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Letzte aktuallisierung des des Presseschau: 28.05.2020  (Der Newsletter wird derzeit wegen der vordergründigen Coronasituation, seltener aktualisiert. Da keine Kongresse stattfinden, gibt es derzeit auch kaum Meldungen.)



GB: Bischofskonferenz erlässt Richtlinien zu neuer Organspenderegel

Quelle: Vatikan News, 28.04.2020

In Großbritannien gilt ab diesem Mittwoch ein neues Gesetz für die Organentnahme Verstorbener. Wer sich zu Lebzeiten nicht ausdrücklich gegen die Organspende erklärt hat, wird in Zukunft nach seinem Tod als potentieller Organspender behandelt. Die Bischofskonferenz von England und Wales (CBCEW) hat auf diese Neuerung reagiert und einen Richtlinienkatalog erstellt, um den Gläubigen ihre Entscheidung zu erleichtern.  Zwar haben die katholischen Bischöfe seit jeher zur Organspende ermuntert. Dennoch warnten sie, dass das neue System dazu führen könnte, den tatsächlichen Willen des Einzelnen zu ignorieren und somit das Konzept der Organspende als freiwillige Gabe zu unterminieren. Ab sofort werden alle Erwachsenen, die länger als 12 Monate in Großbritannien leben, als Organspender geführt, sofern sie nicht ausdrücklich widersprochen haben. Ausgenommen von der Regelung des stillschweigenden Einverständnisses sind nur wenige Personengruppen, darunter unter anderem geistig behinderte Menschen, Minderjährige oder Menschen, die nur zu einem kurzen Aufenthalt in das Land gereist waren.


Politik - Größere Überlebens­chancen in Kliniken mit vielen Nierentrans­plantationen

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 25.05.2020

In Zentren mit vielen Nierentransplantationen sind die Überlebenschancen der Patienten im ersten Jahr nach dem Eingriff höher als in Kliniken mit geringeren Fallzah­len. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Ge­sund­heitswesen (IQWiG) in einem neuen Rapid Report, den der Gemeinsame Bundesaus­schuss (G-BA) in Auftrag gegeben hat. Einen Zusammenhang zwischen Leistungsmenge und der Zielgröße „Transplantat­versagen“ fanden die IQWiG-Wissenschaftler aber nicht. Die Nierentransplantation ist in Deutschland mit 1.671 Nieren nach postmortaler Organ­spende und 638 Nieren nach Lebendspende die häufigste Organtransplantation (2018). In Europa funktionieren fünf Jahre nach der Transplantation im neuen Körper noch 78 Pro­zent der postmortal gespendeten Nieren und 87 Prozent der lebend gespendeten Nieren. Derzeit gilt in Deutschland für Nierentransplantationen eine Mindestmenge von 25 er­brach­ten Behandlungen je Krankenhausstandort und Jahr. Für die Gesamtmortalität bis zu zwölf Monate nach der Transplantation zeigten die vom IQWiG ausgewerteten Studien eine niedrigere Sterbewahrscheinlichkeit bei höherer Leistungsmenge. Für die mittel­fris­tige Gesamtmortalität nach 36 Monaten können die Wissenschaftler des Instituts einen solchen Zusammenhang nicht ableiten.


Politik - Wachsendes Interesse an Organspende

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 22.05.2020

Immer mehr Menschen setzen sich offenbar mit dem Thema Organspende auseinander. Von Januar bis Ende April dieses Jahres gingen bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Bestellungen für rund 2,23 Millionen Organspende­aus­weise ein, wie der Spiegel berichtet. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (1,69 Millionen) entspricht das einem Anstieg von 33 Prozent. Auch die Nachfrage nach Informationsbroschüren mit integriertem Ausweis wuchs demnach. Die Daten gehen aus einer Antwort des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums auf eine Frage von Grünen-Parteichefin Annalena Baerbock hervor. Im Januar hatte der Bundestag über eine Neuregelung der Organspende entschieden. Die Mehrheit im Parlament stimmte für ein Modell, das Baerbock mitentwickelt hatte: Die Be­reitschaft zur Organspende kann von 2022 an in ein Onlineregister eingetragen werden. „Das Interesse an Organspendeausweisen ist deutlich gewachsen“, sagte die Grünen-Vor­sitzende. Damit es zu mehr Transplantationen komme, müsse das neue Register jetzt „zü­gig kommen“. Das Ge­sund­heits­mi­nis­terium hat zu dessen Umsetzung eine Projektgruppe einrichten lassen, die von Sicherheits- und Datenschutzexperten begleitet wird.


Versorgung von Nierenpatienten während und nach Corona gewährleisten

Quelle: Internisten im Netz, 20.05.2020

 

Nierentransplantationen werden in der Coronakrise verschoben, weil die Zahl der Intensivbetten begrenzt ist und insbesondere die Spender keinem Infektrisiko ausgesetzt werden sollen. Menschen mit schwer eingeschränkter Nierenfunktion benötigen eine sehr engmaschige ärztliche Überwachung. Im Extremfall – dies betrifft mehr als 100.000 Menschen in Deutschland – müssen Patienten mit Nierenversagen trotz Ansteckungsrisiken drei Mal in der Woche für mehrere Stunden in eine Praxis oder Klinik, um sich dort der für sie lebenswichtigen Dialyse zu unterziehen. Viele dieser Patienten warten auf eine Nierentransplantation, die angesichts des Organmangels oft als Lebendspende erfolgt. Von langer Hand geplant, werden in der Coronakrise solche Nierentransplantationen aber derzeit verschoben, weil die Zahl der Intensivbetten begrenzt ist und insbesondere die Spender keinem Infektrisiko ausgesetzt werden sollen.


SARS-CoV-2 geht an die Nieren – welche therapeutischen Konsequenzen sind zu ziehen?

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 18.05.2020

 

Eine aktuelle Studie zeigt: Das neuartige Coronavirus geht im wahrsten Sinne des Wortes an die Nieren. Viele Patienten weisen bereits zu Beginn einer COVID-19-Erkrankung Urinauffälligkeiten auf, bei schweren Verläufen entwickelt sich oft ein ein akutes Nierenversagen. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) plädiert für eine interdisziplinäre Betreuung und nephrologische Nachsorge von COVID-19-Patienten mit Nierensymptomen. Ende der letzten Woche publizierten Professor Dr. Tobias Huber und Kollegen die Ergebnisse der in Hamburg am UKE durchgeführten Obduktionsstudie [1]. Insgesamt wurden Proben aus verschiedenen Organgeweben von 27 obduzierten, an COVID-19 erkrankten Patientinnen und Patienten im Hinblick auf die Viruslast analysiert. Wie sich zeigte, befällt das neuartige Virus zwar am stärksten die Lungen, aber auch andere Organe, und zwar in einem besonderen Maße die Nieren, sind betroffen. Anhand der Proben von sieben Patienten wurde darüber hinaus untersucht, welche Nierenkompartimente besonders in Mitleidenschaft gezogen werden, und es zeigte sich, dass die Nierenkanälchen (Tubuli) und besonders auch Zellen der Nierenkörperchen (Glomeruli) eine hohe Viruslast aufwiesen. „Das deckt sich gut mit unseren klinischen Beobachtungen. Die Glomeruli übernehmen die Filterfunktion der Nieren und die Tubuli die Rückresorption. Es zeigt sich schon früh im Verlauf einer Covid-19-Erkrankung, dass viele Patienten Auffälligkeiten im Urin haben, insbesondere eine Albuminurie,“ erklärt Studienleiter Professor Huber.


Nierenwerte als Seismograf für den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 14.05.2020

 

Eine vergangene Woche im „The Lancet“ veröffentlichte „Correspondence“ [1] stellte die durch erste Daten begründete Hypothese auf, dass einfache Nierenparameter den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung vorhersagen können. Eine Studie zur Validierung dieser ersten Daten wurde bereits angestoßen. Diese Erkenntnis hätte auch eine therapeutische Konsequenz und könnte gezielt COVID-19-Hochrisikopatienten einer prophylaktisch Therapie zuführen und damit Leben retten. „Die Nephrologie leistet mit dieser Studie einen wichtigen Beitrag für die SARS-CoV-2-Erforschung.“ Die Hoffung ist, dass die Ergebnisse vor der prognostizierten zweiten Infektionswelle im Herbst vorliegen. Frühzeitig im Verlauf zu einer Nierenbeteiligung kommt, d.h. zu einer Albuminurie (und/oder Hämaturie). Eine chinesische Studie, die Ende April in JASN („Journal of the American Society of Nephrology“) publiziert wurde [4], kam zu dem Ergebnis, das die Nierenbeteiligung bei COVID-19-Patienten das Outcome der neuartigen Viruserkrankung dramatisch verschlechtert und die Mortalität um den Faktor 10 erhöht (1,25% der Patienten ohne Nierenbeteiligung verstarben vs. 11,2% der Patienten mit Nierenbeteiligung). Bislang war nur das Auftreten eines akuten Nierenversagens (AKI) als unabhängiger Prädiktor für die Mortalität bekannt [2], doch wie es scheint, sind bereits frühe Zeichen einer Nierenbeteiligung wie Eiweißverlust im Urin, Eiweißreduktion im Blut sowie der Verlust von Antithrombin III prognostisch bedeutsam. Diese Erkenntnis machte sich ein nephrologisches Forscherteam der Universitätsmedizin Göttingen zunutze und entwickelte einen Therapiepfad, um anhand der „Nierenwerte“ Risikopatienten für einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung zu stratefizieren und frühzeitig intensiviert zu behandeln. Der Handlungspfad wurde am 6. Mai im renommierten „The Lancet“ [4] als „Correspondence“ publiziert, eine große Beobachtungsstudie, an der sich mehrere Universitätskliniken beteiligen, ist angelaufen.


MEDIZINREPORT: Studien im Fokus - Chronische Nierenerkrankung: Frühe Revaskularisierung reduziert Tod und Herzinfarkt nicht

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, Dtsch Arztebl 2020; 117(18): A-948 / B-800

 

Klinische Studien, die den Effekt einer Revaskularisierung bei Patienten mit stabiler Angina pectoris untersuchen, schließen Patienten mit fortgeschrittener chronischer Nierenerkrankung (CKD) häufig aus. Ein Begleitstudie der ISCHEMIA-Studie analysierte gezielt diese Patienten, zeigt aber keinen Vorteil einer frühen Revaskularisierung hinsichtlich Tod oder Herzinfarkt. In der ISCHEMIA-CKD-Studie wurde bei 777 Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion (eGFR < 30 ml/min/1,73m2) und moderater bis schwerer Ischämie im Stresstest eine invasive Strategie (Koronarangiografie mit anschließender Revaskularisierung) mit einer medikamentösen Behandlung verglichen. In der Gruppe mit invasiver Strategie kam es nach median 2,2 Jahren bei 123 Patienten und in der Gruppe mit konservativer Strategie bei 129 Patienten zu Tod oder Herzinfarkt. Die geschätzten 3-Jahres-Ereignisraten dieses primären Endpunkts betrugen 36,4 % und 36,7 %. Die adjustierte Hazard Ratio (HR) von 1,01 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall (95-%-KI) von 0,79 bis 1,29 nicht signifikant.

 


Entzündete Nieren als Frühwarnzeichen für schwere Verläufe bei COVID-19

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 07.05.2020

 

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Göttingen entwickeln Handlungspfad zur Vorhersage von Erkrankungsschwere und Organkomplikationen bei COVID-19. Online veröffentlicht in der renommierten Fachzeitschrift „The Lancet“ in der Ausgabe vom 6. Mai 2020. (umg) Einen Handlungspfad zur Früherkennung und Behandlung von schweren Verläufen bei COVID-19 Infektionen hat ein Expertenteam der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) entwickelt. Ein einfacher Urintest soll dem ärztlichen Fachpersonal helfen, schon früher Warnzeichen für einen bevorstehenden schweren Verlauf der COVID-19 Erkrankung zu erkennen. Anhand weniger Parameter kann so, noch Tage, bevor Lunge und andere Organe schwer versagen, mit der Behandlung drohender Komplikationen begonnen werden. Damit ließen sich bei vielen Erkrankten lebensbedrohliche Verschlechterungen und Todesfälle verhindern. Die Erkenntnisse der UMG-Wissenschaftler sind am 6. Mai 2020 als „Correspondence“ in der renommierten Fachzeitschrift „The Lancet“ online veröffentlicht. Ob und wie sehr der vorgeschlagene Handlungspfad zu einer Verbesserung der Kran-kenversorgung bei Covid-19 Infektionen beitragen kann, wird seit dem 24. April 2020 im Rahmen einer großen, nicht-interventionellen Beobachtungsstudie mit dem Titel „Covid-19 assoziierte Nephritis als Prädiktor für die Erkrankungsschwere und Komplikationen“ unter Beteiligung mehrerer Universitätskliniken in Deutschland untersucht.

 


COVID-19: Labortest erkennt Nephritis frühzeitig

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 07.05.2020

Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 kann neben Lungen und Herz offenbar auch die Nieren angreifen. Mediziner beschreiben im Lancet (2020; DOI: 10.1016/ S0140-6736(20)31041-2) eine COVID-19-assoziierte Nephritis, die häufig mit einem schweren Verlauf der Erkrankung einhergeht. Ein einfacher Labortest kann die Komplikation möglicherweise frühzeitig erkennen. In den letzten Wochen hat sich gezeigt, dass eine COVID-19 nicht auf eine atypische Pneumonie beschränkt bleibt, deren Ausprägung häufig nicht das schwere Krankheits­bild erklärt. Viele Patienten erleiden Schäden am Herzmuskel und an den Blutgefäßen, was einen Anstieg von Herzinfarktmarkern im Blut und eine erhöhte Thromboseneigung der Patienten erklärt.


Turbulenter als gedacht - Ungleichmäßiger Blutstrom fördert die Entwicklung von Arteriosklerose

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 05.05.2020

 

Können wir tatsächlich davon ausgehen, dass unser Herz das Blut so langsam durch unsere Arterien pumpt, dass ein gleichmäßiger, turbulenzfreier Blutstrom entsteht? Die soeben im PNAS erschienene Veröffentlichung zeigt, dass es in unseren Blutbahnen oft turbulenter zugeht als es für den menschlichen Körper von Vorteil wäre. Unregelmäßigkeiten im Blutstrom fördern nachweislich Entzündungen und Funktionsstörungen der inneren Schicht der Blutgefäße, was wiederum zur Entwicklung der Zivilisationskrankheit Arteriosklerose führen kann. Eingereicht wurde die Forschungsarbeit von Duo Xu vom Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) an der Universität Bremen. „Pulsierende Strömungen durch Rohrgeometrien sind bei moderaten Geschwindigkeiten laminar.“ So beginnt die Zusammenfassung der wissenschaftlichen Arbeit, die nun in einem der weltweit renommiertesten Wissenschaftsjournale, dem „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA" (PNAS), erschienen ist. Gemeint ist damit, dass in einer Flüssigkeit keine Verwirbelungen entstehen, wenn sie ausreichend langsam durch ein Rohr gepumpt wird. Generell sind pulsierende Strömungen zwar turbulenzanfälliger als stetig fließende Strömungen, dennoch ist man bislang davon ausgegangen, dass aufgrund der geringen Geschwindigkeit und der hohen Zähigkeit (Viskosität) des Blutes im menschlichen Kreislaufsystem keine Turbulenzen entstehen. Duo Xu hingegen hat nun gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam nachgewiesen, dass ein turbulenzfreies Strömungsverhalten nur im Idealzustand immer erreicht wird.

 


Blutströme könnten turbulenter sein als bisher erwartet

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 05.05.2020

 

Man geht davon aus, dass der Blutfluss im menschlichen Körper überwiegend gleichmäßig und nicht turbulent ist. Instabiler Fluss wird dagegen mit einer Vielzahl von Herz-Kreislauf-Erkrankungen einschließlich Arteriosklerose in Verbindung gebracht - eine der führenden Todesursachen weltweit. Professor Björn Hof vom Institute of Science and Technology Austria (IST Austria) hat nun gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam gezeigt, dass unser Blutkreislauf turbulenter ist als bisher angenommen. Die Studie wird in der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA (PNAS) veröffentlicht. Der Blutfluss im menschlichen Körper wird aufgrund seiner geringen Geschwindigkeit und hohen Viskosität im Allgemeinen als gleichmäßig angenommen. Unregelmäßiger Blutfluss wird mit verschiedenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht und fördert nachweislich Funktionsstörungen und Entzündungen in der inneren Schicht der Blutgefäße, dem Endothel. Dies wiederum kann zur Entwicklung von Arteriosklerose führen, einer weltweit führenden Todesursache, bei der sich die arteriellen Wege im Körper aufgrund von Plaqueablagerungen verengen. Die Ursache für diese Instabilität ist jedoch noch nicht gut verstanden. Nun hat der IST-Austria-Professor Björn Hof zusammen mit einem internationalen Forscherteam gezeigt, dass pulsierende Blutströme, wie die unseres Herzens, stark auf geometrische Unregelmäßigkeiten in den Gefäßen (wie Plaqueablagerungen) reagieren und viel höhere Geschwindigkeitsschwankungen verursachen als bisher angenommen. Die Forschung könnte Auswirkungen darauf haben, wie wir in Zukunft Krankheiten untersuchen, die mit dem Blutfluss zusammenhängen.


Studien im Fokus - Kardiovaskuläre Reserve bei terminalem Nierenversagen: Nach Nierentransplantation verbessern sich die kardiopulmonalen Funktionen rasch

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 2020; 117(18): A-946 / B-798

 

Ein großer Teil der Patienten mit terminalem Nierenversagen hat auch eine koronare Herzkrankheit mit Hypertrophie des linken Ventrikels und systolischer und/oder dia-stolischer Dysfunktion. Einige frühere Studien ließen vermuten, dass eine Transplantation auch die linksventrikuläre Ejektionsfraktion erhöht und Herz-Kreislauf-Funktionen verbessert. Die Ergebnisse dazu aber waren inkonsistent. Britische Forscher haben diese Fragestellung prospektiv untersucht (1). An der kontrollierten, 3-armigen Kohortenstudie nahmen 253 Patienten des nephrologischen Zentrums der University of Cambridge teil. Es wurden prospektiv 3 Studienarme gebildet: Patienten mit terminalem Nierenversagen, die ein Transplantat erhalten hatten (KTR; n = 81), Patienten mit terminalem Nierenversagen, die auf ein Organ warteten (NKTR; n = 85), und Patienten mit Bluthochdruck ohne chronische Nierenerkrankung (HT; n = 87). Die Teilnehmer waren durchschnittlich 48,5 Jahre alt. Die Transplantatempfänger hatten zu 91 % eine lebend gespendete Niere erhalten.


Drei aktuelle Studien bestätigen: Blutdruckmedikamente nehmen keinen Einfluss auf das Covid-19-Risiko

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 02.05.2020

 

Gestern wurden im renommierten „The New England Journal of Medicine“ drei Studien publiziert, die konsistent zeigen: Blutdrucksenker ACE-Hemmern (ACEI) und Angiotensin-Rezeptor-Blockern (ARB) erhöhen nicht das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, noch das Risiko, dass eine Covid-19-Erkrankung einen schweren Verlauf nimmt. Mittlerweile ist die Datenlage als sehr solide einzustufen: Bluthochdruckpatienten können ihre Therapie bedenkenlos fortsetzen. Sars-Cov-2 verschafft sich über das Enzym ACE2 Eintritt in die Zellen. Da tierexperimentelle Untersuchungen gezeigt hatten, dass gängige blutdrucksenkende Medikamente ACE2 hochregulieren, wurde darüber spekuliert, dass sie im Kontext der Pandemie schaden könnten. Klinische Studien gaben jedoch keinerlei Hinweise darauf und die Europäische Gesellschaft für Hypertensiologie (ESH) und die Deutsche Hochdruckliga warnten Patienten davor, die Medikamente unbedacht abzusetzen. Drei große Observationsstudien erweitern nun die Datenlage zu Blutdrucksenkern und Covid-19 und geben erneut Sicherheit: Weder begünstigen ACEI oder ARB einen schweren oder gar tödlichen Verlauf einer Covid-19-Erkrankung noch machen sie anfälliger für eine SARS-CoV-19-Infektion: Die erste Studie [1] analysierte Risikofaktoren für eine höhere Sterblichkeit von Covid-19-Erkrankungen. 8.910 erkrankte Patienten wurden ausgewertet. 515 von ihnen verstarben im Krankenhaus, 8.395 konnten wieder entlassen werden. Die Einnahme von ACE-Hemmern war in dieser Studie nicht mit einer höheren Sterblichkeitsrate verbunden.


Wie das Immunsystem auf Hepatitis-C-Viren reagiert

Quelle: Informationsdienst Wiisenschaft, 24.04.2020

 

Ein bestimmtes Gen spielt bei der Bekämpfung der leberschädigenden Erkrankung eine große Rolle. Dringt ein Virus in eine Zelle ein, reagiert das Immunsystem sofort und produziert den Botenstoff Interferon. Dieser aktiviert in allen Zellen der Umgebung Hunderte von hoch spezialisierten Abwehrmechanismen, die verschiedene Schritte der Virusvermehrung hemmen können. Obwohl diese sogenannten interferon-stimulierten Gene das Rückgrat des angeborenen Immunsystems bilden, weiß man bislang nur für wenige, wie sie agieren. Bei der Abwehr von Hepatitis-C-Viren spielt das interferon-stimulierte Gen C19orf66 eine bedeutende Rolle. Ein Forschungsteam der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Prof. Dr. Eike Steinmann von der Arbeitsgruppe Molekulare und Medizinische Virologie hat nun untersucht, auf welche Art und Weise das Gen arbeitet. Die Ergebnisse zeigen, dass C19orf66 die Etablierung der viralen Replikationsmaschinerie stört. Veröffentlicht haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihr Studie am 12. April 2020 im Journal of Hepatology. Hepatitis-C-Patienten produzieren mehr von dem Gen als Gesunde "Um herauszufinden, ob C19orf66 in den Proben von Hepatitis-C-Patienten verstärkt aktiviert ist, haben wir zuerst Lebergewebsproben von infizierten und von gesunden Menschen untersucht", erklärt Doktorand Volker Kinast. Die Analyse zeigte, dass die Produktion des Gens in Hepatitis-C-Patienten erhöht ist.

 


Neuer Test weist Infektionen und Abstoßungen nach Nierentrans­plantation anhand einer Urinprobe nach

Quelle: Deutsches Ärzteblatt,22.04.2020

Ein neuer Diagnostiktest soll die Versorgung von Patienten nach Nieren­transplantation verbessern. Ein internationales Forschungsteam hat dafür eine einfache Urinprobe mit der als „Genschere“ bekannten CRISPR-Technologie kombiniert. Die Arbeit ist im Journal Nature Biomedical Engineering erschienen (DOI 10.1038/s41551-020-0546-5). „Die meisten Menschen denken an Gen-Editierung, wenn sie an CRISPR denken, aber dieses Tool ist auch für andere Anwendungen, speziell für günstigere und schnellere Diagnostik, geeignet“, erläutert Michael Kaminski, Leiter der neuen Arbeitsgruppe „Kidney Cell Engineering and CRISPR Diagnostics“, die am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz Gemeinschaft (MDC) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin angesiedelt ist. Der neue Test weist 2 häufige, opportunistische Viren nach, die oft Patienten nach einer Nierentransplantation infizieren: Zytomegalievirus (CMV) und BK Polyomavirus (BKV). Das Verfahren detektiert auch CXCL9-mRNA, deren Expression während der akuten zellulären Abstoßung von Nierentransplantaten ansteigt. Die CRISPR-Technologie kann sehr kleine Segmente einer DNA- oder RNA-Sequenz mithilfe eines komplementären RNA-Stücks aufspüren. Bestimmte Arten von Cas-Proteinen schneiden nicht nur die Zielsequenz, sondern auch ein sogenanntes Reportermolekül. Die bei diesem Schneiden entstehende Fluoreszenz zeigt an, ob die Zielsequenz vorhanden ist.


DGIM: Mindest­mengenregelung für Nierentrans­plantationen aussetzen

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 21.04.2020

Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) warnt vor Spätfolgen der Coronakrise für die Versorgung von Nierentransplantationspatienten. Grund ist die vorgeschriebene Mindestmenge von 25 Nierentransplantationen pro Jahr, die die meisten Transplantationszentren in diesem Jahr nicht werden einhalten können. „Etwa ein Drittel der deutschen Nierentransplantations-Zentren ist von einer dauerhaften Schließung bedroht“, sagte Jürgen Floege, Vorsitzender der DGIM, heute bei einer Online-Pressekonferenz. Der Direktor der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, rheuma­tologische und immunologische Erkrankungen an der Uniklinik der RWTH Aachen forder­te deshalb, die Mindestmengenregelung verlässlich bis auf Weiteres auszusetzen.