoph Wanner zurück. Der Leiter der Klinischen Forschung und Nephrologie am Universitätsklinikum Würzburg und Präsident der ERA-EDTA, war der erste, der das Potential von SGLT2-Inhibitoren erkannte – und das eher zufällig.

 


Neuer Therapieansatz bei familiärer Zystennierenerkrankung ADPKD

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 28.08.2020

 

Die „Zystennieren“ sind eine der häufigsten Erbkrankheiten weltweit, die im fortgeschrittenen Stadium Dialyse erfordern. Die bisherigen therapeutischen Möglichkeiten sind nur sehr begrenzt wirksam und von Nebenwirkungen begleitet. Forscherinnen und Forscher der Universität Regensburg und des Universitätsklinikums Erlangen zeigen jetzt in einer umfangreichen Untersuchung, dass der Chloridkanal TMEM16A (Anoctamin 1) wesentlich zum Zystenwachstum beiträgt und eine pharmakologische Hemmung von TMEM16A das Zystenwachstum signifikant reduziert. Dies wird unter anderem durch zwei Medikamente erreicht, die in der Humanmedizin bereits zu anderen Zwecken zugelassen sind. Etwa jede tausendste Person leidet an der autosomal dominanten polyzystischen Nierenerkrankung ADPKD, die wiederum in ca. 50 % der Fälle ab Mitte des fünften Lebensjahrzehnts in einen unwiederbringlichen Verlust der Nierenfunktion mündet. Dies bedeutet für die Patientinnen und Patienten lebenslange Hämodialyse oder Nierentransplantation und eine Verkürzung der Lebenserwartung. Zudem leiden die Betroffenen durch ihre Nierenerkrankung an Bluthochdruck, Schmerzen und Infektionen. Seit längerer Zeit ist bekannt, dass das kontinuierliche Zystenwachstum maßgeblich zu all diesen Problemen führt. Die bisherigen therapeutischen Möglichkeiten sind nur sehr eingeschränkt wirksam und von relevanten Nebenwirkungen begleitet.

 


SARS-CoV-2: Virenbefall der Nieren geht mit akutem Nierenversagen und erhöhter Sterblichkeit einher

Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft, 24.08.2020

 

Vor wenigen Monaten hatte die Arbeitsgruppe um Prof. Tobias Huber, Nephrologe am UKE in Hamburg, SARS-CoV-2 in den Nieren verstorbener COVID-19-Patienten entdeckt und nachgewiesen, dass diese Organe ebenfalls Ziel von SARS-CoV-2 sind. Nun zeigte die gleiche Arbeitsgruppe, dass dort auch eine Virusreplikation stattfindet, die möglicherweise klinische Folgen hat: Der Nachweis von Virus-RNA in den Nieren korrelierte mit einer höheren Rate an akutem Nierenversagen und einer höheren Sterblichkeit. Wie die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) aus diesen Daten schlussfolgert, müssen Patienten mit schweren COVID-19-Verläufen nephrologisch mitbetreut und nachbeobachtet werden. Bereits im Mai hatten Professor Dr. Tobias Huber und Kollegen die ersten Ergebnisse einer am UKE durchgeführten Autopsiestudie im „The New England Journal“ publiziert [1]. Die wesentliche Erkenntnis lautete: SARS-CoV-2 befällt auch andere Organe als die Lungen, und zwar in einem besonderen Maße die Nieren. Dort wurde bei den obduzierten Patienten auffällig häufig das Coronavirus nachgewiesen. Nun veröffentlicht Prof. Huber und sein Team die Ergebnisse einer Folgeauswertung von 63 älteren, an COVID-19 verstorbenen Patientinnen und Patienten [2]. In dieser Kohorte wurde insgesamt bei 60% in den Nieren die RNA des neuartigen Virus in den Nieren aufgefunden.

 


Neuer Antikörper könnte Eisenstoffwechsel bei Dialyse-PatientInnen verbessern und kardiovaskuläres Risiko minimieren

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 20.08.2020

 

Ein Team der Innsbrucker Univ.-Klinik für Innere Medizin II (Direktor: Günter Weiss) an der Medizin Uni Innsbruck hat einen innovativen Antikörper für die Therapie der chronischen Blutarmut (Anämie der chronischen Erkrankung) bei Dialyse-PatientInnen mitentwickelt. Der Mehrwert des neuen Ansatzes liegt in der geringer benötigten EPO-Dosis und der damit einhergehenden Minimierung des kardioavaskulären Risikos, dem NierenpatientInnen besonders ausgesetzt sind. Nach den vielversprechenden Ergebnissen im Maus- und Rattenmodell, soll der Antikörper schon bald in die klinische Erprobung gehen. Innsbruck, am 20.08.2020: Die chronische Blutarmut (ACD) stellt ein häufiges Begleitproblem von Dialyse-PatientInnen dar. Neben dem funktionellen Eisenmangel durch die chronische Entzündung, kommt es bei diesen PatientInnen durch die geschädigte Niere zu einer zu geringen Produktion des für die Blutbildung wichtigsten Hormons, Erythropoetin (EPO). Die Gabe von EPO stellt daher einen Grundpfeiler in der Therapie zur Korrektur der Anämie dar. Doch trotz maximaler Dosierung bleibt die Bildung des Sauerstofftransportproteins Hämoglobin bei Dialyse-PatientientInnen aufgrund einer Resistenzentwicklung gegen EPO eingeschränkt. Eine aktuelle „Black-Box-Warnung“ – damit wird in den USA auf Beipackzetteln von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln vor schwerwiegenden Nebenwirkungen gewarnt – bringt das Therapeutikum EPO außerdem mit einer erhöhten kardiovaskulären Mortalität in Verbindung. „Diese Warnung stellt für Dialyse-Patientinnen und -Patienten ein zusätzliches Dilemma dar, da eine Niereninsuffizienz an sich schon mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko vergesellschaftet ist“, betont Igor Theurl, der an der Innsbrucker Univ.-Klinik für Innere Medizin II gemeinsam mit Direktor Günter Weiss seit vielen Jahren zur Anämie chronischer Erkrankungen forscht.


Organspende als Thema in der Schule - BZgA veröffentlicht neues Unterrichts-Material

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 19.08.2020

 

„Ist man wirklich tot, wenn man für hirntot erklärt wird?” Diese und viele weitere Fragen beschäftigen junge Menschen, die sich mit dem Thema Organspende auseinandersetzen. Das neue Schulmaterial der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) „Wissen kompakt – Organspende. Das Unterrichtsheft“ unterstützt Lehrerinnen und Lehrer dabei, Jugendliche für das Thema zu sensibilisieren. Das kostenfrei zu bestellende Angebot richtet sich an die Altersgruppe der Sekundarstufe II. Junge Menschen ab dem 16. Lebensjahr können sich entscheiden, ob sie ihre Organe spenden möchten. Prof. Dr. med. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, erläutert: „Um speziell Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II zu erreichen, haben wir das neue Unterrichtsangebot entwickelt. Es ermöglicht eine fächerübergreifende Annäherung an das Thema Organspende und regt zu Diskussionen untereinander und mit ihren Familienangehörigen an. Auch fordert es dazu auf, sich zu verschiedenen ethischen Fragen zu positionieren. Somit werden junge Menschen ermutigt, sich schon zu Schulzeiten mit dem Thema auseinander zu setzen und eine informierte und selbstbestimmte Entscheidung zur eigenen Spendebereitschaft zu treffen.“ Laut Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wünschen sich 47 Prozent der jungen Menschen zwischen 14 und 25 Jahren mehr Informationen zum Thema Organ.

 


Organbefall von SARS-CoV-2 erhöht Risiko für Sterblichkeit und akutes Nierenversagen

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 18.09.2020

 

Das neuartige Corona-Virus kann sich auch außerhalb der Lunge, zum Beispiel in den Nieren, vermehren. Das haben Forschende des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) in einer Studie nachgewiesen, die sie in der aktuellen Ausgabe des internationalen Fachmagazins The Lancet veröffentlicht haben. Zugleich beobachtete das Team, dass COVID-19-Patientinnen und -Patienten, bei denen in den Nieren der COVID-19-Erreger nachweisbar ist, ein höheres Risiko für ein akutes Nierenversagen und eine kürzere Überlebenszeit haben. Für ihre Studie haben die Forschenden Obduktionen von 63 überwiegend älteren Patientinnen und Patienten mit einer COVID-19-Infektion und Vorerkrankungen ausgewertet. In 60 Prozent der untersuchten Nieren hat das Team den COVID-19-Erreger gefunden. Erst kürzlich hatten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entdeckt, dass SARS-CoV-2 ein Multiorganvirus und in zahlreichen Organen nachweisbar ist. In ihrer aktuellen Studie konnten die Forschenden zeigen, dass der Nachweis von SARS-CoV-2-Erregern in den Nieren von COVID-19-Patienten mit einem erhöhten Risiko für ein akutes Nierenversagen einhergeht: Unter den Patienten mit einem akuten Nierenversagen entdeckten die Wissenschaftler bei 72 Prozent der Fälle das Virus in den Nieren. Im Gegensatz dazu fanden sie bei Patienten ohne akutem Nierenversagen nur in 43 Prozent der Fälle den Erreger in den Nieren.

 


Immunreaktion gegen Sars-Cov-2 nach Organtransplantation

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 17.08.2020

 

Ein Forschungsteam des Klinikums der Ruhr-Universität Bochum (RUB) hat einen Test entwickelt, der Aufschluss über die Immunreaktion auf das neuartige Coronavirus bei Patientinnen und Patienten gibt, die immununterdrückende Medikamente einnehmen müssen. Das ist zum Beispiel nach einer Organtransplantation notwendig. „Wir konnten belegen, dass diese Patienten trotz Immunsuppression eine gute Immunantwort auf Sars-Cov-2 erzielen können“, sagt Prof. Dr. Nina Babel, Leiterin des Centrums für Translationale Medizin am Marien-Hospital Herne. Die immununterdrückende Therapie kann mithilfe des Tests während einer Covid-19-Erkrankung individuell angepasst werden. Die Forscherinnen und Forscher berichten im American Journal of Transplantation vom 10. August 2020. Organtransplantierte tragen doppelt hohes Risiko. Chronisch Kranke und Patientinnen und Patienten mit gestörter Immunabwehr haben ein erhöhtes Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken. Transplantierte sind dabei in mehrfacher Hinsicht betroffen: Neben der chronischen Erkrankung, die zum Organversagen und der nachfolgenden Transplantation geführt hat, müssen transplantierte Patienten Medikamente einnehmen, die die Abwehrfähigkeit des eigenen Immunsystems unterdrücken.

 


Studie über Immunantwort auf Sars-CoV-2 bringt überraschende Erkenntnisse

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 12.08.2020

 

 

Bisher sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit davon ausgegangen, dass das Immunsystem von Patienten, die einen schweren Verlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus hatten, schwächer auf die Infektion reagierte. Es ist aber genau umgekehrt, wie ein Team um Professorin Martina Sester nun herausgefunden hat. Ein schwerer Verlauf ist ein Indiz für eine starke Immunantwort. Die Studie ist vorab auf einem so genannten Preprint-Server erschienen. Am Anfang war das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 eine große Unbekannte in der Wissenschaft. Wenig bis nichts war bekannt über seine krankheitsbestimmenden Mechanismen. Mit der Zeit – und durch die Dringlichkeit, ein Medikament oder Impfstoff zu finden und bessere Therapiemöglichkeiten zu entwickeln – finden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun aber mehr über das Virus und seine Folgen heraus. So setzen sie Puzzleteil um Puzzleteil zusammen, um das Virus besser verstehen zu können.  Eines dieser Puzzleteile hat nun Martina Sester, Professorin für Transplantations- und Infektionsimmunologie, gemeinsam mit weiteren Kolleginnen und Kollegen aus der Infektionsmedizin, der Inneren Medizin und der Hämostaseologie des Universitätsklinikums des Saarlandes entdeckt. In einer vorab publizierten Studie haben sie ihr Augenmerk speziell auf die sogenannten T-Zellen gerichtet, die als Blutzellen ein Teil der Immunantwort des Menschen sind. Die T-Zellen sind in der weltweit auf Hochtouren laufenden Forschung zum Coronavirus bisher seltener in den Mittelpunkt gestellt worden, ganz im Gegenteil zu den Antikörper-Studien, die derzeit vielfach entstehen.

 


Infektionen können Autoimmunerkrankungen in der Niere verstärken

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 13.08.2020

 

Lokale Infektionen wie Harnwegsinfekte und systemische Infektionen wie Blutvergiftungen (Sepsis) können Autoimmunerkrankungen in der Niere verstärken. Schuld daran ist eine Veränderung von weißen Blutzellen, den sogenannten T-Zellen, die der Immunabwehr dienen. Das haben Forschende des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) in experimentellen Untersuchungen aufzeigen können. Die Studienergebnisse hat das Team des Sonderforschungsbereichs SFB 1192 in der aktuellen Ausgabe der internationalen Fachzeitschrift Science Immunology veröffentlicht. „Wir konnten im Labor nachweisen, dass Infektionen langfristig das Immungedächtnis in der Niere verändern und dies bei einer sogenannten Glomerulonephritis zur verstärkten Gewebezerstörung führt“, sagt Priv.-Doz. Dr. Christian Krebs, Erstautor der Studie und Oberarzt in der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik des UKE.  Glomerulonephritiden sind Autoimmunerkrankungen der Niere, die in der westlichen Welt eine der häufigsten Ursachen für das Auftreten eines dialysepflichtigen Nierenversagens sind. Dabei kommt es schubweise zu einer überschießenden Immunantwort in der Niere, die oft in Zusammenhang mit Infekten steht. Was diese Entzündungsreaktionen auslöst, ist bisher nicht bekannt.

 


Cushing-Syndrom - Osilodrostat bremst Cortisolüberproduktion
Quelle: Pharmazeutische Zeitung, 07.08.2020
Seit Mitte Juli gibt es ein neues Arzneimittel für Erwachsene mit endogenem Cushing-Syndrom auf dem deutschen Markt: Osilodrostat (Isturisa® 1, 5 und 10 mg Tabletten, Recordati Rare Diseases). Es stoppt die überschießende Cortisolproduktion. Das endogene Cushing-Syndrom ist eine seltene Erkrankung, die auf einer Überproduktion des Hormons Cortisol in der Nebennierenrinde beruht.  Dabei werden zwei Formen unterschieden. Beim hypothalamisch-hypophysären Typ (Morbus Cushing, zentrales Cushing-Syndrom) verursacht ein Adrenocorticotropin-(ACTH-)produzierendes Hypophysen-Adenom die Überfunktion. Deutlich seltener ist das ACTH-unabhängige Cushing-Syndrom; hier ist meist ein Nebennierenrinden-Tumor für die überschießende Cortisolproduktion verantwortlich. Das klinische Bild des Cushing-Syndroms ist sehr heterogen und geprägt von den vielfältigen langfristigen Effekten der Glucocorticoide auf Organe und Gewebe. Symptome und Komorbiditäten sind unter anderem Dehnungsstreifen der Haut, Vollmondgesicht, Stammfettsucht und Atrophie der Muskulatur an Armen und Beinen, allgemeine Schwäche, Osteoporose, Glucoseintoleranz und metabolisches Syndrom, arterielle Hypertonie, Wundheilungsstörungen, verstärkte Blutungsneigung und thromboembolische Komplikationen. Ebenso können die Infektanfälligkeit steigen oder neuropsychiatrische Störungen wie Depressionen und Angst auftreten. Die Sterblichkeit ist vor allem aufgrund der Herz-Kreislauf-Komplikationen deutlich erhöht. Haupttherapieziel ist daher die Normalisierung des Cortisolspiegels, unter anderem durch chirurgische Entfernung des Hypophysen-Tumors, bilaterale Adrenalektomie oder Medikamente wie Osilodrostat oder das ältere Metyrapon (Metopiron®), die die Steroidsynthese unterdrücken.

 

Diabetische Nephropathie - Frühes Handeln schützt Nierenfunktion
Quelle: Pharmazeutische Zeitung, 04.08.2020
Bei einer Nierenschädigung durch Diabetes, einer sogenannten Diabetischen Nephropathie, steigt im Blut die Konzentration harnpflichtiger Substanzen an, Wasser-, Elektrolyt- und Saüre-Basen-Haushalt geraten durcheinander, Blut bildet sich nicht mehr ordnungsgemäß, der Knochenstoffwechsel verändert sich, das Herz-Kreislauf-Risiko steigt deutlich, ebenso die Gefahr, an die Dialyse zu müssen. 
Klagen Diabetiker über eine Kombination aus mehreren Symptomen wie häufige Unterzuckerungen, Juckreiz, höhere Blutdruckwerte, geschwollene Beine und abnehmende Leistungsfähigkeit, kann sich dahinter eine Nephropathie verbergen. Bis sich ein Nierenschaden mit diesen Symptomen bemerkbar macht, ist leider schon viel Zeit vergangen, in der sich das Organ durch hohe Blutzuckerwerte vielfältig verändert hat. Die besten Schutzmaßnahmen, damit es möglichst gar nicht erst soweit kommt: eine Blutzuckereinstellung mit einem Langzeit-Blutzuckerwert (HbA1c) zwischen 6,5 und 7,5 Prozent, eine gute Therapie und Einstellung hoher Blutdruck- und Blutfettwerte und kein Zigarettenkonsum. Doch selbst mit dem größten Bemühen entwickeln circa 40 Prozent aller Diabetiker im Verlauf der Erkrankung einen fortschreitenden Nierenschaden. Um das so früh wie möglich zu erkennen, empfiehlt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) in ihren Leitlinien, dass Diabetiker mindestens einmal im Jahr beim Arzt die sogenannte eGFR (s. Kasten unten) bestimmen und den Urin auf eine Albuminurie hin testen lassen sollen. Letzteres geschieht in der Regel aus dem Morgenurin. Entscheidend für die Einschätzung des Arztes ist das Verhältnis von Albumin zu Kreatinin, die sogenannte Albumin-Kreatinin-Ratio (ACR). Nur sie macht es möglich, die Albuminurie standardisiert zu ermitteln. Weil eine Albuminurie auch passager auftreten kann, etwa, wenn der Patient am Vortag der Untersuchung viel Sport getrieben hat, gerade einen Infekt ausbrütet oder an einer Blasenentzündung leidet, wiederholt der Arzt bei unklarem oder pathologischem Ergebnis die Bestimmung in regelmäßigen Abständen.

 

Auf Medikamente und Ernährung achten - Chronische Nierenschwäche aufhalten
Quelle: Pharmazeutische Zeitung, 31.07.2020
Die Nieren entgiften den Körper. Arbeiten sie dauerhaft nicht mehr richtig, schadet das dem gesamten Organismus. Heilen lässt sich die chronische Nierenerkrankung nicht. Betroffene können den Verlauf jedoch durch eine angepasste Ernährung und geeignete Medikation beeinflussen. Die paarig angelegten Organe haben wichtige Aufgaben: Sie regeln den Wasser- und Salzhaushalt des Körpers, filtern und reinigen das Blut und scheiden Stoffwechselprodukte und Giftstoffe aus. Sie spielen auch im Hormonhaushalt eine wichtige Rolle und regulieren den Blutdruck und die Blutbildung, indem sie die Botenstoffe Renin und Erythropoetin ausschütten. Essenziell für die Nierenfunktion sind die Nephrone, die aus Nierenkörperchen und Nierenkanälchen bestehen. Ist mehr als die Hälfte der Nephrone zerstört, funktioniert die Niere nur noch eingeschränkt. Das bedeutet, dass sich überschüssiges Wasser, aber auch Giftstoffe im Körper ansammeln, da sie nicht mehr ausreichend eliminiert werden können.

 

SARS-CoV-2 - Nieren im Fokus
Quelle: Pharmazeutische Zeitung, 30.08.2020
Nach den Atemwegen sind die Nieren das häufigste Angriffsziel für SARS-CoV-2. Bei vielen Patienten zeigt sich dies bereits frühzeitig durch auffällige Urinparameter. Mediziner hoffen, diesen Umstand nutzen zu können, um künftig schwere Covid-19-Verläufe vorhersagen und verhindern zu können. Als SARS-CoV-2 Ende 2019 die ersten Infektionen verursachte, gingen Mediziner noch davon aus, dass es sich um ein reines Atemwegsvirus handelt. Je mehr Patienten jedoch dazu kamen, umso mehr Symptome wurden beschrieben. Schnell war klar: Sars-CoV-2 scheint viel mehr Angriffspunkte im menschlichen Organismus zu finden, als ursprünglich angenommen. Wie bei den anderen beiden zoonotischen CoronavirenMERS und SARS – scheinen die Nieren besonders empfindlich für SARS-CoV-2 zu sein. Viele Covid-19-Erkrankte zeigen bereits frühzeitig auffällige Urinwerte, die sich bei schweren Verläufen zu einem akuten Nierenversagen steigern können. Dass dies nicht selten vorkommt, zeigte eine Umfrage des Verbands der leitenden Krankenhausärztinnen und -ärzte in der Nephrologie (VLKN) im April. Ausgewertet wurden die Daten von 504 intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Patienten aus 52 Kliniken in ganz Deutschland. Das Ergebnis: 32 Prozent dieser Patienten waren von einem akuten Nierenversagen betroffen und benötigten eine Dialyse.

Tot oder noch lebendig? Regeln für Hirntod-Diagnose sind streng

Quelle: NTV-online, 26.07.2020

 

Diese Frage ist entscheidend, wenn es um Organspende geht: Wann ist ein Mensch unwiederbringlich gestorben? Für die Diagnose des sogenannten Hirntods gelten in Deutschland klare, strenge Regeln - bei ihrer Befolgung können keine Zweifel aufkommen. Der Brite Steven Thorpe entkam nur knapp dem Tod. Nach einem schweren Autounfall war er von den behandelnden Ärzten für hirntot erklärt worden. Auf Drängen seiner Eltern wurde eine weitere Ärztin hinzugezogen, die zu einer anderen Diagnose kam. Tatsächlich wachte der damals 17-jährige Thorpe wieder auf und nahm vier Jahre nach dem Unfall ein Studium auf. Experten zufolge wäre Thorpe in einem deutschen Krankenhaus nicht für hirntot erklärt worden, auch weil hier gravierend andere Richtlinien für diesen Schritt gelten. Dennoch sind Fälle wie dieser ein Grund dafür, dass sich viele Menschen bei dem Thema gruseln - insbesondere wenn es um eine Organspende geht. Umso wichtiger ist es zu wissen, wie ein Hirntod eigentlich festgestellt wird, wer die Kriterien dafür bestimmt und wie sicher diese sind.

 


 Trotz Corona: Bereitschaft zu Organspende wächst

Quelle: Apothekerzeitung, 15.07.2020

Das Interesse an Organspenden ist so groß wie nie. Neue Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) bestätigen das: Die Spenden in Deutschland gehen weite.  Die Zahl der Organspender und der tatsächlich gespendeten Organe ist im ersten Halbjahr gestiegen. Nach aktuellen Daten der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), die dem Berliner Tagesspiegel(Dienstag) vorliegen, wurden von Januar bis Juni in Deutschland 487 Verstorbenen Organe für Transplantationen entnommen. Das sei eine Steigerung um 7,3 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019. Die Zahl der gespendeten Organe erhöhte sich demnach um drei Prozent - von 1511 auf 1557.


Chronische Niereninsuffizienz -Allopurinol kann Verlust der Nierenfunktion nicht stoppen
Quelle: Pharmazeutische Zeitung, 15.07.2020
Die Einnahme des Urikostatikums Allopurinol kann bei chronischer Niereninsuffizienz einen weiteren Funktionsverlust der Nieren offenbar nicht aufhalten. Darauf weisen aktuelle Studienergebnisse hin. Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz weisen häufig erhöhte Serum-Harnsäurespiegel auf. Bisher ist nicht abschließend geklärt, ob die Harnsäure für die Nierenschädigung verantwortlich ist oder ob die erhöhten Werte lediglich auf eine verminderte Clearance durch die geschädigten Nieren zurückzuführen sind. In diesem Zusammenhang führten Forscher in den letzten Jahren einige Studien durch. Sie gingen der Frage nach, ob eine uratsenkende Behandlung den Rückgang der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) abschwächen kann. Die Ergebnisse von zwei randomisierten Studien wurden kürzlich im »New England Journal of Medicine« publiziert. Eine Behandlung mit Allopurinol habe beiden Studien zufolge zwar den Harnsäurespiegel der Probanden senken können, einen weiteren Verlust der Nierenfunktion jedoch nicht aufhalten können.  

Transplantation - Dank Imlifidase schneller zur Spenderniere

Quelle: Pharmazeutische Zeitung, 14.07.2020

Weil sie besonders viele Donor-spezifische Antikörper bilden, kommt bei manchen Patienten, die auf eine Spenderniere warten, die Transplantation nicht infrage. Ein neues Immunsuppressivum könnte ihnen den Weg zum Spenderorgan erleichtern.  Wenn eine Niere eines verstorbenen Spenders zur Transplantation zur Verfügung steht, werden sogenannte Crossmatch-Tests gegen alle Patienten auf der Warteliste durchgeführt. Der Test prüft, ob ein Patient spezifische Antikörper gegen den potenziellen Spender hat. Hoch sensibilisierte Patienten haben außergewöhnlich hohe Antikörper-Spiegel, die auf das Gewebe eines Spenders reagieren. Dies zeigt sich als positiver Crossmatch-Test, wodurch es wahrscheinlicher wird, dass der Körper das Spenderorgan abstoßen wird. Die Patienten werden in der Regel dann nicht transplantiert und die verfügbare Niere wird einem anderen Patienten auf der Warteliste angeboten. Bislang bestand ein ungedeckter medizinischer Bedarf, diese Patienten zu desensibilisieren und ein positives Crossmatch in ein negatives umzuwandeln, damit sie für eine Nierentransplantation infrage kommen.


Die größere Spendenbereitschaft zeigt: Aufklärung rettet Leben

Quelle: Frankfurter Rundschau, 14.07.2020

 

Das Interesse an der Organspende ist deutlich gewachsen. Das ist gut so, und es zeigt: Debatten wie im Frühjahr über das neue Gesetz müssen immer wieder geführt werden. Der Kommentar. Die Not schwerkranker Patientinnen und Patienten, die auf der langen Warteliste für eine Organspende stehen, lässt viele Menschen nicht kalt. Im Zuge der Kontroverse über eine Gesetzesreform, die im Februar zu einer Neuregelung geführt hat, waren viele anrührende Berichte über solche Schicksale zu lesen und zu hören. Sie haben viele Menschen aufgerüttelt. So lässt sich die leicht gestiegene Zahl der Organspenden erklären – und das enorm gewachsene Interesse an den Flyern und Ausweisformularen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung .


Corona: Hilft EPO gegen Covid-19?

Quelle: scinexx.de, 03.07.2020

 

Dopingmittel gegen Corona: Das aus dem Sportlerdoping bekannte Erythropoetin könnte auf dreifache Weise gegen Covid-19 helfen. Denn das blutbildende Hormon unterstützt Atmung und Lungenfunktion, hemmt entzündungsfördernde Botenstoffe und kann das Nervensystem vor Schäden schützen, wie Forscher berichten. Erste Fallberichte deuten zudem daraufhin, dass eine EPO-Gabe schwere Corona-Verläufe mildern kann. Eine klinische Studie soll dies nun überprüfen. Landläufig ist Erythropoetin (EPO) vor allem als Dopingmittel bekannt. Doch dieses Wachstumshormon kommt auch von Natur aus in unserem Körper vor. Es wird bei Sauerstoffmangel ausgeschüttet wie er beispielsweise in der dünnen Luft der Hochgebirge auftreten kann. Das Erythropoetin regt dann die Bildung Roter Blutkörperchen an, wirkt aber auch auf das Atemzentrum im Stammhirn. Dadurch verbessern sich Sauerstoffaufnahme und -transport.


Wie der Körper Blasenentzündungen abwehrt

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 03.07.2020

 

Manche Menschen sind gegen Harnwegsinfekte besser geschützt als andere, weil ihr Körper möglicherweise höhere Mengen des Proteins Uromodulin herstellt. Wie der Helfer in der Notdurft funktioniert und was sich daraus für die Behandlung und Prävention der schmerzhaften Entzündungen ableiten lässt, hat nun ein interdisziplinäres Forschungsteam herausgefunden. Wer schon einmal eine Blasenentzündung durchmachen musste, weiss es: Solche Harnwegsinfekte sind lästig und schmerzhaft. Sie lassen sich zwar meist gut mit Antibiotika behandeln. Unbehandelt können sie aber auch tödlich verlaufen. Urheber der Infektionen sind meist sogenannte uropathogene E. coli-Bakterien. Sie binden mit ihren fadenförmigen Fortsätzen, den Pili, an die Zellen von Blase, Harnleiter oder Harnröhre und setzen so die Infektion in Gang. Einen Schutz dagegen bietet ein bestimmtes körpereigenes Protein, das Uromodulin: Rund 70 Prozent aller Menschen tragen in ihrem Erbgut eine Uromodulin-Genvariante, die dazu führt, dass sie dieses Schutzprotein in besonders grossen Mengen produzieren. Dementsprechend haben sie ein kleineres Risiko, Harnwegsinfekte zuzuziehen.


Organe aus dem 3D-Drucker - Science Fiction oder schon Realität?

Quelle: PressePortal, 30.06.2020

 

- Dr. Lutz Kloke, CEO von Cellbricks, ist zu Gast im Podcast Business Class mit Tilo Bonow

- Im Podcast berichtet er von den neuesten Erkenntnissen aus dem Bereich Bio-Printing, also das Drucken von "Mini-Organen"

- Ethische Fragen sowie eine Übersicht über den Markt und die Zukunft des Organdrucks erfahren Sie in der neuen Folge Business Class auf Spotify, Deezer, Apple Podcasts und Soundcloud.

- In der neuesten Folge des Podcasts Business Class mit Tilo Bonow, dem Gespräch mit den Menschen, die unsere Zukunft gestalten, spricht Tilo Bonow, Gründer der Tech-PR-Agentur PIABO mit Dr. Lutz Kloke, Gründer und CEO der Cellbricks GmbH darüber, ob Bioprinting in Zukunft zentrale Probleme in der Medizin lösen kann. Und wenn ja, welche Weichen hierfür von Politik, Wirtschaft und Forschung gestellt werden müssen. Lutz Kloke stellt sich im Podcast Business Class wichtigen Zukunftsfragen: Wer kann sich später eine gedruckte Leber oder Niere leisten? Wieviel wird ein solches Organ kosten? Auch erfahren die HörerInnen, wo die Forschung bereits steht und was jetzt schon möglich ist. In einer Hinsicht ist sich Lutz Kloke jedoch sicher: "Der Moment wird kommen, indem alles möglich sein wird."


Extrakorporale Verfahren für COVID-19-Patienten bisher wenig genutzt

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 24.06.2020

In Zeiten der COVID-19-Pandemie fokussieren sich Therapeuten in jüngster Zeit auf die Schlüsselfrage, wie die überschießende Immunantwort des Körpers abzuwenden wäre, wenn die ersten Linien der Immunabwehr bereits versagt haben. Oder wie der Kör­per von der Last der inflammatorischen Mediatoren – dem Zytokinsturm – und nicht zu­letzt von den Viren selbst befreit werden könnte. Daher kommen immer häufiger extrakorporale Verfahren ins Spiel, die in unterschiedli­cher Weise als Filter- und Adsorptionssystem wirksam werden können. „Das ist nicht zu­letzt deshalb entscheidend, weil zum Beispiel 20 bis 30 % der Patienten auf der Intensiv­station wegen ihrer eingeschränkten Nierenfunktion für eine Remdesivirtherapie über­haupt nicht infrage kommen“, erläuterte Jan T. Kielstein, Chefarzt der Nephrologie, Blut­reinigung & Rheumatologie am Städtischen Klinikum Braunschweig.


Welche Dialysepatienten profitieren von einer Behandlung mit Statinen?

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 17.06.2020

 

Score ermöglicht die Vorhersage eines Behandlungseffektes der Statin-Therapie bei Dialysepatienten mit Diabetes mellitus. Wissenschaftlern der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) und des Universitätsklinikums Würzburg ist es gelungen, nicht nur nachzuweisen, dass Untergruppen von Dialyse-Patienten tatsächlich unterschiedlich von der Behandlung mit Statinen zur Vermeidung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen profitieren, sondern auch einen Score zu entwickeln, der für einzelne Patienten eine Vorhersage über die klinische Wirksamkeit von Statinen erlaubt. Patienten, die aufgrund einer schweren Nierenerkrankung auf eine künstliche Blutwäsche (Dialyse) angewiesen sind, haben ein hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Denn häufig gehen mit einem chronischen Nierenversagen Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Blutarmut einher. Ob aber in diesem Zusammenhang die Behandlung von Dialysepatienten mit Statinen gerechtfertigt ist, ist umstritten, da randomisierte Studien mit (Hämo-) Dialysepatienten* deren Nutzen nicht belegen. Statine sind auch als Cholesterin- bzw. Lipidsenker oder CSE-Hemmer bekannt. Sie gelten als wichtige Arzneistoffe zur Senkung der Blutfettwerte und Vorbeugung von durch Arteriosklerose bedingten Herzkrankheiten wie Koronare Herzerkrankung (KHK) und Herzinfarkt. Während Statine das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung ohne Dialysebehandlung nachweislich senken, besteht große Unsicherheit bezüglich ihres Nutzens für Dialysepatienten.

 


Erblicher Bluthochdruck durch überaktives Enzym

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 11.06.2020

 

Nach mehr als 40 Jahren haben verschiedene Teams am MDC und ECRC nun den wissenschaftlichen Beweis mithilfe zweier Tiermodelle erbracht: Ein verändertes Gen für das Enzym PDE3A verursacht eine erbliche Form von Bluthochdruck. Das könnte die Therapie der Hypertonie grundlegend verändern. Auffällig wurde die türkische Familie aus einem Dorf nahe dem Schwarzen Meer bereits Anfang der Siebzigerjahre. Ein Arzt stellte damals fest, dass bei manchen Mitgliedern der Großfamilie zwei Merkmale stets gemeinsam auftraten: verkürzte Finger und astronomisch erhöhte Brutdruckwerte, zuweilen mehr als doppelt so hoch wie bei gesunden Menschen. Die Betroffenen verstarben in der Regel an einem Schlaganfall, noch bevor sie ihren 50. Geburtstag gefeiert hatten. Rund zwanzig Jahre später begann eine Gruppe um Professor Friedrich Luft und Dr. Sylvia Bähring am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), das mysteriöse Phänomen zu erforschen. Es war keine leichte Aufgabe. Erst im Mai 2015 konnten die Forscherinnen und Forscher schließlich im Fachblatt „Nature Genetics“ berichten, dass sie bei allen Patientinnen und Patienten, die an HTNB (Hypertonie mit Brachydaktylie, also Bluthochdruck und Kurzfingrigkeit) litten, auf ein verändertes Gen gestoßen waren. Die Erbkrankheit wird nach seinem türkischen Entdecker auch Bilginturan-Syndrom genannt.

 


Weniger Komplikationen nach Organtransplantation

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 10.06.2020

 

Neuartige Zelltherapie erspart Nebenwirkungen durch unterdrücktes Immunsystem. Eine großangelegte internationale Studie unter Federführung des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat die Verträglichkeit neuartiger Ansätze für die Zelltherapie bei Nierentransplantationen nachgewiesen. Das Immunsystem muss hierbei zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen weniger stark unterdrückt werden. Somit können Nebenwirkungen wie Virusinfektionen vermieden werden. Die Ergebnisse der Studie sind im Fachmagazin The Lancet* erschienen. Um die Abstoßung von Spenderorganen nach der Transplantation zu verhindern, werden üblicherweise Immunsuppressiva zur Unterdrückung des Immunsystems eingesetzt. Auch mit diesen Medikamenten kann eine spätere Abstoßung nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Hinzu kommen oft starke Nebenwirkungen wie Unverträglichkeiten, Infektionen oder andere Erkrankungen. Eine alternative Behandlungsmöglichkeit bietet die Zelltherapie: Als sogenannte regulatorische Zellprodukte werden bestimmte Immunzellen außerhalb des Körpers vermehrt und dann zur Infusion bei Organempfängern verwendet, um auf diese Weise eine selbsterhaltende Immunregulation wiederherzustellen.

 


Spahn und Baerbock begrüßen wachsende Bereitschaft zu Organspenden

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 08.06.2020

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) und Grünen-Chefin Annalena Baer­bock haben die wachsende Bereitschaft zur Organspende in Deutschland begrüßt. Beide äußerten sich in einem Doppelinterview der Passauer Neuen Presse (PNP) anläss­lich des Tages der Organspende vorgestern. Darin wies Spahn darauf hin, dass die Zahl der Spender im ersten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16 Prozent gestiegen sei.

 

Der Bundestag hatte im Januar nach langen, kontroversen Debatten einen unter anderem von Baerbock vorgelegten Antrag angenommen, wonach an dem Grundsatz festgehalten wird, dass Bürgerinnen und Bürger einer Spende aktiv zustimmen müssen. Allerdings soll verstärkt über Spenden informiert und dafür geworben sowie ein Online­register einge­führt werden. Spahn war mit dem Vorstoß für eine Widerspruchslösung ge­scheitert, wonach jeder als Organspender gelten sollte, der dem nicht ausdrücklich wi­derspricht. Die Bundestagsdebatte habe mehr gebracht „als alle Aufklärungskampagnen der vergan­genen Jahrzehnte“, sagte Spahn nun der PNP. Er relativierte daher auch sein damaliges Eintreten für das Widerspruchsmodell: „Wenn ich falsch gelegen haben sollte mit meiner Einschätzung, dass es mehr braucht als die Entscheidungslösung, um einen wirklichen Unterschied zu machen und die Zahl der Organspender zu erhöhen, wäre ich sehr glück­lich.“ Baerbock rief dazu auf, die Information und Aufklärung der Bevölkerung nun noch weiter zu verbessern. „Wir müssen das Thema Organspende kontinuierlich auf der Tagesordnung halten. Nur so können wir dann auch mehr Leben retten“, sagte die Grünen-Vorsitzende. Dafür sei das geplante Onlineregister ein zentraler Baustein.


Zahl der Organspender in Deutschland nimmt zu – kein Einbruch während Corona-Pandemie

Quelle: Handelsblatt, 06.06.2020

 

Deutschland verzeichnet immer mehr Organspender. An dem Trend änderte auch die schwierige Lage der Krankenhäuser in der Corona-Pandemie nichts. Die Zahl der Organspender steigt in Deutschland spürbar an. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) wurden in den ersten fünf Monaten dieses Jahres 410 Menschen nach ihrem Tod Organe entnommen, ein Zuwachs von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Zahl der transplantierten Organe sei von 1254 auf 1300 gestiegen. Offenbar hat die Debatte um die Organspende-Reform im vergangenen Jahr die Bevölkerung stärker für das Thema sensibilisiert. „Das Interesse am Thema ist groß wie nie“, sagte Spahn am Freitag in Berlin. In den ersten vier Monaten des Jahres seien fast 2,5 Millionen Organspendeausweise und Flyer bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bestellt worden - eine halbe Million mehr als im Vorjahreszeitraum. Einen Effekt könnte auch ein im April 2019 in Kraft getretenes Gesetz haben, das die Rolle der Transplantationsbeauftragten in Krankenhäusern stärkt und die Verfahrensabläufe bei der Organspende verbessert. Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der DSO, sagte: „Diese Maßnahmen haben unserer Einschätzung nach bereits erste Wirkungen gezeigt. Die Frage nach einer möglichen Organspende am Lebensende wird in vielen Kliniken immer mehr zur Selbstverständlichkeit.“


Rekord: Mit über 2.800 geschenkten Lebensjahren machen Organempfänger auf Organspende aufmerksam

Quelle: PressePortal, 06.06.2020

 

Die bundesweite Teilnahme zum Tag der Organspende via Internet machte es möglich. Bereits über 2.800 geschenkte Lebensjahre binnen weniger Tage nach dem Aufruf an alle Organtransplantierten in Deutschland. Die Aktion "Geschenkte Lebensjahre", die von Patientenverbänden entwickelt wurde, fand in diesem Jahr online statt: Transplantierte aus ganz Deutschland erhielten die Möglichkeit, der Organspende ein Gesicht zu geben und "Danke zu sagen", - "Danke" für jedes weitere Lebensjahr, das durch die Organspende möglich wurde. Andrea Sebastian (52), Teilnehmerin der Aktion, ist begeistert: "Ohne meine Transplantation wäre ich nicht mehr am Leben und hätte keine Chance gehabt, die schönen Stunden mit meiner Familie und meinen Freunden erleben zu können. Ich bin zutiefst dankbar, seit 16 Jahren dazuzugehören." Prominente Unterstützung erhielt die Aktion durch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Er übernahm die Schirmherrschaft: "Diese Aktion gibt dem Thema Organspende ein Gesicht. Jeder von uns kann in die Situation geraten, auf eine Organspende angewiesen zu sein. Deshalb nutzen Sie die Chance, sich zu informieren und Ihre persönliche Entscheidung zu treffen."

 


Ausdruck der Nächstenliebe - Bischof Ackermann hat Organspende-Ausweis unterschrieben

Quelle: Bistum Trier, 06.06.2020

Seine Unterstützung für die Organspende hat Bischof Dr. Stephan Ackermann mit der Unterschrift auf seinem Organspende-Ausweis dokumentiert. „Durch die Diskussion über den Gesetzentwurf zur Organspende vor einiger Zeit habe ich mich erneut eingehend mit dem Thema befasst“, berichtet er. Unter anderem bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gebe es umfassende Möglichkeiten, sich zu informieren. „Wir wissen um die schwierige Situation, dass es zu wenige Spenderorgane gibt und Menschen verzweifelt darauf warten.“ Dabei bezieht er sich auf aktuelle Zahlen: Mehr als 9.500 Menschen stehen in Deutschland auf der Warteliste für ein Spenderorgan. 2018 gab es bundesweit allerdings nur knapp 1.000 Frauen und Männer, die ihre Organe nach ihrem Tod gespendet haben. Obwohl laut Ärzteblatt rund 80 Prozent der Bevölkerung einer Spende positiv gegenüberstehen, haben nur etwa 30 Prozent einen Organspende-Ausweis. Ackermann: „Ich habe mich entschlossen, Organspender zu sein und den Ausweis ausgefüllt. Für mich ist das auch ein Ausdruck der Nächstenliebe.“


Politik - Organspende: Positive Tendenz trotz Coronapandemie

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 06.06.2020

Anlässlich des morgigen Tags der Organspende hat Bundesgesundheits­minister Jens Spahn (CDU) heute den positiven Trend bei diesem schwierigen Thema gewürdigt. „Die Aufmerksamkeit für die Organspende ist so groß wie nie", sagte Spahn in Berlin. Im ersten Quartal 2020 seien trotz der Coronapandemie mehr Organe gespendet sowie deutlich mehr Spendenausweise bestellt und ausgefüllt worden. Konkret stieg die Anzahl der gespendeten Organe im Vergleichszeitraum des Vorjahres von 1.254 auf 1.300 Orga­ne. Als Hauptgrund für die erhöhte Aufmerksamkeit nannte Spahn die breite gesellschaft­li­che Debatte über eine Neuregelung der Organspende im vergangenen Jahr. „Diesen Rü­ckenwind sollten wir jetzt gemeinsam nutzen“, betonte der Bundesgesundheits­minister. Er appellierte an alle Bürger sich zu informieren und eine persönliche Entscheidung zu treffen und diese auch zu dokumentieren. „Das gibt nicht nur Ärztinnen und Ärzten, son­dern auch Ihren nächsten Angehörigen die nötige Sicherheit“, erklärte der Minister. Dass die Zahl der tatsächlichen Organspenden im ersten Quartal 2020 trotz der Pande­mie im Vergleich zum Vorjahresvergleich um acht Prozent stieg, würdigte insbesondere der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Axel Rahmel.


Interview zum Tag der Organspende - „Das A und O für mehr Organspenden sind bessere Strukturen“

Quelle: Ärztezeitung, 05.06.2020

Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Dr. Kirsten Kappert-Gonther hat für die Entscheidungsregelung bei der Organspende gekämpft. Im Interview sagt die Ärztin, was sie sich von der Reform erhofft und warum Spanien ein Vorbild ist.

 

Ärzte Zeitung: Von Januar bis Ende April 2020 sind bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gut zwei Millionen neue Spenderausweise bestellt worden. Klingt gut, aber bestellte Ausweise sind noch keine ausgefüllten Ausweise?

Dr. Kirsten Kappert-Gonther: Stimmt. Aber wer aktiv einen Spenderausweis bestellt, hat offenbar die Absicht, seinen Wunsch zu hinterlegen. Selbst wenn nicht jeder, sondern nur jeder zweite bestellte Ausweis ausgefüllt würde: Ein Anstieg der Nachfrage um mehr als 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist sehr erfreulich.

Und wer keinen Ausweis ausfüllt?

Kappert-Gonther: Der hat vielleicht mit Angehörigen oder Freunden über seine oder ihre Wünsche geredet, die im Fall der Fälle darüber Auskunft geben könnten. Grundsätzlich ist es sehr zu begrüßen, dass sich immer mehr Menschen mit Organspende-Fragen beschäftigen.

 


Tag der Organspende - Spendenbereitschaft deutlich gestiegen

Quelle: Pharmazeutische Zeitung, 05.06.2020

Der überwiegende Teil der Bevölkerung steht dem Thema Organ- und Gewebespende positiv gegenüber. Das hat eine bundesweite Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bereits 2018 gezeigt. Das zunehmende Interesse spiegelt sich auch in der gestiegenen Zahl der bei der BZgA in den ersten Monaten 2020 angeforderten Organspendeausweise wieder. »Die Diskussion um die gesetzlichen Regelungen zu Beginn dieses Jahres hat das Thema Organspende verstärkt in den Blickpunkt gerückt. Von Januar bis April wurden bei der BZgA deutlich mehr Organspendeausweise bestellt und heruntergeladen als im Vorjahreszeitraum. Dieses hohe Interesse am Organspendeausweis und die zunehmend positive Einstellung zur Organ- und Gewebespende sind sehr erfreuliche Entwicklungen«, so Professor Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA, in einer Pressemitteilung zum Tag der Organspende am 6. Juni. In den ersten vier Monaten dieses Jahres seien bei der BZgA etwa 2,23 Millionen Organspendeausweise bestellt worden. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres seien 1,68 Millionen Bestellungen eingegangen. Außerdem seien deutlich mehr Organspendeausweise aus dem Internet heruntergeladen worden: Die Zahl der Downloads habe sich von knapp 41.500 in den ersten vier Monaten in 2019 auf mehr als 72.500 im gleichen Zeitraum in 2020 erhöht. Die BZgA betont, dass eine Organ- und Gewebespende auch in Zeiten der Coronavirus-Pandemie möglich ist. Alle potentiellen Spender werden im Vorfeld auf das Virus getestet. Nur wenn der Test negativ ausfällt, komme es zu einer Spende.

 


Deutsche Leberstiftung zum Tag der Organspende: mehr Lebertransplantationen im ersten Quartal

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 02.06.2020

 

Der Tag der Organspende ist ein bundesweiter Aktionstag, der seit 1983 am ersten Samstag im Juni stattfindet. Am 6. Juni 2020 sollte der Tag der Organspende in Halle (Saale) bei einer zentralen Großveranstaltung mit einem breit gefächerten Programm und zahlreichen Teilnehmern begangen werden. Bedingt durch die gegenwärtige Situation wurde die Live-Veranstaltung abgesagt und durch virtuelle Events und Aktionen in sozialen Netzwerken ersetzt. Die Deutsche Leberstiftung nimmt den diesjährigen Aktionstag zum Anlass, auf aktuelle Empfehlungen für Lebertransplantierte hinzuweisen und über positive Entwicklungen bei Lebertransplantationen zu informieren. Nach der öffentlichen Diskussion über eine Organspende-Reform um den Jahreswechsel 2019/2020 meldete die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) für Januar 2020 mit 740.000 Anforderungen von Organspendeausweisen im Vergleich zu vorangegangenen Monaten eine Verdoppelung der Bestellungen. Offensichtlich hatten die Debatten dazu geführt, dass sich mehr Menschen über das Thema Organspende informierten und ihre persönliche Entscheidung für oder gegen eine Organspende dokumentieren wollten. Auch die Zahl der postmortalen Organspenden in Deutschland hat in den ersten drei Monaten des Jahres 2020 zugenommen: Die aktuellen Daten der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) zeigen mit insgesamt 260 postmortalen Organspendern einen Zuwachs von 16,1 Prozent und mit 804 transplantierten Organen einen Anstieg um 12,6 Prozent – jeweils im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum. Dass auch die Zahl der transplantierten Lebern, die derzeit in Deutschland nach Nieren den zweiten Platz der am häufigsten für Organspenden benötigten Organe belegen, im ersten Quartal 2020 angestiegen ist, freut den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Leberstiftung, Professor Dr. Michael P. Manns: „In den ersten drei Monaten stieg die Zahl der postmortal gespendeten Lebern im Vergleich zu 2019 um 20,5 Prozent. So konnte in diesem Zeitraum bei 224 Menschen das dringend benötigte lebenswichtige Organ Leber transplantiert werden. Diese Zahlen können als positives Zeichen für die Entwicklung der Bereitschaft zur Organspende in Deutschland gewertet werden.“

 


Neues von der Nebenniere

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 02.06.2020

 

Ein internationales Forschungsteam hat unter Leitung der Würzburger Endokrinologie ein neues Charakteristikum der Nebennieren entdeckt. Deren Zellen sind besonders anfällig für eine spezielle Form des Zelltods. Forschungsgruppen aus Würzburg, München und Colorado haben nachgewiesen, dass die Zellen der Nebenniere für eine bestimmte Form des Zelltods, die Ferroptose, besonders empfänglich sind. Diese Entdeckung kann mithelfen, Krankheiten der Nebennieren besser zu verstehen. Sie könnte laut dem Würzburger Endokrinologen Dr. Matthias Kroiß außerdem dazu beitragen, neue Therapien gegen Nebennierentumoren zu entwickeln. Für deren Behandlung und Erforschung ist die Würzburger Universitätsmedizin ein weltweites Kompetenzzentrum.

 


GB: Bischofskonferenz erlässt Richtlinien zu neuer Organspenderegel

Quelle: Vatikan News, 28.04.2020

In Großbritannien gilt ab diesem Mittwoch ein neues Gesetz für die Organentnahme Verstorbener. Wer sich zu Lebzeiten nicht ausdrücklich gegen die Organspende erklärt hat, wird in Zukunft nach seinem Tod als potentieller Organspender behandelt. Die Bischofskonferenz von England und Wales (CBCEW) hat auf diese Neuerung reagiert und einen Richtlinienkatalog erstellt, um den Gläubigen ihre Entscheidung zu erleichtern.  Zwar haben die katholischen Bischöfe seit jeher zur Organspende ermuntert. Dennoch warnten sie, dass das neue System dazu führen könnte, den tatsächlichen Willen des Einzelnen zu ignorieren und somit das Konzept der Organspende als freiwillige Gabe zu unterminieren. Ab sofort werden alle Erwachsenen, die länger als 12 Monate in Großbritannien leben, als Organspender geführt, sofern sie nicht ausdrücklich widersprochen haben. Ausgenommen von der Regelung des stillschweigenden Einverständnisses sind nur wenige Personengruppen, darunter unter anderem geistig behinderte Menschen, Minderjährige oder Menschen, die nur zu einem kurzen Aufenthalt in das Land gereist waren.


Politik - Größere Überlebens­chancen in Kliniken mit vielen Nierentrans­plantationen

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 25.05.2020

In Zentren mit vielen Nierentransplantationen sind die Überlebenschancen der Patienten im ersten Jahr nach dem Eingriff höher als in Kliniken mit geringeren Fallzah­len. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Ge­sund­heitswesen (IQWiG) in einem neuen Rapid Report, den der Gemeinsame Bundesaus­schuss (G-BA) in Auftrag gegeben hat. Einen Zusammenhang zwischen Leistungsmenge und der Zielgröße „Transplantat­versagen“ fanden die IQWiG-Wissenschaftler aber nicht. Die Nierentransplantation ist in Deutschland mit 1.671 Nieren nach postmortaler Organ­spende und 638 Nieren nach Lebendspende die häufigste Organtransplantation (2018). In Europa funktionieren fünf Jahre nach der Transplantation im neuen Körper noch 78 Pro­zent der postmortal gespendeten Nieren und 87 Prozent der lebend gespendeten Nieren. Derzeit gilt in Deutschland für Nierentransplantationen eine Mindestmenge von 25 er­brach­ten Behandlungen je Krankenhausstandort und Jahr. Für die Gesamtmortalität bis zu zwölf Monate nach der Transplantation zeigten die vom IQWiG ausgewerteten Studien eine niedrigere Sterbewahrscheinlichkeit bei höherer Leistungsmenge. Für die mittel­fris­tige Gesamtmortalität nach 36 Monaten können die Wissenschaftler des Instituts einen solchen Zusammenhang nicht ableiten.


Politik - Wachsendes Interesse an Organspende

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 22.05.2020

Immer mehr Menschen setzen sich offenbar mit dem Thema Organspende auseinander. Von Januar bis Ende April dieses Jahres gingen bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Bestellungen für rund 2,23 Millionen Organspende­aus­weise ein, wie der Spiegel berichtet. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (1,69 Millionen) entspricht das einem Anstieg von 33 Prozent. Auch die Nachfrage nach Informationsbroschüren mit integriertem Ausweis wuchs demnach. Die Daten gehen aus einer Antwort des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums auf eine Frage von Grünen-Parteichefin Annalena Baerbock hervor. Im Januar hatte der Bundestag über eine Neuregelung der Organspende entschieden. Die Mehrheit im Parlament stimmte für ein Modell, das Baerbock mitentwickelt hatte: Die Be­reitschaft zur Organspende kann von 2022 an in ein Onlineregister eingetragen werden. „Das Interesse an Organspendeausweisen ist deutlich gewachsen“, sagte die Grünen-Vor­sitzende. Damit es zu mehr Transplantationen komme, müsse das neue Register jetzt „zü­gig kommen“. Das Ge­sund­heits­mi­nis­terium hat zu dessen Umsetzung eine Projektgruppe einrichten lassen, die von Sicherheits- und Datenschutzexperten begleitet wird.


Versorgung von Nierenpatienten während und nach Corona gewährleisten

Quelle: Internisten im Netz, 20.05.2020

 

Nierentransplantationen werden in der Coronakrise verschoben, weil die Zahl der Intensivbetten begrenzt ist und insbesondere die Spender keinem Infektrisiko ausgesetzt werden sollen. Menschen mit schwer eingeschränkter Nierenfunktion benötigen eine sehr engmaschige ärztliche Überwachung. Im Extremfall – dies betrifft mehr als 100.000 Menschen in Deutschland – müssen Patienten mit Nierenversagen trotz Ansteckungsrisiken drei Mal in der Woche für mehrere Stunden in eine Praxis oder Klinik, um sich dort der für sie lebenswichtigen Dialyse zu unterziehen. Viele dieser Patienten warten auf eine Nierentransplantation, die angesichts des Organmangels oft als Lebendspende erfolgt. Von langer Hand geplant, werden in der Coronakrise solche Nierentransplantationen aber derzeit verschoben, weil die Zahl der Intensivbetten begrenzt ist und insbesondere die Spender keinem Infektrisiko ausgesetzt werden sollen.


SARS-CoV-2 geht an die Nieren – welche therapeutischen Konsequenzen sind zu ziehen?

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 18.05.2020

 

Eine aktuelle Studie zeigt: Das neuartige Coronavirus geht im wahrsten Sinne des Wortes an die Nieren. Viele Patienten weisen bereits zu Beginn einer COVID-19-Erkrankung Urinauffälligkeiten auf, bei schweren Verläufen entwickelt sich oft ein ein akutes Nierenversagen. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) plädiert für eine interdisziplinäre Betreuung und nephrologische Nachsorge von COVID-19-Patienten mit Nierensymptomen. Ende der letzten Woche publizierten Professor Dr. Tobias Huber und Kollegen die Ergebnisse der in Hamburg am UKE durchgeführten Obduktionsstudie [1]. Insgesamt wurden Proben aus verschiedenen Organgeweben von 27 obduzierten, an COVID-19 erkrankten Patientinnen und Patienten im Hinblick auf die Viruslast analysiert. Wie sich zeigte, befällt das neuartige Virus zwar am stärksten die Lungen, aber auch andere Organe, und zwar in einem besonderen Maße die Nieren, sind betroffen. Anhand der Proben von sieben Patienten wurde darüber hinaus untersucht, welche Nierenkompartimente besonders in Mitleidenschaft gezogen werden, und es zeigte sich, dass die Nierenkanälchen (Tubuli) und besonders auch Zellen der Nierenkörperchen (Glomeruli) eine hohe Viruslast aufwiesen. „Das deckt sich gut mit unseren klinischen Beobachtungen. Die Glomeruli übernehmen die Filterfunktion der Nieren und die Tubuli die Rückresorption. Es zeigt sich schon früh im Verlauf einer Covid-19-Erkrankung, dass viele Patienten Auffälligkeiten im Urin haben, insbesondere eine Albuminurie,“ erklärt Studienleiter Professor Huber.


Nierenwerte als Seismograf für den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 14.05.2020

 

Eine vergangene Woche im „The Lancet“ veröffentlichte „Correspondence“ [1] stellte die durch erste Daten begründete Hypothese auf, dass einfache Nierenparameter den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung vorhersagen können. Eine Studie zur Validierung dieser ersten Daten wurde bereits angestoßen. Diese Erkenntnis hätte auch eine therapeutische Konsequenz und könnte gezielt COVID-19-Hochrisikopatienten einer prophylaktisch Therapie zuführen und damit Leben retten. „Die Nephrologie leistet mit dieser Studie einen wichtigen Beitrag für die SARS-CoV-2-Erforschung.“ Die Hoffung ist, dass die Ergebnisse vor der prognostizierten zweiten Infektionswelle im Herbst vorliegen. Frühzeitig im Verlauf zu einer Nierenbeteiligung kommt, d.h. zu einer Albuminurie (und/oder Hämaturie). Eine chinesische Studie, die Ende April in JASN („Journal of the American Society of Nephrology“) publiziert wurde [4], kam zu dem Ergebnis, das die Nierenbeteiligung bei COVID-19-Patienten das Outcome der neuartigen Viruserkrankung dramatisch verschlechtert und die Mortalität um den Faktor 10 erhöht (1,25% der Patienten ohne Nierenbeteiligung verstarben vs. 11,2% der Patienten mit Nierenbeteiligung). Bislang war nur das Auftreten eines akuten Nierenversagens (AKI) als unabhängiger Prädiktor für die Mortalität bekannt [2], doch wie es scheint, sind bereits frühe Zeichen einer Nierenbeteiligung wie Eiweißverlust im Urin, Eiweißreduktion im Blut sowie der Verlust von Antithrombin III prognostisch bedeutsam. Diese Erkenntnis machte sich ein nephrologisches Forscherteam der Universitätsmedizin Göttingen zunutze und entwickelte einen Therapiepfad, um anhand der „Nierenwerte“ Risikopatienten für einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung zu stratefizieren und frühzeitig intensiviert zu behandeln. Der Handlungspfad wurde am 6. Mai im renommierten „The Lancet“ [4] als „Correspondence“ publiziert, eine große Beobachtungsstudie, an der sich mehrere Universitätskliniken beteiligen, ist angelaufen.


MEDIZINREPORT: Studien im Fokus - Chronische Nierenerkrankung: Frühe Revaskularisierung reduziert Tod und Herzinfarkt nicht

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, Dtsch Arztebl 2020; 117(18): A-948 / B-800

 

Klinische Studien, die den Effekt einer Revaskularisierung bei Patienten mit stabiler Angina pectoris untersuchen, schließen Patienten mit fortgeschrittener chronischer Nierenerkrankung (CKD) häufig aus. Ein Begleitstudie der ISCHEMIA-Studie analysierte gezielt diese Patienten, zeigt aber keinen Vorteil einer frühen Revaskularisierung hinsichtlich Tod oder Herzinfarkt. In der ISCHEMIA-CKD-Studie wurde bei 777 Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion (eGFR < 30 ml/min/1,73m2) und moderater bis schwerer Ischämie im Stresstest eine invasive Strategie (Koronarangiografie mit anschließender Revaskularisierung) mit einer medikamentösen Behandlung verglichen. In der Gruppe mit invasiver Strategie kam es nach median 2,2 Jahren bei 123 Patienten und in der Gruppe mit konservativer Strategie bei 129 Patienten zu Tod oder Herzinfarkt. Die geschätzten 3-Jahres-Ereignisraten dieses primären Endpunkts betrugen 36,4 % und 36,7 %. Die adjustierte Hazard Ratio (HR) von 1,01 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall (95-%-KI) von 0,79 bis 1,29 nicht signifikant.

 


Entzündete Nieren als Frühwarnzeichen für schwere Verläufe bei COVID-19

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 07.05.2020

 

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Göttingen entwickeln Handlungspfad zur Vorhersage von Erkrankungsschwere und Organkomplikationen bei COVID-19. Online veröffentlicht in der renommierten Fachzeitschrift „The Lancet“ in der Ausgabe vom 6. Mai 2020. (umg) Einen Handlungspfad zur Früherkennung und Behandlung von schweren Verläufen bei COVID-19 Infektionen hat ein Expertenteam der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) entwickelt. Ein einfacher Urintest soll dem ärztlichen Fachpersonal helfen, schon früher Warnzeichen für einen bevorstehenden schweren Verlauf der COVID-19 Erkrankung zu erkennen. Anhand weniger Parameter kann so, noch Tage, bevor Lunge und andere Organe schwer versagen, mit der Behandlung drohender Komplikationen begonnen werden. Damit ließen sich bei vielen Erkrankten lebensbedrohliche Verschlechterungen und Todesfälle verhindern. Die Erkenntnisse der UMG-Wissenschaftler sind am 6. Mai 2020 als „Correspondence“ in der renommierten Fachzeitschrift „The Lancet“ online veröffentlicht. Ob und wie sehr der vorgeschlagene Handlungspfad zu einer Verbesserung der Kran-kenversorgung bei Covid-19 Infektionen beitragen kann, wird seit dem 24. April 2020 im Rahmen einer großen, nicht-interventionellen Beobachtungsstudie mit dem Titel „Covid-19 assoziierte Nephritis als Prädiktor für die Erkrankungsschwere und Komplikationen“ unter Beteiligung mehrerer Universitätskliniken in Deutschland untersucht.

 


COVID-19: Labortest erkennt Nephritis frühzeitig

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 07.05.2020

Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 kann neben Lungen und Herz offenbar auch die Nieren angreifen. Mediziner beschreiben im Lancet (2020; DOI: 10.1016/ S0140-6736(20)31041-2) eine COVID-19-assoziierte Nephritis, die häufig mit einem schweren Verlauf der Erkrankung einhergeht. Ein einfacher Labortest kann die Komplikation möglicherweise frühzeitig erkennen. In den letzten Wochen hat sich gezeigt, dass eine COVID-19 nicht auf eine atypische Pneumonie beschränkt bleibt, deren Ausprägung häufig nicht das schwere Krankheits­bild erklärt. Viele Patienten erleiden Schäden am Herzmuskel und an den Blutgefäßen, was einen Anstieg von Herzinfarktmarkern im Blut und eine erhöhte Thromboseneigung der Patienten erklärt.


Turbulenter als gedacht - Ungleichmäßiger Blutstrom fördert die Entwicklung von Arteriosklerose

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 05.05.2020

 

Können wir tatsächlich davon ausgehen, dass unser Herz das Blut so langsam durch unsere Arterien pumpt, dass ein gleichmäßiger, turbulenzfreier Blutstrom entsteht? Die soeben im PNAS erschienene Veröffentlichung zeigt, dass es in unseren Blutbahnen oft turbulenter zugeht als es für den menschlichen Körper von Vorteil wäre. Unregelmäßigkeiten im Blutstrom fördern nachweislich Entzündungen und Funktionsstörungen der inneren Schicht der Blutgefäße, was wiederum zur Entwicklung der Zivilisationskrankheit Arteriosklerose führen kann. Eingereicht wurde die Forschungsarbeit von Duo Xu vom Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) an der Universität Bremen. „Pulsierende Strömungen durch Rohrgeometrien sind bei moderaten Geschwindigkeiten laminar.“ So beginnt die Zusammenfassung der wissenschaftlichen Arbeit, die nun in einem der weltweit renommiertesten Wissenschaftsjournale, dem „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA" (PNAS), erschienen ist. Gemeint ist damit, dass in einer Flüssigkeit keine Verwirbelungen entstehen, wenn sie ausreichend langsam durch ein Rohr gepumpt wird. Generell sind pulsierende Strömungen zwar turbulenzanfälliger als stetig fließende Strömungen, dennoch ist man bislang davon ausgegangen, dass aufgrund der geringen Geschwindigkeit und der hohen Zähigkeit (Viskosität) des Blutes im menschlichen Kreislaufsystem keine Turbulenzen entstehen. Duo Xu hingegen hat nun gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam nachgewiesen, dass ein turbulenzfreies Strömungsverhalten nur im Idealzustand immer erreicht wird.

 


Blutströme könnten turbulenter sein als bisher erwartet

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 05.05.2020

 

Man geht davon aus, dass der Blutfluss im menschlichen Körper überwiegend gleichmäßig und nicht turbulent ist. Instabiler Fluss wird dagegen mit einer Vielzahl von Herz-Kreislauf-Erkrankungen einschließlich Arteriosklerose in Verbindung gebracht - eine der führenden Todesursachen weltweit. Professor Björn Hof vom Institute of Science and Technology Austria (IST Austria) hat nun gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam gezeigt, dass unser Blutkreislauf turbulenter ist als bisher angenommen. Die Studie wird in der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA (PNAS) veröffentlicht. Der Blutfluss im menschlichen Körper wird aufgrund seiner geringen Geschwindigkeit und hohen Viskosität im Allgemeinen als gleichmäßig angenommen. Unregelmäßiger Blutfluss wird mit verschiedenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht und fördert nachweislich Funktionsstörungen und Entzündungen in der inneren Schicht der Blutgefäße, dem Endothel. Dies wiederum kann zur Entwicklung von Arteriosklerose führen, einer weltweit führenden Todesursache, bei der sich die arteriellen Wege im Körper aufgrund von Plaqueablagerungen verengen. Die Ursache für diese Instabilität ist jedoch noch nicht gut verstanden. Nun hat der IST-Austria-Professor Björn Hof zusammen mit einem internationalen Forscherteam gezeigt, dass pulsierende Blutströme, wie die unseres Herzens, stark auf geometrische Unregelmäßigkeiten in den Gefäßen (wie Plaqueablagerungen) reagieren und viel höhere Geschwindigkeitsschwankungen verursachen als bisher angenommen. Die Forschung könnte Auswirkungen darauf haben, wie wir in Zukunft Krankheiten untersuchen, die mit dem Blutfluss zusammenhängen.


Studien im Fokus - Kardiovaskuläre Reserve bei terminalem Nierenversagen: Nach Nierentransplantation verbessern sich die kardiopulmonalen Funktionen rasch

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 2020; 117(18): A-946 / B-798

 

Ein großer Teil der Patienten mit terminalem Nierenversagen hat auch eine koronare Herzkrankheit mit Hypertrophie des linken Ventrikels und systolischer und/oder dia-stolischer Dysfunktion. Einige frühere Studien ließen vermuten, dass eine Transplantation auch die linksventrikuläre Ejektionsfraktion erhöht und Herz-Kreislauf-Funktionen verbessert. Die Ergebnisse dazu aber waren inkonsistent. Britische Forscher haben diese Fragestellung prospektiv untersucht (1). An der kontrollierten, 3-armigen Kohortenstudie nahmen 253 Patienten des nephrologischen Zentrums der University of Cambridge teil. Es wurden prospektiv 3 Studienarme gebildet: Patienten mit terminalem Nierenversagen, die ein Transplantat erhalten hatten (KTR; n = 81), Patienten mit terminalem Nierenversagen, die auf ein Organ warteten (NKTR; n = 85), und Patienten mit Bluthochdruck ohne chronische Nierenerkrankung (HT; n = 87). Die Teilnehmer waren durchschnittlich 48,5 Jahre alt. Die Transplantatempfänger hatten zu 91 % eine lebend gespendete Niere erhalten.


Drei aktuelle Studien bestätigen: Blutdruckmedikamente nehmen keinen Einfluss auf das Covid-19-Risiko

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 02.05.2020

 

Gestern wurden im renommierten „The New England Journal of Medicine“ drei Studien publiziert, die konsistent zeigen: Blutdrucksenker ACE-Hemmern (ACEI) und Angiotensin-Rezeptor-Blockern (ARB) erhöhen nicht das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, noch das Risiko, dass eine Covid-19-Erkrankung einen schweren Verlauf nimmt. Mittlerweile ist die Datenlage als sehr solide einzustufen: Bluthochdruckpatienten können ihre Therapie bedenkenlos fortsetzen. Sars-Cov-2 verschafft sich über das Enzym ACE2 Eintritt in die Zellen. Da tierexperimentelle Untersuchungen gezeigt hatten, dass gängige blutdrucksenkende Medikamente ACE2 hochregulieren, wurde darüber spekuliert, dass sie im Kontext der Pandemie schaden könnten. Klinische Studien gaben jedoch keinerlei Hinweise darauf und die Europäische Gesellschaft für Hypertensiologie (ESH) und die Deutsche Hochdruckliga warnten Patienten davor, die Medikamente unbedacht abzusetzen. Drei große Observationsstudien erweitern nun die Datenlage zu Blutdrucksenkern und Covid-19 und geben erneut Sicherheit: Weder begünstigen ACEI oder ARB einen schweren oder gar tödlichen Verlauf einer Covid-19-Erkrankung noch machen sie anfälliger für eine SARS-CoV-19-Infektion: Die erste Studie [1] analysierte Risikofaktoren für eine höhere Sterblichkeit von Covid-19-Erkrankungen. 8.910 erkrankte Patienten wurden ausgewertet. 515 von ihnen verstarben im Krankenhaus, 8.395 konnten wieder entlassen werden. Die Einnahme von ACE-Hemmern war in dieser Studie nicht mit einer höheren Sterblichkeitsrate verbunden.


Wie das Immunsystem auf Hepatitis-C-Viren reagiert

Quelle: Informationsdienst Wiisenschaft, 24.04.2020

 

Ein bestimmtes Gen spielt bei der Bekämpfung der leberschädigenden Erkrankung eine große Rolle. Dringt ein Virus in eine Zelle ein, reagiert das Immunsystem sofort und produziert den Botenstoff Interferon. Dieser aktiviert in allen Zellen der Umgebung Hunderte von hoch spezialisierten Abwehrmechanismen, die verschiedene Schritte der Virusvermehrung hemmen können. Obwohl diese sogenannten interferon-stimulierten Gene das Rückgrat des angeborenen Immunsystems bilden, weiß man bislang nur für wenige, wie sie agieren. Bei der Abwehr von Hepatitis-C-Viren spielt das interferon-stimulierte Gen C19orf66 eine bedeutende Rolle. Ein Forschungsteam der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Prof. Dr. Eike Steinmann von der Arbeitsgruppe Molekulare und Medizinische Virologie hat nun untersucht, auf welche Art und Weise das Gen arbeitet. Die Ergebnisse zeigen, dass C19orf66 die Etablierung der viralen Replikationsmaschinerie stört. Veröffentlicht haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihr Studie am 12. April 2020 im Journal of Hepatology. Hepatitis-C-Patienten produzieren mehr von dem Gen als Gesunde "Um herauszufinden, ob C19orf66 in den Proben von Hepatitis-C-Patienten verstärkt aktiviert ist, haben wir zuerst Lebergewebsproben von infizierten und von gesunden Menschen untersucht", erklärt Doktorand Volker Kinast. Die Analyse zeigte, dass die Produktion des Gens in Hepatitis-C-Patienten erhöht ist.

 


Neuer Test weist Infektionen und Abstoßungen nach Nierentrans­plantation anhand einer Urinprobe nach

Quelle: Deutsches Ärzteblatt,22.04.2020

Ein neuer Diagnostiktest soll die Versorgung von Patienten nach Nieren­transplantation verbessern. Ein internationales Forschungsteam hat dafür eine einfache Urinprobe mit der als „Genschere“ bekannten CRISPR-Technologie kombiniert. Die Arbeit ist im Journal Nature Biomedical Engineering erschienen (DOI 10.1038/s41551-020-0546-5). „Die meisten Menschen denken an Gen-Editierung, wenn sie an CRISPR denken, aber dieses Tool ist auch für andere Anwendungen, speziell für günstigere und schnellere Diagnostik, geeignet“, erläutert Michael Kaminski, Leiter der neuen Arbeitsgruppe „Kidney Cell Engineering and CRISPR Diagnostics“, die am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz Gemeinschaft (MDC) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin angesiedelt ist. Der neue Test weist 2 häufige, opportunistische Viren nach, die oft Patienten nach einer Nierentransplantation infizieren: Zytomegalievirus (CMV) und BK Polyomavirus (BKV). Das Verfahren detektiert auch CXCL9-mRNA, deren Expression während der akuten zellulären Abstoßung von Nierentransplantaten ansteigt. Die CRISPR-Technologie kann sehr kleine Segmente einer DNA- oder RNA-Sequenz mithilfe eines komplementären RNA-Stücks aufspüren. Bestimmte Arten von Cas-Proteinen schneiden nicht nur die Zielsequenz, sondern auch ein sogenanntes Reportermolekül. Die bei diesem Schneiden entstehende Fluoreszenz zeigt an, ob die Zielsequenz vorhanden ist.


DGIM: Mindest­mengenregelung für Nierentrans­plantationen aussetzen

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 21.04.2020

Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) warnt vor Spätfolgen der Coronakrise für die Versorgung von Nierentransplantationspatienten. Grund ist die vorgeschriebene Mindestmenge von 25 Nierentransplantationen pro Jahr, die die meisten Transplantationszentren in diesem Jahr nicht werden einhalten können. „Etwa ein Drittel der deutschen Nierentransplantations-Zentren ist von einer dauerhaften Schließung bedroht“, sagte Jürgen Floege, Vorsitzender der DGIM, heute bei einer Online-Pressekonferenz. Der Direktor der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, rheuma­tologische und immunologische Erkrankungen an der Uniklinik der RWTH Aachen forder­te deshalb, die Mindestmengenregelung verlässlich bis auf Weiteres auszusetzen.