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Letzte aktuallisierung des des Presseschau: 27.07.2020  Da so gut wie keine Kongresse stattfinden, gibt es derzeit auch wenige Meldungen über Studien, Forschung oder anderen Vorgängen im medizinischen Bereich der Nephrologie.)



Tot oder noch lebendig? Regeln für Hirntod-Diagnose sind streng

Quelle: NTV-online, 26.07.2020

 

Diese Frage ist entscheidend, wenn es um Organspende geht: Wann ist ein Mensch unwiederbringlich gestorben? Für die Diagnose des sogenannten Hirntods gelten in Deutschland klare, strenge Regeln - bei ihrer Befolgung können keine Zweifel aufkommen. Der Brite Steven Thorpe entkam nur knapp dem Tod. Nach einem schweren Autounfall war er von den behandelnden Ärzten für hirntot erklärt worden. Auf Drängen seiner Eltern wurde eine weitere Ärztin hinzugezogen, die zu einer anderen Diagnose kam. Tatsächlich wachte der damals 17-jährige Thorpe wieder auf und nahm vier Jahre nach dem Unfall ein Studium auf. Experten zufolge wäre Thorpe in einem deutschen Krankenhaus nicht für hirntot erklärt worden, auch weil hier gravierend andere Richtlinien für diesen Schritt gelten. Dennoch sind Fälle wie dieser ein Grund dafür, dass sich viele Menschen bei dem Thema gruseln - insbesondere wenn es um eine Organspende geht. Umso wichtiger ist es zu wissen, wie ein Hirntod eigentlich festgestellt wird, wer die Kriterien dafür bestimmt und wie sicher diese sind.

 


 Trotz Corona: Bereitschaft zu Organspende wächst

Quelle: Apothekerzeitung, 15.07.2020

Das Interesse an Organspenden ist so groß wie nie. Neue Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) bestätigen das: Die Spenden in Deutschland gehen weite.  Die Zahl der Organspender und der tatsächlich gespendeten Organe ist im ersten Halbjahr gestiegen. Nach aktuellen Daten der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), die dem Berliner Tagesspiegel(Dienstag) vorliegen, wurden von Januar bis Juni in Deutschland 487 Verstorbenen Organe für Transplantationen entnommen. Das sei eine Steigerung um 7,3 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019. Die Zahl der gespendeten Organe erhöhte sich demnach um drei Prozent - von 1511 auf 1557.


Chronische Niereninsuffizienz -Allopurinol kann Verlust der Nierenfunktion nicht stoppen
Quelle: Pharmazeutische Zeitung, 15.07.2020
Die Einnahme des Urikostatikums Allopurinol kann bei chronischer Niereninsuffizienz einen weiteren Funktionsverlust der Nieren offenbar nicht aufhalten. Darauf weisen aktuelle Studienergebnisse hin. Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz weisen häufig erhöhte Serum-Harnsäurespiegel auf. Bisher ist nicht abschließend geklärt, ob die Harnsäure für die Nierenschädigung verantwortlich ist oder ob die erhöhten Werte lediglich auf eine verminderte Clearance durch die geschädigten Nieren zurückzuführen sind. In diesem Zusammenhang führten Forscher in den letzten Jahren einige Studien durch. Sie gingen der Frage nach, ob eine uratsenkende Behandlung den Rückgang der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) abschwächen kann. Die Ergebnisse von zwei randomisierten Studien wurden kürzlich im »New England Journal of Medicine« publiziert. Eine Behandlung mit Allopurinol habe beiden Studien zufolge zwar den Harnsäurespiegel der Probanden senken können, einen weiteren Verlust der Nierenfunktion jedoch nicht aufhalten können.  

Transplantation - Dank Imlifidase schneller zur Spenderniere

Quelle: Pharmazeutische Zeitung, 14.07.2020

Weil sie besonders viele Donor-spezifische Antikörper bilden, kommt bei manchen Patienten, die auf eine Spenderniere warten, die Transplantation nicht infrage. Ein neues Immunsuppressivum könnte ihnen den Weg zum Spenderorgan erleichtern.  Wenn eine Niere eines verstorbenen Spenders zur Transplantation zur Verfügung steht, werden sogenannte Crossmatch-Tests gegen alle Patienten auf der Warteliste durchgeführt. Der Test prüft, ob ein Patient spezifische Antikörper gegen den potenziellen Spender hat. Hoch sensibilisierte Patienten haben außergewöhnlich hohe Antikörper-Spiegel, die auf das Gewebe eines Spenders reagieren. Dies zeigt sich als positiver Crossmatch-Test, wodurch es wahrscheinlicher wird, dass der Körper das Spenderorgan abstoßen wird. Die Patienten werden in der Regel dann nicht transplantiert und die verfügbare Niere wird einem anderen Patienten auf der Warteliste angeboten. Bislang bestand ein ungedeckter medizinischer Bedarf, diese Patienten zu desensibilisieren und ein positives Crossmatch in ein negatives umzuwandeln, damit sie für eine Nierentransplantation infrage kommen.


Die größere Spendenbereitschaft zeigt: Aufklärung rettet Leben

Quelle: Frankfurter Rundschau, 14.07.2020

 

Das Interesse an der Organspende ist deutlich gewachsen. Das ist gut so, und es zeigt: Debatten wie im Frühjahr über das neue Gesetz müssen immer wieder geführt werden. Der Kommentar. Die Not schwerkranker Patientinnen und Patienten, die auf der langen Warteliste für eine Organspende stehen, lässt viele Menschen nicht kalt. Im Zuge der Kontroverse über eine Gesetzesreform, die im Februar zu einer Neuregelung geführt hat, waren viele anrührende Berichte über solche Schicksale zu lesen und zu hören. Sie haben viele Menschen aufgerüttelt. So lässt sich die leicht gestiegene Zahl der Organspenden erklären – und das enorm gewachsene Interesse an den Flyern und Ausweisformularen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung .


Corona: Hilft EPO gegen Covid-19?

Quelle: scinexx.de, 03.07.2020

 

Dopingmittel gegen Corona: Das aus dem Sportlerdoping bekannte Erythropoetin könnte auf dreifache Weise gegen Covid-19 helfen. Denn das blutbildende Hormon unterstützt Atmung und Lungenfunktion, hemmt entzündungsfördernde Botenstoffe und kann das Nervensystem vor Schäden schützen, wie Forscher berichten. Erste Fallberichte deuten zudem daraufhin, dass eine EPO-Gabe schwere Corona-Verläufe mildern kann. Eine klinische Studie soll dies nun überprüfen. Landläufig ist Erythropoetin (EPO) vor allem als Dopingmittel bekannt. Doch dieses Wachstumshormon kommt auch von Natur aus in unserem Körper vor. Es wird bei Sauerstoffmangel ausgeschüttet wie er beispielsweise in der dünnen Luft der Hochgebirge auftreten kann. Das Erythropoetin regt dann die Bildung Roter Blutkörperchen an, wirkt aber auch auf das Atemzentrum im Stammhirn. Dadurch verbessern sich Sauerstoffaufnahme und -transport.


Wie der Körper Blasenentzündungen abwehrt

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 03.07.2020

 

Manche Menschen sind gegen Harnwegsinfekte besser geschützt als andere, weil ihr Körper möglicherweise höhere Mengen des Proteins Uromodulin herstellt. Wie der Helfer in der Notdurft funktioniert und was sich daraus für die Behandlung und Prävention der schmerzhaften Entzündungen ableiten lässt, hat nun ein interdisziplinäres Forschungsteam herausgefunden. Wer schon einmal eine Blasenentzündung durchmachen musste, weiss es: Solche Harnwegsinfekte sind lästig und schmerzhaft. Sie lassen sich zwar meist gut mit Antibiotika behandeln. Unbehandelt können sie aber auch tödlich verlaufen. Urheber der Infektionen sind meist sogenannte uropathogene E. coli-Bakterien. Sie binden mit ihren fadenförmigen Fortsätzen, den Pili, an die Zellen von Blase, Harnleiter oder Harnröhre und setzen so die Infektion in Gang. Einen Schutz dagegen bietet ein bestimmtes körpereigenes Protein, das Uromodulin: Rund 70 Prozent aller Menschen tragen in ihrem Erbgut eine Uromodulin-Genvariante, die dazu führt, dass sie dieses Schutzprotein in besonders grossen Mengen produzieren. Dementsprechend haben sie ein kleineres Risiko, Harnwegsinfekte zuzuziehen.


Organe aus dem 3D-Drucker - Science Fiction oder schon Realität?

Quelle: PressePortal, 30.06.2020

 

- Dr. Lutz Kloke, CEO von Cellbricks, ist zu Gast im Podcast Business Class mit Tilo Bonow

- Im Podcast berichtet er von den neuesten Erkenntnissen aus dem Bereich Bio-Printing, also das Drucken von "Mini-Organen"

- Ethische Fragen sowie eine Übersicht über den Markt und die Zukunft des Organdrucks erfahren Sie in der neuen Folge Business Class auf Spotify, Deezer, Apple Podcasts und Soundcloud.

- In der neuesten Folge des Podcasts Business Class mit Tilo Bonow, dem Gespräch mit den Menschen, die unsere Zukunft gestalten, spricht Tilo Bonow, Gründer der Tech-PR-Agentur PIABO mit Dr. Lutz Kloke, Gründer und CEO der Cellbricks GmbH darüber, ob Bioprinting in Zukunft zentrale Probleme in der Medizin lösen kann. Und wenn ja, welche Weichen hierfür von Politik, Wirtschaft und Forschung gestellt werden müssen. Lutz Kloke stellt sich im Podcast Business Class wichtigen Zukunftsfragen: Wer kann sich später eine gedruckte Leber oder Niere leisten? Wieviel wird ein solches Organ kosten? Auch erfahren die HörerInnen, wo die Forschung bereits steht und was jetzt schon möglich ist. In einer Hinsicht ist sich Lutz Kloke jedoch sicher: "Der Moment wird kommen, indem alles möglich sein wird."


Extrakorporale Verfahren für COVID-19-Patienten bisher wenig genutzt

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 24.06.2020

In Zeiten der COVID-19-Pandemie fokussieren sich Therapeuten in jüngster Zeit auf die Schlüsselfrage, wie die überschießende Immunantwort des Körpers abzuwenden wäre, wenn die ersten Linien der Immunabwehr bereits versagt haben. Oder wie der Kör­per von der Last der inflammatorischen Mediatoren – dem Zytokinsturm – und nicht zu­letzt von den Viren selbst befreit werden könnte. Daher kommen immer häufiger extrakorporale Verfahren ins Spiel, die in unterschiedli­cher Weise als Filter- und Adsorptionssystem wirksam werden können. „Das ist nicht zu­letzt deshalb entscheidend, weil zum Beispiel 20 bis 30 % der Patienten auf der Intensiv­station wegen ihrer eingeschränkten Nierenfunktion für eine Remdesivirtherapie über­haupt nicht infrage kommen“, erläuterte Jan T. Kielstein, Chefarzt der Nephrologie, Blut­reinigung & Rheumatologie am Städtischen Klinikum Braunschweig.


Welche Dialysepatienten profitieren von einer Behandlung mit Statinen?

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 17.06.2020

 

Score ermöglicht die Vorhersage eines Behandlungseffektes der Statin-Therapie bei Dialysepatienten mit Diabetes mellitus. Wissenschaftlern der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) und des Universitätsklinikums Würzburg ist es gelungen, nicht nur nachzuweisen, dass Untergruppen von Dialyse-Patienten tatsächlich unterschiedlich von der Behandlung mit Statinen zur Vermeidung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen profitieren, sondern auch einen Score zu entwickeln, der für einzelne Patienten eine Vorhersage über die klinische Wirksamkeit von Statinen erlaubt. Patienten, die aufgrund einer schweren Nierenerkrankung auf eine künstliche Blutwäsche (Dialyse) angewiesen sind, haben ein hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Denn häufig gehen mit einem chronischen Nierenversagen Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Blutarmut einher. Ob aber in diesem Zusammenhang die Behandlung von Dialysepatienten mit Statinen gerechtfertigt ist, ist umstritten, da randomisierte Studien mit (Hämo-) Dialysepatienten* deren Nutzen nicht belegen. Statine sind auch als Cholesterin- bzw. Lipidsenker oder CSE-Hemmer bekannt. Sie gelten als wichtige Arzneistoffe zur Senkung der Blutfettwerte und Vorbeugung von durch Arteriosklerose bedingten Herzkrankheiten wie Koronare Herzerkrankung (KHK) und Herzinfarkt. Während Statine das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung ohne Dialysebehandlung nachweislich senken, besteht große Unsicherheit bezüglich ihres Nutzens für Dialysepatienten.

 


Erblicher Bluthochdruck durch überaktives Enzym

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 11.06.2020

 

Nach mehr als 40 Jahren haben verschiedene Teams am MDC und ECRC nun den wissenschaftlichen Beweis mithilfe zweier Tiermodelle erbracht: Ein verändertes Gen für das Enzym PDE3A verursacht eine erbliche Form von Bluthochdruck. Das könnte die Therapie der Hypertonie grundlegend verändern. Auffällig wurde die türkische Familie aus einem Dorf nahe dem Schwarzen Meer bereits Anfang der Siebzigerjahre. Ein Arzt stellte damals fest, dass bei manchen Mitgliedern der Großfamilie zwei Merkmale stets gemeinsam auftraten: verkürzte Finger und astronomisch erhöhte Brutdruckwerte, zuweilen mehr als doppelt so hoch wie bei gesunden Menschen. Die Betroffenen verstarben in der Regel an einem Schlaganfall, noch bevor sie ihren 50. Geburtstag gefeiert hatten. Rund zwanzig Jahre später begann eine Gruppe um Professor Friedrich Luft und Dr. Sylvia Bähring am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), das mysteriöse Phänomen zu erforschen. Es war keine leichte Aufgabe. Erst im Mai 2015 konnten die Forscherinnen und Forscher schließlich im Fachblatt „Nature Genetics“ berichten, dass sie bei allen Patientinnen und Patienten, die an HTNB (Hypertonie mit Brachydaktylie, also Bluthochdruck und Kurzfingrigkeit) litten, auf ein verändertes Gen gestoßen waren. Die Erbkrankheit wird nach seinem türkischen Entdecker auch Bilginturan-Syndrom genannt.

 


Weniger Komplikationen nach Organtransplantation

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 10.06.2020

 

Neuartige Zelltherapie erspart Nebenwirkungen durch unterdrücktes Immunsystem. Eine großangelegte internationale Studie unter Federführung des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat die Verträglichkeit neuartiger Ansätze für die Zelltherapie bei Nierentransplantationen nachgewiesen. Das Immunsystem muss hierbei zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen weniger stark unterdrückt werden. Somit können Nebenwirkungen wie Virusinfektionen vermieden werden. Die Ergebnisse der Studie sind im Fachmagazin The Lancet* erschienen. Um die Abstoßung von Spenderorganen nach der Transplantation zu verhindern, werden üblicherweise Immunsuppressiva zur Unterdrückung des Immunsystems eingesetzt. Auch mit diesen Medikamenten kann eine spätere Abstoßung nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Hinzu kommen oft starke Nebenwirkungen wie Unverträglichkeiten, Infektionen oder andere Erkrankungen. Eine alternative Behandlungsmöglichkeit bietet die Zelltherapie: Als sogenannte regulatorische Zellprodukte werden bestimmte Immunzellen außerhalb des Körpers vermehrt und dann zur Infusion bei Organempfängern verwendet, um auf diese Weise eine selbsterhaltende Immunregulation wiederherzustellen.

 


Spahn und Baerbock begrüßen wachsende Bereitschaft zu Organspenden

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 08.06.2020

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) und Grünen-Chefin Annalena Baer­bock haben die wachsende Bereitschaft zur Organspende in Deutschland begrüßt. Beide äußerten sich in einem Doppelinterview der Passauer Neuen Presse (PNP) anläss­lich des Tages der Organspende vorgestern. Darin wies Spahn darauf hin, dass die Zahl der Spender im ersten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16 Prozent gestiegen sei.

 

Der Bundestag hatte im Januar nach langen, kontroversen Debatten einen unter anderem von Baerbock vorgelegten Antrag angenommen, wonach an dem Grundsatz festgehalten wird, dass Bürgerinnen und Bürger einer Spende aktiv zustimmen müssen. Allerdings soll verstärkt über Spenden informiert und dafür geworben sowie ein Online­register einge­führt werden. Spahn war mit dem Vorstoß für eine Widerspruchslösung ge­scheitert, wonach jeder als Organspender gelten sollte, der dem nicht ausdrücklich wi­derspricht. Die Bundestagsdebatte habe mehr gebracht „als alle Aufklärungskampagnen der vergan­genen Jahrzehnte“, sagte Spahn nun der PNP. Er relativierte daher auch sein damaliges Eintreten für das Widerspruchsmodell: „Wenn ich falsch gelegen haben sollte mit meiner Einschätzung, dass es mehr braucht als die Entscheidungslösung, um einen wirklichen Unterschied zu machen und die Zahl der Organspender zu erhöhen, wäre ich sehr glück­lich.“ Baerbock rief dazu auf, die Information und Aufklärung der Bevölkerung nun noch weiter zu verbessern. „Wir müssen das Thema Organspende kontinuierlich auf der Tagesordnung halten. Nur so können wir dann auch mehr Leben retten“, sagte die Grünen-Vorsitzende. Dafür sei das geplante Onlineregister ein zentraler Baustein.


Zahl der Organspender in Deutschland nimmt zu – kein Einbruch während Corona-Pandemie

Quelle: Handelsblatt, 06.06.2020

 

Deutschland verzeichnet immer mehr Organspender. An dem Trend änderte auch die schwierige Lage der Krankenhäuser in der Corona-Pandemie nichts. Die Zahl der Organspender steigt in Deutschland spürbar an. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) wurden in den ersten fünf Monaten dieses Jahres 410 Menschen nach ihrem Tod Organe entnommen, ein Zuwachs von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Zahl der transplantierten Organe sei von 1254 auf 1300 gestiegen. Offenbar hat die Debatte um die Organspende-Reform im vergangenen Jahr die Bevölkerung stärker für das Thema sensibilisiert. „Das Interesse am Thema ist groß wie nie“, sagte Spahn am Freitag in Berlin. In den ersten vier Monaten des Jahres seien fast 2,5 Millionen Organspendeausweise und Flyer bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bestellt worden - eine halbe Million mehr als im Vorjahreszeitraum. Einen Effekt könnte auch ein im April 2019 in Kraft getretenes Gesetz haben, das die Rolle der Transplantationsbeauftragten in Krankenhäusern stärkt und die Verfahrensabläufe bei der Organspende verbessert. Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der DSO, sagte: „Diese Maßnahmen haben unserer Einschätzung nach bereits erste Wirkungen gezeigt. Die Frage nach einer möglichen Organspende am Lebensende wird in vielen Kliniken immer mehr zur Selbstverständlichkeit.“


Rekord: Mit über 2.800 geschenkten Lebensjahren machen Organempfänger auf Organspende aufmerksam

Quelle: PressePortal, 06.06.2020

 

Die bundesweite Teilnahme zum Tag der Organspende via Internet machte es möglich. Bereits über 2.800 geschenkte Lebensjahre binnen weniger Tage nach dem Aufruf an alle Organtransplantierten in Deutschland. Die Aktion "Geschenkte Lebensjahre", die von Patientenverbänden entwickelt wurde, fand in diesem Jahr online statt: Transplantierte aus ganz Deutschland erhielten die Möglichkeit, der Organspende ein Gesicht zu geben und "Danke zu sagen", - "Danke" für jedes weitere Lebensjahr, das durch die Organspende möglich wurde. Andrea Sebastian (52), Teilnehmerin der Aktion, ist begeistert: "Ohne meine Transplantation wäre ich nicht mehr am Leben und hätte keine Chance gehabt, die schönen Stunden mit meiner Familie und meinen Freunden erleben zu können. Ich bin zutiefst dankbar, seit 16 Jahren dazuzugehören." Prominente Unterstützung erhielt die Aktion durch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Er übernahm die Schirmherrschaft: "Diese Aktion gibt dem Thema Organspende ein Gesicht. Jeder von uns kann in die Situation geraten, auf eine Organspende angewiesen zu sein. Deshalb nutzen Sie die Chance, sich zu informieren und Ihre persönliche Entscheidung zu treffen."

 


Ausdruck der Nächstenliebe - Bischof Ackermann hat Organspende-Ausweis unterschrieben

Quelle: Bistum Trier, 06.06.2020

Seine Unterstützung für die Organspende hat Bischof Dr. Stephan Ackermann mit der Unterschrift auf seinem Organspende-Ausweis dokumentiert. „Durch die Diskussion über den Gesetzentwurf zur Organspende vor einiger Zeit habe ich mich erneut eingehend mit dem Thema befasst“, berichtet er. Unter anderem bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gebe es umfassende Möglichkeiten, sich zu informieren. „Wir wissen um die schwierige Situation, dass es zu wenige Spenderorgane gibt und Menschen verzweifelt darauf warten.“ Dabei bezieht er sich auf aktuelle Zahlen: Mehr als 9.500 Menschen stehen in Deutschland auf der Warteliste für ein Spenderorgan. 2018 gab es bundesweit allerdings nur knapp 1.000 Frauen und Männer, die ihre Organe nach ihrem Tod gespendet haben. Obwohl laut Ärzteblatt rund 80 Prozent der Bevölkerung einer Spende positiv gegenüberstehen, haben nur etwa 30 Prozent einen Organspende-Ausweis. Ackermann: „Ich habe mich entschlossen, Organspender zu sein und den Ausweis ausgefüllt. Für mich ist das auch ein Ausdruck der Nächstenliebe.“


Politik - Organspende: Positive Tendenz trotz Coronapandemie

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 06.06.2020

Anlässlich des morgigen Tags der Organspende hat Bundesgesundheits­minister Jens Spahn (CDU) heute den positiven Trend bei diesem schwierigen Thema gewürdigt. „Die Aufmerksamkeit für die Organspende ist so groß wie nie", sagte Spahn in Berlin. Im ersten Quartal 2020 seien trotz der Coronapandemie mehr Organe gespendet sowie deutlich mehr Spendenausweise bestellt und ausgefüllt worden. Konkret stieg die Anzahl der gespendeten Organe im Vergleichszeitraum des Vorjahres von 1.254 auf 1.300 Orga­ne. Als Hauptgrund für die erhöhte Aufmerksamkeit nannte Spahn die breite gesellschaft­li­che Debatte über eine Neuregelung der Organspende im vergangenen Jahr. „Diesen Rü­ckenwind sollten wir jetzt gemeinsam nutzen“, betonte der Bundesgesundheits­minister. Er appellierte an alle Bürger sich zu informieren und eine persönliche Entscheidung zu treffen und diese auch zu dokumentieren. „Das gibt nicht nur Ärztinnen und Ärzten, son­dern auch Ihren nächsten Angehörigen die nötige Sicherheit“, erklärte der Minister. Dass die Zahl der tatsächlichen Organspenden im ersten Quartal 2020 trotz der Pande­mie im Vergleich zum Vorjahresvergleich um acht Prozent stieg, würdigte insbesondere der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Axel Rahmel.


Interview zum Tag der Organspende - „Das A und O für mehr Organspenden sind bessere Strukturen“

Quelle: Ärztezeitung, 05.06.2020

Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Dr. Kirsten Kappert-Gonther hat für die Entscheidungsregelung bei der Organspende gekämpft. Im Interview sagt die Ärztin, was sie sich von der Reform erhofft und warum Spanien ein Vorbild ist.

 

Ärzte Zeitung: Von Januar bis Ende April 2020 sind bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gut zwei Millionen neue Spenderausweise bestellt worden. Klingt gut, aber bestellte Ausweise sind noch keine ausgefüllten Ausweise?

Dr. Kirsten Kappert-Gonther: Stimmt. Aber wer aktiv einen Spenderausweis bestellt, hat offenbar die Absicht, seinen Wunsch zu hinterlegen. Selbst wenn nicht jeder, sondern nur jeder zweite bestellte Ausweis ausgefüllt würde: Ein Anstieg der Nachfrage um mehr als 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist sehr erfreulich.

Und wer keinen Ausweis ausfüllt?

Kappert-Gonther: Der hat vielleicht mit Angehörigen oder Freunden über seine oder ihre Wünsche geredet, die im Fall der Fälle darüber Auskunft geben könnten. Grundsätzlich ist es sehr zu begrüßen, dass sich immer mehr Menschen mit Organspende-Fragen beschäftigen.

 


Tag der Organspende - Spendenbereitschaft deutlich gestiegen

Quelle: Pharmazeutische Zeitung, 05.06.2020

Der überwiegende Teil der Bevölkerung steht dem Thema Organ- und Gewebespende positiv gegenüber. Das hat eine bundesweite Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bereits 2018 gezeigt. Das zunehmende Interesse spiegelt sich auch in der gestiegenen Zahl der bei der BZgA in den ersten Monaten 2020 angeforderten Organspendeausweise wieder. »Die Diskussion um die gesetzlichen Regelungen zu Beginn dieses Jahres hat das Thema Organspende verstärkt in den Blickpunkt gerückt. Von Januar bis April wurden bei der BZgA deutlich mehr Organspendeausweise bestellt und heruntergeladen als im Vorjahreszeitraum. Dieses hohe Interesse am Organspendeausweis und die zunehmend positive Einstellung zur Organ- und Gewebespende sind sehr erfreuliche Entwicklungen«, so Professor Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA, in einer Pressemitteilung zum Tag der Organspende am 6. Juni. In den ersten vier Monaten dieses Jahres seien bei der BZgA etwa 2,23 Millionen Organspendeausweise bestellt worden. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres seien 1,68 Millionen Bestellungen eingegangen. Außerdem seien deutlich mehr Organspendeausweise aus dem Internet heruntergeladen worden: Die Zahl der Downloads habe sich von knapp 41.500 in den ersten vier Monaten in 2019 auf mehr als 72.500 im gleichen Zeitraum in 2020 erhöht. Die BZgA betont, dass eine Organ- und Gewebespende auch in Zeiten der Coronavirus-Pandemie möglich ist. Alle potentiellen Spender werden im Vorfeld auf das Virus getestet. Nur wenn der Test negativ ausfällt, komme es zu einer Spende.

 


Deutsche Leberstiftung zum Tag der Organspende: mehr Lebertransplantationen im ersten Quartal

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 02.06.2020

 

Der Tag der Organspende ist ein bundesweiter Aktionstag, der seit 1983 am ersten Samstag im Juni stattfindet. Am 6. Juni 2020 sollte der Tag der Organspende in Halle (Saale) bei einer zentralen Großveranstaltung mit einem breit gefächerten Programm und zahlreichen Teilnehmern begangen werden. Bedingt durch die gegenwärtige Situation wurde die Live-Veranstaltung abgesagt und durch virtuelle Events und Aktionen in sozialen Netzwerken ersetzt. Die Deutsche Leberstiftung nimmt den diesjährigen Aktionstag zum Anlass, auf aktuelle Empfehlungen für Lebertransplantierte hinzuweisen und über positive Entwicklungen bei Lebertransplantationen zu informieren. Nach der öffentlichen Diskussion über eine Organspende-Reform um den Jahreswechsel 2019/2020 meldete die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) für Januar 2020 mit 740.000 Anforderungen von Organspendeausweisen im Vergleich zu vorangegangenen Monaten eine Verdoppelung der Bestellungen. Offensichtlich hatten die Debatten dazu geführt, dass sich mehr Menschen über das Thema Organspende informierten und ihre persönliche Entscheidung für oder gegen eine Organspende dokumentieren wollten. Auch die Zahl der postmortalen Organspenden in Deutschland hat in den ersten drei Monaten des Jahres 2020 zugenommen: Die aktuellen Daten der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) zeigen mit insgesamt 260 postmortalen Organspendern einen Zuwachs von 16,1 Prozent und mit 804 transplantierten Organen einen Anstieg um 12,6 Prozent – jeweils im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum. Dass auch die Zahl der transplantierten Lebern, die derzeit in Deutschland nach Nieren den zweiten Platz der am häufigsten für Organspenden benötigten Organe belegen, im ersten Quartal 2020 angestiegen ist, freut den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Leberstiftung, Professor Dr. Michael P. Manns: „In den ersten drei Monaten stieg die Zahl der postmortal gespendeten Lebern im Vergleich zu 2019 um 20,5 Prozent. So konnte in diesem Zeitraum bei 224 Menschen das dringend benötigte lebenswichtige Organ Leber transplantiert werden. Diese Zahlen können als positives Zeichen für die Entwicklung der Bereitschaft zur Organspende in Deutschland gewertet werden.“

 


Neues von der Nebenniere

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 02.06.2020

 

Ein internationales Forschungsteam hat unter Leitung der Würzburger Endokrinologie ein neues Charakteristikum der Nebennieren entdeckt. Deren Zellen sind besonders anfällig für eine spezielle Form des Zelltods. Forschungsgruppen aus Würzburg, München und Colorado haben nachgewiesen, dass die Zellen der Nebenniere für eine bestimmte Form des Zelltods, die Ferroptose, besonders empfänglich sind. Diese Entdeckung kann mithelfen, Krankheiten der Nebennieren besser zu verstehen. Sie könnte laut dem Würzburger Endokrinologen Dr. Matthias Kroiß außerdem dazu beitragen, neue Therapien gegen Nebennierentumoren zu entwickeln. Für deren Behandlung und Erforschung ist die Würzburger Universitätsmedizin ein weltweites Kompetenzzentrum.

 


GB: Bischofskonferenz erlässt Richtlinien zu neuer Organspenderegel

Quelle: Vatikan News, 28.04.2020

In Großbritannien gilt ab diesem Mittwoch ein neues Gesetz für die Organentnahme Verstorbener. Wer sich zu Lebzeiten nicht ausdrücklich gegen die Organspende erklärt hat, wird in Zukunft nach seinem Tod als potentieller Organspender behandelt. Die Bischofskonferenz von England und Wales (CBCEW) hat auf diese Neuerung reagiert und einen Richtlinienkatalog erstellt, um den Gläubigen ihre Entscheidung zu erleichtern.  Zwar haben die katholischen Bischöfe seit jeher zur Organspende ermuntert. Dennoch warnten sie, dass das neue System dazu führen könnte, den tatsächlichen Willen des Einzelnen zu ignorieren und somit das Konzept der Organspende als freiwillige Gabe zu unterminieren. Ab sofort werden alle Erwachsenen, die länger als 12 Monate in Großbritannien leben, als Organspender geführt, sofern sie nicht ausdrücklich widersprochen haben. Ausgenommen von der Regelung des stillschweigenden Einverständnisses sind nur wenige Personengruppen, darunter unter anderem geistig behinderte Menschen, Minderjährige oder Menschen, die nur zu einem kurzen Aufenthalt in das Land gereist waren.


Politik - Größere Überlebens­chancen in Kliniken mit vielen Nierentrans­plantationen

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 25.05.2020

In Zentren mit vielen Nierentransplantationen sind die Überlebenschancen der Patienten im ersten Jahr nach dem Eingriff höher als in Kliniken mit geringeren Fallzah­len. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Ge­sund­heitswesen (IQWiG) in einem neuen Rapid Report, den der Gemeinsame Bundesaus­schuss (G-BA) in Auftrag gegeben hat. Einen Zusammenhang zwischen Leistungsmenge und der Zielgröße „Transplantat­versagen“ fanden die IQWiG-Wissenschaftler aber nicht. Die Nierentransplantation ist in Deutschland mit 1.671 Nieren nach postmortaler Organ­spende und 638 Nieren nach Lebendspende die häufigste Organtransplantation (2018). In Europa funktionieren fünf Jahre nach der Transplantation im neuen Körper noch 78 Pro­zent der postmortal gespendeten Nieren und 87 Prozent der lebend gespendeten Nieren. Derzeit gilt in Deutschland für Nierentransplantationen eine Mindestmenge von 25 er­brach­ten Behandlungen je Krankenhausstandort und Jahr. Für die Gesamtmortalität bis zu zwölf Monate nach der Transplantation zeigten die vom IQWiG ausgewerteten Studien eine niedrigere Sterbewahrscheinlichkeit bei höherer Leistungsmenge. Für die mittel­fris­tige Gesamtmortalität nach 36 Monaten können die Wissenschaftler des Instituts einen solchen Zusammenhang nicht ableiten.


Politik - Wachsendes Interesse an Organspende

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 22.05.2020

Immer mehr Menschen setzen sich offenbar mit dem Thema Organspende auseinander. Von Januar bis Ende April dieses Jahres gingen bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Bestellungen für rund 2,23 Millionen Organspende­aus­weise ein, wie der Spiegel berichtet. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (1,69 Millionen) entspricht das einem Anstieg von 33 Prozent. Auch die Nachfrage nach Informationsbroschüren mit integriertem Ausweis wuchs demnach. Die Daten gehen aus einer Antwort des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums auf eine Frage von Grünen-Parteichefin Annalena Baerbock hervor. Im Januar hatte der Bundestag über eine Neuregelung der Organspende entschieden. Die Mehrheit im Parlament stimmte für ein Modell, das Baerbock mitentwickelt hatte: Die Be­reitschaft zur Organspende kann von 2022 an in ein Onlineregister eingetragen werden. „Das Interesse an Organspendeausweisen ist deutlich gewachsen“, sagte die Grünen-Vor­sitzende. Damit es zu mehr Transplantationen komme, müsse das neue Register jetzt „zü­gig kommen“. Das Ge­sund­heits­mi­nis­terium hat zu dessen Umsetzung eine Projektgruppe einrichten lassen, die von Sicherheits- und Datenschutzexperten begleitet wird.


Versorgung von Nierenpatienten während und nach Corona gewährleisten

Quelle: Internisten im Netz, 20.05.2020

 

Nierentransplantationen werden in der Coronakrise verschoben, weil die Zahl der Intensivbetten begrenzt ist und insbesondere die Spender keinem Infektrisiko ausgesetzt werden sollen. Menschen mit schwer eingeschränkter Nierenfunktion benötigen eine sehr engmaschige ärztliche Überwachung. Im Extremfall – dies betrifft mehr als 100.000 Menschen in Deutschland – müssen Patienten mit Nierenversagen trotz Ansteckungsrisiken drei Mal in der Woche für mehrere Stunden in eine Praxis oder Klinik, um sich dort der für sie lebenswichtigen Dialyse zu unterziehen. Viele dieser Patienten warten auf eine Nierentransplantation, die angesichts des Organmangels oft als Lebendspende erfolgt. Von langer Hand geplant, werden in der Coronakrise solche Nierentransplantationen aber derzeit verschoben, weil die Zahl der Intensivbetten begrenzt ist und insbesondere die Spender keinem Infektrisiko ausgesetzt werden sollen.


SARS-CoV-2 geht an die Nieren – welche therapeutischen Konsequenzen sind zu ziehen?

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 18.05.2020

 

Eine aktuelle Studie zeigt: Das neuartige Coronavirus geht im wahrsten Sinne des Wortes an die Nieren. Viele Patienten weisen bereits zu Beginn einer COVID-19-Erkrankung Urinauffälligkeiten auf, bei schweren Verläufen entwickelt sich oft ein ein akutes Nierenversagen. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) plädiert für eine interdisziplinäre Betreuung und nephrologische Nachsorge von COVID-19-Patienten mit Nierensymptomen. Ende der letzten Woche publizierten Professor Dr. Tobias Huber und Kollegen die Ergebnisse der in Hamburg am UKE durchgeführten Obduktionsstudie [1]. Insgesamt wurden Proben aus verschiedenen Organgeweben von 27 obduzierten, an COVID-19 erkrankten Patientinnen und Patienten im Hinblick auf die Viruslast analysiert. Wie sich zeigte, befällt das neuartige Virus zwar am stärksten die Lungen, aber auch andere Organe, und zwar in einem besonderen Maße die Nieren, sind betroffen. Anhand der Proben von sieben Patienten wurde darüber hinaus untersucht, welche Nierenkompartimente besonders in Mitleidenschaft gezogen werden, und es zeigte sich, dass die Nierenkanälchen (Tubuli) und besonders auch Zellen der Nierenkörperchen (Glomeruli) eine hohe Viruslast aufwiesen. „Das deckt sich gut mit unseren klinischen Beobachtungen. Die Glomeruli übernehmen die Filterfunktion der Nieren und die Tubuli die Rückresorption. Es zeigt sich schon früh im Verlauf einer Covid-19-Erkrankung, dass viele Patienten Auffälligkeiten im Urin haben, insbesondere eine Albuminurie,“ erklärt Studienleiter Professor Huber.


Nierenwerte als Seismograf für den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 14.05.2020

 

Eine vergangene Woche im „The Lancet“ veröffentlichte „Correspondence“ [1] stellte die durch erste Daten begründete Hypothese auf, dass einfache Nierenparameter den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung vorhersagen können. Eine Studie zur Validierung dieser ersten Daten wurde bereits angestoßen. Diese Erkenntnis hätte auch eine therapeutische Konsequenz und könnte gezielt COVID-19-Hochrisikopatienten einer prophylaktisch Therapie zuführen und damit Leben retten. „Die Nephrologie leistet mit dieser Studie einen wichtigen Beitrag für die SARS-CoV-2-Erforschung.“ Die Hoffung ist, dass die Ergebnisse vor der prognostizierten zweiten Infektionswelle im Herbst vorliegen. Frühzeitig im Verlauf zu einer Nierenbeteiligung kommt, d.h. zu einer Albuminurie (und/oder Hämaturie). Eine chinesische Studie, die Ende April in JASN („Journal of the American Society of Nephrology“) publiziert wurde [4], kam zu dem Ergebnis, das die Nierenbeteiligung bei COVID-19-Patienten das Outcome der neuartigen Viruserkrankung dramatisch verschlechtert und die Mortalität um den Faktor 10 erhöht (1,25% der Patienten ohne Nierenbeteiligung verstarben vs. 11,2% der Patienten mit Nierenbeteiligung). Bislang war nur das Auftreten eines akuten Nierenversagens (AKI) als unabhängiger Prädiktor für die Mortalität bekannt [2], doch wie es scheint, sind bereits frühe Zeichen einer Nierenbeteiligung wie Eiweißverlust im Urin, Eiweißreduktion im Blut sowie der Verlust von Antithrombin III prognostisch bedeutsam. Diese Erkenntnis machte sich ein nephrologisches Forscherteam der Universitätsmedizin Göttingen zunutze und entwickelte einen Therapiepfad, um anhand der „Nierenwerte“ Risikopatienten für einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung zu stratefizieren und frühzeitig intensiviert zu behandeln. Der Handlungspfad wurde am 6. Mai im renommierten „The Lancet“ [4] als „Correspondence“ publiziert, eine große Beobachtungsstudie, an der sich mehrere Universitätskliniken beteiligen, ist angelaufen.


MEDIZINREPORT: Studien im Fokus - Chronische Nierenerkrankung: Frühe Revaskularisierung reduziert Tod und Herzinfarkt nicht

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, Dtsch Arztebl 2020; 117(18): A-948 / B-800

 

Klinische Studien, die den Effekt einer Revaskularisierung bei Patienten mit stabiler Angina pectoris untersuchen, schließen Patienten mit fortgeschrittener chronischer Nierenerkrankung (CKD) häufig aus. Ein Begleitstudie der ISCHEMIA-Studie analysierte gezielt diese Patienten, zeigt aber keinen Vorteil einer frühen Revaskularisierung hinsichtlich Tod oder Herzinfarkt. In der ISCHEMIA-CKD-Studie wurde bei 777 Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion (eGFR < 30 ml/min/1,73m2) und moderater bis schwerer Ischämie im Stresstest eine invasive Strategie (Koronarangiografie mit anschließender Revaskularisierung) mit einer medikamentösen Behandlung verglichen. In der Gruppe mit invasiver Strategie kam es nach median 2,2 Jahren bei 123 Patienten und in der Gruppe mit konservativer Strategie bei 129 Patienten zu Tod oder Herzinfarkt. Die geschätzten 3-Jahres-Ereignisraten dieses primären Endpunkts betrugen 36,4 % und 36,7 %. Die adjustierte Hazard Ratio (HR) von 1,01 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall (95-%-KI) von 0,79 bis 1,29 nicht signifikant.

 


Entzündete Nieren als Frühwarnzeichen für schwere Verläufe bei COVID-19

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 07.05.2020

 

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Göttingen entwickeln Handlungspfad zur Vorhersage von Erkrankungsschwere und Organkomplikationen bei COVID-19. Online veröffentlicht in der renommierten Fachzeitschrift „The Lancet“ in der Ausgabe vom 6. Mai 2020. (umg) Einen Handlungspfad zur Früherkennung und Behandlung von schweren Verläufen bei COVID-19 Infektionen hat ein Expertenteam der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) entwickelt. Ein einfacher Urintest soll dem ärztlichen Fachpersonal helfen, schon früher Warnzeichen für einen bevorstehenden schweren Verlauf der COVID-19 Erkrankung zu erkennen. Anhand weniger Parameter kann so, noch Tage, bevor Lunge und andere Organe schwer versagen, mit der Behandlung drohender Komplikationen begonnen werden. Damit ließen sich bei vielen Erkrankten lebensbedrohliche Verschlechterungen und Todesfälle verhindern. Die Erkenntnisse der UMG-Wissenschaftler sind am 6. Mai 2020 als „Correspondence“ in der renommierten Fachzeitschrift „The Lancet“ online veröffentlicht. Ob und wie sehr der vorgeschlagene Handlungspfad zu einer Verbesserung der Kran-kenversorgung bei Covid-19 Infektionen beitragen kann, wird seit dem 24. April 2020 im Rahmen einer großen, nicht-interventionellen Beobachtungsstudie mit dem Titel „Covid-19 assoziierte Nephritis als Prädiktor für die Erkrankungsschwere und Komplikationen“ unter Beteiligung mehrerer Universitätskliniken in Deutschland untersucht.

 


COVID-19: Labortest erkennt Nephritis frühzeitig

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 07.05.2020

Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 kann neben Lungen und Herz offenbar auch die Nieren angreifen. Mediziner beschreiben im Lancet (2020; DOI: 10.1016/ S0140-6736(20)31041-2) eine COVID-19-assoziierte Nephritis, die häufig mit einem schweren Verlauf der Erkrankung einhergeht. Ein einfacher Labortest kann die Komplikation möglicherweise frühzeitig erkennen. In den letzten Wochen hat sich gezeigt, dass eine COVID-19 nicht auf eine atypische Pneumonie beschränkt bleibt, deren Ausprägung häufig nicht das schwere Krankheits­bild erklärt. Viele Patienten erleiden Schäden am Herzmuskel und an den Blutgefäßen, was einen Anstieg von Herzinfarktmarkern im Blut und eine erhöhte Thromboseneigung der Patienten erklärt.


Turbulenter als gedacht - Ungleichmäßiger Blutstrom fördert die Entwicklung von Arteriosklerose

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 05.05.2020

 

Können wir tatsächlich davon ausgehen, dass unser Herz das Blut so langsam durch unsere Arterien pumpt, dass ein gleichmäßiger, turbulenzfreier Blutstrom entsteht? Die soeben im PNAS erschienene Veröffentlichung zeigt, dass es in unseren Blutbahnen oft turbulenter zugeht als es für den menschlichen Körper von Vorteil wäre. Unregelmäßigkeiten im Blutstrom fördern nachweislich Entzündungen und Funktionsstörungen der inneren Schicht der Blutgefäße, was wiederum zur Entwicklung der Zivilisationskrankheit Arteriosklerose führen kann. Eingereicht wurde die Forschungsarbeit von Duo Xu vom Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) an der Universität Bremen. „Pulsierende Strömungen durch Rohrgeometrien sind bei moderaten Geschwindigkeiten laminar.“ So beginnt die Zusammenfassung der wissenschaftlichen Arbeit, die nun in einem der weltweit renommiertesten Wissenschaftsjournale, dem „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA" (PNAS), erschienen ist. Gemeint ist damit, dass in einer Flüssigkeit keine Verwirbelungen entstehen, wenn sie ausreichend langsam durch ein Rohr gepumpt wird. Generell sind pulsierende Strömungen zwar turbulenzanfälliger als stetig fließende Strömungen, dennoch ist man bislang davon ausgegangen, dass aufgrund der geringen Geschwindigkeit und der hohen Zähigkeit (Viskosität) des Blutes im menschlichen Kreislaufsystem keine Turbulenzen entstehen. Duo Xu hingegen hat nun gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam nachgewiesen, dass ein turbulenzfreies Strömungsverhalten nur im Idealzustand immer erreicht wird.

 


Blutströme könnten turbulenter sein als bisher erwartet

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 05.05.2020

 

Man geht davon aus, dass der Blutfluss im menschlichen Körper überwiegend gleichmäßig und nicht turbulent ist. Instabiler Fluss wird dagegen mit einer Vielzahl von Herz-Kreislauf-Erkrankungen einschließlich Arteriosklerose in Verbindung gebracht - eine der führenden Todesursachen weltweit. Professor Björn Hof vom Institute of Science and Technology Austria (IST Austria) hat nun gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam gezeigt, dass unser Blutkreislauf turbulenter ist als bisher angenommen. Die Studie wird in der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA (PNAS) veröffentlicht. Der Blutfluss im menschlichen Körper wird aufgrund seiner geringen Geschwindigkeit und hohen Viskosität im Allgemeinen als gleichmäßig angenommen. Unregelmäßiger Blutfluss wird mit verschiedenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht und fördert nachweislich Funktionsstörungen und Entzündungen in der inneren Schicht der Blutgefäße, dem Endothel. Dies wiederum kann zur Entwicklung von Arteriosklerose führen, einer weltweit führenden Todesursache, bei der sich die arteriellen Wege im Körper aufgrund von Plaqueablagerungen verengen. Die Ursache für diese Instabilität ist jedoch noch nicht gut verstanden. Nun hat der IST-Austria-Professor Björn Hof zusammen mit einem internationalen Forscherteam gezeigt, dass pulsierende Blutströme, wie die unseres Herzens, stark auf geometrische Unregelmäßigkeiten in den Gefäßen (wie Plaqueablagerungen) reagieren und viel höhere Geschwindigkeitsschwankungen verursachen als bisher angenommen. Die Forschung könnte Auswirkungen darauf haben, wie wir in Zukunft Krankheiten untersuchen, die mit dem Blutfluss zusammenhängen.


Studien im Fokus - Kardiovaskuläre Reserve bei terminalem Nierenversagen: Nach Nierentransplantation verbessern sich die kardiopulmonalen Funktionen rasch

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 2020; 117(18): A-946 / B-798

 

Ein großer Teil der Patienten mit terminalem Nierenversagen hat auch eine koronare Herzkrankheit mit Hypertrophie des linken Ventrikels und systolischer und/oder dia-stolischer Dysfunktion. Einige frühere Studien ließen vermuten, dass eine Transplantation auch die linksventrikuläre Ejektionsfraktion erhöht und Herz-Kreislauf-Funktionen verbessert. Die Ergebnisse dazu aber waren inkonsistent. Britische Forscher haben diese Fragestellung prospektiv untersucht (1). An der kontrollierten, 3-armigen Kohortenstudie nahmen 253 Patienten des nephrologischen Zentrums der University of Cambridge teil. Es wurden prospektiv 3 Studienarme gebildet: Patienten mit terminalem Nierenversagen, die ein Transplantat erhalten hatten (KTR; n = 81), Patienten mit terminalem Nierenversagen, die auf ein Organ warteten (NKTR; n = 85), und Patienten mit Bluthochdruck ohne chronische Nierenerkrankung (HT; n = 87). Die Teilnehmer waren durchschnittlich 48,5 Jahre alt. Die Transplantatempfänger hatten zu 91 % eine lebend gespendete Niere erhalten.


Drei aktuelle Studien bestätigen: Blutdruckmedikamente nehmen keinen Einfluss auf das Covid-19-Risiko

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, 02.05.2020

 

Gestern wurden im renommierten „The New England Journal of Medicine“ drei Studien publiziert, die konsistent zeigen: Blutdrucksenker ACE-Hemmern (ACEI) und Angiotensin-Rezeptor-Blockern (ARB) erhöhen nicht das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, noch das Risiko, dass eine Covid-19-Erkrankung einen schweren Verlauf nimmt. Mittlerweile ist die Datenlage als sehr solide einzustufen: Bluthochdruckpatienten können ihre Therapie bedenkenlos fortsetzen. Sars-Cov-2 verschafft sich über das Enzym ACE2 Eintritt in die Zellen. Da tierexperimentelle Untersuchungen gezeigt hatten, dass gängige blutdrucksenkende Medikamente ACE2 hochregulieren, wurde darüber spekuliert, dass sie im Kontext der Pandemie schaden könnten. Klinische Studien gaben jedoch keinerlei Hinweise darauf und die Europäische Gesellschaft für Hypertensiologie (ESH) und die Deutsche Hochdruckliga warnten Patienten davor, die Medikamente unbedacht abzusetzen. Drei große Observationsstudien erweitern nun die Datenlage zu Blutdrucksenkern und Covid-19 und geben erneut Sicherheit: Weder begünstigen ACEI oder ARB einen schweren oder gar tödlichen Verlauf einer Covid-19-Erkrankung noch machen sie anfälliger für eine SARS-CoV-19-Infektion: Die erste Studie [1] analysierte Risikofaktoren für eine höhere Sterblichkeit von Covid-19-Erkrankungen. 8.910 erkrankte Patienten wurden ausgewertet. 515 von ihnen verstarben im Krankenhaus, 8.395 konnten wieder entlassen werden. Die Einnahme von ACE-Hemmern war in dieser Studie nicht mit einer höheren Sterblichkeitsrate verbunden.


Wie das Immunsystem auf Hepatitis-C-Viren reagiert

Quelle: Informationsdienst Wiisenschaft, 24.04.2020

 

Ein bestimmtes Gen spielt bei der Bekämpfung der leberschädigenden Erkrankung eine große Rolle. Dringt ein Virus in eine Zelle ein, reagiert das Immunsystem sofort und produziert den Botenstoff Interferon. Dieser aktiviert in allen Zellen der Umgebung Hunderte von hoch spezialisierten Abwehrmechanismen, die verschiedene Schritte der Virusvermehrung hemmen können. Obwohl diese sogenannten interferon-stimulierten Gene das Rückgrat des angeborenen Immunsystems bilden, weiß man bislang nur für wenige, wie sie agieren. Bei der Abwehr von Hepatitis-C-Viren spielt das interferon-stimulierte Gen C19orf66 eine bedeutende Rolle. Ein Forschungsteam der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Prof. Dr. Eike Steinmann von der Arbeitsgruppe Molekulare und Medizinische Virologie hat nun untersucht, auf welche Art und Weise das Gen arbeitet. Die Ergebnisse zeigen, dass C19orf66 die Etablierung der viralen Replikationsmaschinerie stört. Veröffentlicht haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihr Studie am 12. April 2020 im Journal of Hepatology. Hepatitis-C-Patienten produzieren mehr von dem Gen als Gesunde "Um herauszufinden, ob C19orf66 in den Proben von Hepatitis-C-Patienten verstärkt aktiviert ist, haben wir zuerst Lebergewebsproben von infizierten und von gesunden Menschen untersucht", erklärt Doktorand Volker Kinast. Die Analyse zeigte, dass die Produktion des Gens in Hepatitis-C-Patienten erhöht ist.

 


Neuer Test weist Infektionen und Abstoßungen nach Nierentrans­plantation anhand einer Urinprobe nach

Quelle: Deutsches Ärzteblatt,22.04.2020

Ein neuer Diagnostiktest soll die Versorgung von Patienten nach Nieren­transplantation verbessern. Ein internationales Forschungsteam hat dafür eine einfache Urinprobe mit der als „Genschere“ bekannten CRISPR-Technologie kombiniert. Die Arbeit ist im Journal Nature Biomedical Engineering erschienen (DOI 10.1038/s41551-020-0546-5). „Die meisten Menschen denken an Gen-Editierung, wenn sie an CRISPR denken, aber dieses Tool ist auch für andere Anwendungen, speziell für günstigere und schnellere Diagnostik, geeignet“, erläutert Michael Kaminski, Leiter der neuen Arbeitsgruppe „Kidney Cell Engineering and CRISPR Diagnostics“, die am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz Gemeinschaft (MDC) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin angesiedelt ist. Der neue Test weist 2 häufige, opportunistische Viren nach, die oft Patienten nach einer Nierentransplantation infizieren: Zytomegalievirus (CMV) und BK Polyomavirus (BKV). Das Verfahren detektiert auch CXCL9-mRNA, deren Expression während der akuten zellulären Abstoßung von Nierentransplantaten ansteigt. Die CRISPR-Technologie kann sehr kleine Segmente einer DNA- oder RNA-Sequenz mithilfe eines komplementären RNA-Stücks aufspüren. Bestimmte Arten von Cas-Proteinen schneiden nicht nur die Zielsequenz, sondern auch ein sogenanntes Reportermolekül. Die bei diesem Schneiden entstehende Fluoreszenz zeigt an, ob die Zielsequenz vorhanden ist.


DGIM: Mindest­mengenregelung für Nierentrans­plantationen aussetzen

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 21.04.2020

Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) warnt vor Spätfolgen der Coronakrise für die Versorgung von Nierentransplantationspatienten. Grund ist die vorgeschriebene Mindestmenge von 25 Nierentransplantationen pro Jahr, die die meisten Transplantationszentren in diesem Jahr nicht werden einhalten können. „Etwa ein Drittel der deutschen Nierentransplantations-Zentren ist von einer dauerhaften Schließung bedroht“, sagte Jürgen Floege, Vorsitzender der DGIM, heute bei einer Online-Pressekonferenz. Der Direktor der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, rheuma­tologische und immunologische Erkrankungen an der Uniklinik der RWTH Aachen forder­te deshalb, die Mindestmengenregelung verlässlich bis auf Weiteres auszusetzen.