Blog Homburg 2


Schlagartige Lebensveränderung – Und plötzlich ist alles Fremd!

 

 

18.09. Am Morgen frühstückte ich und ging im Anschluss in mein Homeoffice. Kaum am Schreibtisch platzgenommen,  klingelte mein Telefon. Es war die Reha-Klinik, in der sich mein Vater befand. Man benachrichtigte mich, dass er gestürzt ist. Es sei nicht dramatisch er wäre gut ansprechbar, aber zur Sicherheit auf dem Weg zur Klinik um eine genaue Kontrolle durchzuführen. Man erwarte, dass er heute wieder zurückkomme. Im Anschluss an dieses Gespräch telefonierte ich mit der Klinik in der ich ihn ausfindig gemacht hatte. Hier sagte man mir, er wäre noch in der Notaufnahme und ansprechbar. Man könne jedoch noch nichts sagen, ich solle mich um die Mittagszeit noch einmal melden.

 

Am Mittag, als ich in der Dialyse in Homburg angekommen war, rief ich erneut in der Klinik an, um mich nach meinem Vater zu erkundigen. Nun berichtete man mir, mein Vater sei in die Uniklinik Homburg verlegt worden. Genau da befand ich mich aktuell. Doch wo war er? Eine sehr liebe Dialyseschwester fand ihn nach zwei Anrufen. Er lag auf der neurochirurgischen Intensivstation. Ich bin sofort hingefahren. Ich fand meinen Vater im Koma vor. Beim Sturz hatte er eine sehr heftige Hirnblutung erlitten. Man konnte mir nicht viel sagen und empfahl mir meine Dialysetherapie durchzuführen. Wenn was wäre, rufe man mich sofort an.

 

Ich bin voller Sorge an die Dialyse. Ich rief etwas später noch einmal von der Dialyse an. Da sagte mir die Ärztin sie wollte sich auch gerade melden, es hat sich eine akute Verschlechterung ergeben, er befindet sich derzeit in einer Notoperation. Der Chef operiere selbst.

 

In dem Moment erlangte ich Herzprobleme, da ich mich innerlich sehr aufregte. Ich spürte es eigentlich gar nicht, aber mein Puls war nun 164. Mein Dialysearzt kam und bestand nach einem EKG darauf, dass ich mich auf der Notaufnahme kontrollieren lassen solle und zur Überwachung stationär bleibe. Starrköpfig willigte ich ein, denn so war ich gleichzeitig im Notfall in der Nähe meines Vater. Meine Angst um ihn ist unendliche groß, denn mein Vater war und ist, wie man aus anderen Blöcken weiß, meine wichtigste Person im Leben. Wir sind nicht nur Vater und Sohn, sondern auch gute Freunde, die füreinander da sind. Die Sorge lies mein Herz nicht ruhiger werden. So verging auch eine schlaflose Nacht, in einem Vierbettzimmer, in dem sowieso alles, erschwerend zur Schlaffindung, schnarchte.

 

Fazit:

Man steht morgens wie gewohnt auf, Frühstückt und wenn man am Abend zu Bett geht, hat sich das Leben schlagartig verändert und nichts ist mehr so wie es war. Vater und Sohn liegen gemeinsam in der Klinik.


Hilflosigkeit und Hoffnung

Am 19.09. rief ich gleich morgens auf der Intensivstation an. Ich erfuhr nur, dass mein Vater eine ruhige Nacht hatte und man aktuell nur abwarten könnte. Akute Lebensgefahr bestehe zum Glück nicht, ich könne zur Besuchszeit vorbeikommen und mit einem Arzt sprechen.

 

Völlig in einer anderen Gedankenwelt gefangen, standen meine Ärzte da und ordneten Untersuchungen an, um noch einmal die Herzsituation zu überprüfen. Ich ließ alles über mich ergehen. Ich empfinde alles wie in einer weiten Ferne. Meinem Körper geht es zwar nicht gut, aber das spüre ich nicht. Alles ist überlagert durch die Sorge und Verlustängste um meinen Vater. Mein behandelnder Oberarzt hatte mir zum Glück einen Psychologen zur Seite gestellt. Es gelang ihm, mich wieder in die Realität zurückzuführen. In meiner Gelähmtheit und Sorge hatte ich meinen Mittelpunkt, von dem ich normal ruhig und besonnen agiere, verloren.

 

Mit Atemübungen gelang es mir, mich wieder etwas über den Tag zu beruhigen. Dennoch war in mir die Angst mit vielen Fragen. Wird er überleben? Und wenn wird er wieder wie früher? Was tun bei bleibenden Schäden? Wie sieht unsere gemeinsame Zukunft aus?

 

Nun stand ich wieder am Bett des Mannes, der Lebzeiten für mich mit all seinen Kräften da war. Er sah so gebrechlich und hilflos aus. Mir wurde Brutal bewusst unsere gemeinsame Zeit ist nicht endlos. Die Gedanken schürt mir die Brust zu. Ich spüre bei dem Gedanken mein Herz pochen, mir ist schwindelig, meine Brust eng. In mir laufen die Gedanken wie in einer Endlosschleife. Was muss ich hier nun tun? Was muss ich tun, wenn etwas passiert? Wie ist mein Leben ohne ihn? Bin ich überhaupt fähig alleine zurechtzukommen? Dann sah ich vor mir mein Vater und merkte, er braucht mich jetzt und das ist der einzige Gedanke, der mich jetzt beschäftigen sollte. Doch es gelang nicht beständig über den Tag. Ich bin in einem Gefühlschaos gefangen, bei dem ich am liebsten schreiend davonlaufen würde. Ich weiß, ich kann jetzt nur auf die Ärzte sowie Gott vertrauen.

 

Beiläufig wurde ich an ein 24-Stunden-EKG angeschlossen, bekam ein EKG geschrieben, die Herzenzyme wurden bestimmt und vieles mehr. Was sonst zu großen Blogbeiträgen führen würde, ist nun eine Randnotiz. Mein Mittelpunkt war nicht meine gesundheitliche Situation!

 

Fazit:

Ich empfand mich in meinem Leben noch nie so hilflos und in Sorge! Der Gedanke, dass ich meinen Vater verlieren könnte, lähmte mich wie noch nie etwas zuvor. Meine Situation lief wie in der Ferne ab.


Keine Veränderung

20.09. Heute ist Dialysetag. Die Besuchszeit meines Vaters ist genau in meiner Dialysezeit. Meine Station fragte für mich nach, ob ich außerhalb der Besuchszeit, zur Intensivstation kommen kann. Dies hat man mir freundlicherweise erlaubt. Nun stand ich wieder hilflos an seinem Bett. Er zeigte keinerlei Reaktionen auf mich oder andere Dinge. In meiner Unbeholfenheit erzählte ich, wer sich alles um ihn Sorgen macht und Grüße übermittelte. Die Ärzte wie auch der Professor waren, im Gegenteil von mir, zuversichtlich, dass er sich erholt. Denn das Gehirn selbst ist nicht betroffen, sondern das Umliegende Arial. Mit Abnahme des Drucks sollte er den Zustand von zuvor wieder erreichen. Ärzte haben da ihr Wissen aus zahlreichen Fällen, in mir herrschte weiter Panik und Verlustangst.

 

Fazit:

Meine Dialyse läuft wie im Film an mir vorbei. Ich mein Köper wie Herz sind keine Einheit. Es fühlt sich an, als wären meine Gedanken und Körper voneinander getrennt. Ich muss weiter Geduld haben.

 


Lichtblick am Wochenende

21/22.09. Als ich heute zu meinem Vater gekommen bin, hat er erstmals die Augen geöffnet und mit mir per leichtem Händedruck, kommuniziert. Ich war überglücklich wieder Kontakt zu haben. Ich dachte, ab jetzt geht es aufwärts. Reden konnte er nicht so musste ich nun zum Erzähler werden. So erzählte ich ihm und richtete Grüße von Verwandten und Bekannten aus. Es erinnerte mich an meine Anfangszeit, als ich im Krankenbett lag und nicht viel redete. Da erzählte auch er mir viel um mich abzulenken. Als ich zurück auf meiner Station war, ging es auch mir etwas besser. Am Sonntag war er noch etwas reger und ich hörte die Beatmung solle beendet werden. Das war eine weitere positive Nachricht für mich. Auch die stabilisierte mich gesundheitlich weiter.


Ungeduld

23.09. Heute hatte ich wieder eine EKG-Kontrolle. Hier ist man nicht zufrieden mit mir. Mein Herzrhythmus ist noch sehr unregelmäßig und schnell. Zudem ist mein Blutbild (HB) auf 7,3 gefallen. Nun überlegt man, eine erneute Blutkonserve zu geben. Mein Vater ist zwar stabiler, aber noch so geschwächt, dass er noch nicht richtig und selbständig atmet. Das Gefühl so hilflos neben dem Bett zu stehen ist die Hölle. Die Angst, die in mir herrscht, macht mich psychisch fertig. So war es sicher auch nicht verwunderlich, dass es trotz leichter positiver Entwicklung meines Vaters, mein Puls auf fast 140 bei der Dialyse wieder anstieg. Meine Gefühlswelt ist komplett durcheinander. Ich kann die Situation medizinisch zuordnen, aber nicht emotional. Hier finde ich innerlich immer noch keinen Zugang, mit der Situation umzugehen.

 

Fazit:

Ich stecke in einem völlig emotionalem Wirrwarr fest. Es dominiert die Angst und Sorge um meinen Vater. Meine eigene Situation läuft dabei weit an mir vorbei, obwohl diese glaube ich auch mehr Aufmerksamkeit benötigt.


Eine Zunge lässt mein Herz Lachen

24.09. Mein behandelnder Oberarzt kam heute Morgen zu mir und meinte, sie denken darüber nach, eine Magen-/und Darmspieglung bei mir durchzuführen. Man möchte wissen, ob ich eine Blutungsquelle habe, die den Abfall des Blutbildes erklärt. Eine Magenspieglung würde ich ja noch im Notfall mitmachen, aber die Darmspieglung aus zahlreichen Gründen, die der Leser aus früheren Blogbeiträgen gut kennt, nicht. Da ich auch noch Knochenschmerzen besitze, soll ich auch noch in der Orthopädie vorgestellt werden. Als Dialysepatient mit einem Krankheitsverlauf von 40 Jahren bin ich medizinisch nicht nur eine Seltenheit, sondern habe auch viele gesundheitliche Baustellen. Die sind nicht mit belanglosen Untersuchungen, wie bei normalen Patienten durchzuführen. Jedoch läuft alles weiter so entfernt bei mir ab, dass ich die eigene Situation in der Ernsthaftigkeit nicht richtig wie sonst erfasse. Ich erkenne sie, aber sie tritt nicht in den Mittelpunkt. Im Drehpunkt meiner Gedanken steht die Verzweiflung um meinen Vater.

 

Ihn erlebte ich heute erstmals mit Humor und geistiger Wachheit. So streckte er mir sogar die Zunge raus, als ich etwas frech war. Er kommunizierte mit den Augen recht rege mit mir. Doch wenn eine Maschine pfeift, bin ich innerlich starr vor Angst.

 

Fazit:

Alles läuft weiter so entfernt bei mir ab, dass ich die eigene Situation in der Ernsthaftigkeit nicht richtig wie sonst erfasse. Meinem Vater geht es besser, doch wenn eine Maschine pfeift, bin ich starr vor Angst, obwohl ich die medizinischen Abläufe gewiss verstehe. Die rausgestreckte Zunge, lies mein Herz kurz lachen.


Innerlich Luftanhalten

25.09. Heute musste ich recht früh in Papas Klinik. Hier hatte ich einen Gesprächstermin mit einem Professor meines Vaters. Ich hörte von ihm, dass vorgesehen ist, wenn mein Vater richtig und selbständig tief atme, die Beatmung zu beenden. Des weiteren sieht man den Verlauf aus ärztlicher Sicht so, dass er infolge, die Station zur Wachstation hin wechselt, und später auf Normalstation kommt. Von da solle er dann in die Reha wechseln. Man versuche ihn auf dem Weg so fit wie möglich zu bekommen. Ob bleibende Schäden entstanden sind, kann man jetzt noch nicht sagen. Dies wird die Zeit zeigen. Nun werde noch der Shunt im Kopf im Abfluss genau eingestellt. So der Professor.

 

Bei meinem Vater am Bettstehend, war er heute relativ munter und so gut ansprechbar, dass er auch Dinge ausführte, die ich ihm sagte. Er bewegte den rechten und linken Fuß sowie die Arme und Finger. Er zeigte deutlich er wolle die Beatmung loswerden. Dabei tauchte sein bekannter kritischer Blick auf. Als ich ihm erklärte er müsse selbst tief ein-/und ausatmen, atmete er so tief, dass alle Monitore Alarm gaben. Am Abend hörte ich dann am Telefon, die Beatmung ist beendet. Er sei sehr munter und versuche auch zu reden, was wegen 7 Tage mit dem Tubus noch nicht möglich ist. Ich halte trotz allem innerlich noch die Luft an, da mir Gefahren, die noch kommen können, in vielseitiger Art sehr bewusst sind. Die Verlustangst ist ein ständiger Begleiter.

 

Bei mir stand eine erneute Blutkontrolle, ein EKG sowie die Dialyse an. Ebenso überlegt man, ob man es nicht erneut mit einer Eisentherapie versuchen sollte. Hier stelle ich mich noch etwas quer, da ich es beim letzten mal bei drei Versuchen nicht vertragen hatte. Nun will man statt Ferrlecit, Venofer er testen. Ich bin skeptisch, zur Vorsorge hat man, da das Hb bei 7,3 liegt, Kreuzblut abgenommen und zwei Bluttransfußionen bereitliegen. Die Ärzte sind an der Stelle sehr unruhig. Ich sehe die Thematik entspannt. Hier bräuchte ich etwas Valiumraumspray für meine Ärzteschaft. 

 

Fazit:

Meine Problematik wird hier sehr gut behandelt, auch das Essen läuft gut. Leider habe ich wegen der Situation meines Vaters, die meine überschattet, keinen Appetit. Ich hoffe der wird wieder, wenn sich mein Vater erholt, zurückkommen.


Ein Team bildet sich um.

26.09. Heute Morgen wurde ich bei der Visite gefragt, ob ich einen Gewichtsverlust an mir bemerkt hätte. Das konnte ich zurückblickend mit Ja beantworten. Mit Hintergrund der Gewichtsabnahme und dem Absinken des Hb-Wertes empfahl man mir ein CT, um einen eventuellen Tumor oder eine Blutungsquelle ausfindig zu machen. Dem stimmte ich zu und warte nun auf den CT-Termin. Am morgigen Tag werde ich an der Dialyse eine halbe Ampulle Eisen „Venofer“ versuchen. Aber sicher bin ich mir noch nicht, ob ich den Mut erneut für ein solches Vorhaben finde. Dabei muss es auch meinem Vater weiter besser gehen. Die Sorge und der Respekt toleriere ich psychisch nicht.

 

Zur Besuchszeit am Mittag bin ich zu meinem Vater. Da die Ärztin am Vortag so positiv klang, ging ich mit einer positiven Einstellung zu ihm. Als ich an sein Bett getreten bin, lag er da und schlief. Er war nicht ansprechbar, und als er die Augen öffnete, machte er einen verwirrten Eindruck. Er drückte ständig meine Hand schaute mich an und versuchte mir etwas zu sagen. Ich verstand es nicht und stand hilflos an seinem Bett. Wieder fühlte ich diese erdrückende Hilflosigkeit. Ich kann nichts für ihn tun. Wir zwei sind einfach auf uns alleine gestellt. In meiner erneuten Verzweiflung erklärte mir die Ärztin, man habe im CT eine Nachblutung gefunden, die größer geworden sei. Man bespreche nun mit dem Professor, ob dies erneut operiert werden müsse. Sie gehe von einer Operation aus.

 

Beiläufig erfuhr ich vom Pfleger, dass Papa für eine Frühreha in Kusel angemeldet wurde. Die nehmen auch Patienten in Beatmung. Ich war von dieser Nachricht erschüttert. Den da wäre mein Vater komplett allein. Den Weg hin und zurück von ca. 150 km schaffe ich derzeit nicht mit dem Auto. So ist es mir nicht möglich, in der schweren Zeit für ihn da zu sein. Wird man alleine in der Fremde gesund? Ohne Ansprache von lieben Menschen? Es war mir zudem klargeworden, wenn er hier überlebt, wird er nicht mehr wie früher. In mir irren die Gedanken. Ein ohnmächtiges Gefühl. Mein Herz spüre ich kaum noch in der Situation. Meine Welt ist wieder soweit weg. Ich möchte ihn nicht verlieren. Wie oft hatte ich in letzter Zeit mit ihm geschimpft, wie gerne würde ich jetzt wieder seine Stimme und Frechheiten hören … Aber derzeit ist nicht daran zu denken. Ich muss mich wieder in Geduld üben und sitze weiter wie auf einer Sünderbank, auf den roten Plastiksesseln vor der Intensivstation.

 

Fazit:

Der Tag heute startete für uns nicht sehr gut. Ich erlangte die Gewissheit, dass wir nie wieder das Team sein können, dass wir waren. Das Team bildet sich um. Das tut seelisch sehr weh und ich weiß nicht, damit umzugehen. Leider habe ich auch keinen, mit dem ich die Situation analysieren und ernsthaft besprechen könnte. Papa und ich waren in der Vergangenheit immer auf uns gestellt.


Ein langer schwerer Weg.

27.09. Heute Morgen hatte ich eine erneute Blutkontrolle sowie Stuhltestung. Auf die Ergebnisse warte ich noch. Die Dialyse ist stabil verlaufen, wenn auch mein Herz wieder mit einem Puls von 140 mächtig beschleunigt und unregelmäßig geschlagen hat.

 

Nach meinen Untersuchungen und vor der Dialyse durfte ich noch kurz zu meinem Vater auf die Intensivstation. Heute hörte ich, dass er schon im Stuhl gesessen hat. Mit dem Professor bewertete man, ob man ihn noch einmal wegen der Nachblutung operiert oder nicht. Man entschied sich, da er sich stabilisiert, bis Montag zu warten um die Situation, dann neu zu bewerten. Solange kann er sich noch erholen. Er war sehr aktiv heute. Er wollte mir wieder etwas sagen, aber die Stimme spielte leider noch nicht mit. Soweit ist alles unverändert.

 

Fazit:

Heute war einmal ein ruhiger Tag auch, wenn der Besuch am Bett meines Vaters emotional für uns beide sehr belastend ist. Aber er möchte wieder gesund werden, das hat er mir zu erkennen gegeben. Aber da hat er noch einen langen schweren Weg vor sich.

 


Gott, Ärzte und Kampfgeist

28/29.09. Am Samstag habe ich mich erstmals etwas stabiler gefühlt. Da mein Smartphone defekt war, habe ich, um ein neues zu besorgen, eine Stunde Klinikurlaub erhalten. Demgemäß bin ich mit dem Taxi nach Homburg zu einem Elektromarkt gefahren. In diesem Geschäft habe ich ein Bild entwickeln lassen (sie Seite), welches meinen Vater und mich abbildet. Dieses möchte ich ihm zum Geburtstag zu schenken. Viel mehr ist auf einer Intensivstation nicht realisierbar. Bei meinem Ausflug merkte ich sehr schnell, dass meine Kräfte sehr begrenzt sind. So bin ich auch postwendend wieder in die Klinik zurückgefahren. Ich legte mich im Anschluss solange zu Bett, bis ich am Abend zu meinem Vater konnte. Dieser Besuch ist für mich immer sehr beängstigend. Heute war kaum noch reaktionsfähig. Er erkannte mich zwar, nahm mich aber, Vermutliche nur noch aus einer weiten Entferntheit war. Dennoch hielt und drückte er meine Hand. Als ich diese Situation verlies und auf dem Rückweg zu meiner Station war, fühlte ich mein Herz wieder heftig pochen. Die Situation zu erleben ist schmerzhaft. Daneben begreife ich, wie es meinem Vater ergangen sein muss, als er diese Situation früher am Bett seines Kindes, also mir, erlebte. Nun kreisten auf dem Weg zurück auf Station, so viele Gedanken in mir. So spürte ich starke Verlustängste, Traurigkeit, und stellte Überlegungen an, ob ich alles ordnungsgemäß im Sinne meines Vaters gegenwärtig regele! Am Ende setzte ich meine Hoffnung auf einen stabileren Sonntag.

 

Heute Morgen begann der Tag schon beim Wecken, mit Vollbeleuchtung und Kasernenton. Dabei bin aus dem Schlaf so schreckhaft erwacht, dass mein Herz bis in den Hals schlug. Später kam mein Professor zur Visite und erkundigte sich über mein Wohlergehen. Nach meiner Schilderung meiner aktuellen Problematik berichtete ich ihm auch von der Situation meines Vaters. Diese trägt ja aktuell zu einer Destabilisierung meiner gesundheitlichen Situation, in großem Umfang mit bei. Er hörte zu und äußerte, dass was nun kommt, nur noch mein Vater selbst entscheidet. Dazu hat er mit mir gesprochen und eine Patientenverfügung erstellt. Für solche klaren und Kurzen auf den Punkt genaue Aussagen schätze ich ihn. Zudem hat er gerade in solchen Situationen noch für das Zwischenmenschliche Zeit und ist auch noch überdies pro Patient. Auch wenn sich alle Ärzte hier sehr um mich bemühen, ist seine Art in der derzeitigen Situation heilsam.

 

Gegen 10:00 Uhr bin ich zu meinem Vater gefahren. Hier erfuhr ich von der Ärztin, dass man bei einem erneuten CT feststellte, dass sich die Blutung in seinem Kopf erneut vergrößert hatte.  Dementsprechend zeigte er auf mich keine Reaktion mehr. So ist für Montag, seinem 75 Geburtstag, erneut eine Operation geplant. Dabei soll das Blut im Kopf zur Entlastung abgesaugt und die Blutungsquelle verschlossen werden. Hierfür musste ich zur Einwilligung viele Unterschriften leisten. Vor dem Eingriff soll noch ein Gespräch mit seinem behandelnden Professor stattfinden. Als alles berücksichtigt war, verabschiedete ich mich von meinem Vater. Dabei sagte ich, morgen wollten wir eigentlich feiern, jetzt hoffen alle, besonders ich, dass Du den Tag überlebst und Dich im Anschluss erholst! Mit innerlichen Tränen verabschiedete ich mich von ihm. Ich weiß ja nicht, ob ich ihn noch einmal lebend sehe.

 

Dann begangen in mir die Gedanken darüber, was nun zu tun ist. Denn ich komme in die Situation, wo ich darüber nachdenken muss, wann tritt sein Wille seiner erstellten Patientenverfügung ein. Ich muss daher darüber nachdenken, ob dies alles noch in seinem Sinn stattfindet. In dieser Woche zeigte er mir noch deutlich an, wieder gesunden zu wollen. Meine Fragen an den Professor morgen werden sein, wie er die Situation beurteilt, dass mein Vater durch die Operation die Möglichkeit auf Erholung mit Reha besitzt? Ebenso möchte ich eine Einschätzung, wie hoch die Möglichkeit bei einem positiven Op-Verlauf ist, dass er eines Tages wieder selbständig Wohnung und leben kann. Was erwartet der Arzt als Ergebnis von der Operation? Mein Herz reagierte auf all das wieder panisch mit Puls um 140.

 

Fazit:

 

Das Wochenende endet im Gefühlschaos. Wann immer ich zur Intensivstation komme, habe ich riesen Angst davor, mit welchen neuen Sorgen ich die Station verlasse. Und keiner da, der einem wirklich hier zur Seite steht. Aber für die Leute in diesem Bereich sind die Abläufe Normalität und da fehlt, trotz guter Versorgung, das Gefühl für das Einzelschicksal. Alles, was jetzt kommt, liegt in Gottes-/sowie Ärztehand und führt nur durch Kampfgeist meines Vaters noch zum Erfolg. Ich kann nur auf alle hoffnungsvoll Vertrauen.


Ein Geburtstag im Operationssaal und Herzprobleme

30.09. Heute Morgen war es notwendig, bevor ich im Mittelpunkt der Anwendungen stand, dass ich mich um die Behandlung meines Vaters kümmerte. So hatte ich kurz nach acht Uhr einen Termin bei seinem behandelnden Arzt. Hier legte man mir das Ausmaß des Blutergusses, der sich in seinem Kopf befindet dar. Die Blutansammlung führt aktuell zu den zahlreichen Ausfallerscheinungen. Mit einem operativen Eingriff möchte man die Ansammlung um das Gehirn absaugen. Gelingt die Operation, beansprucht es ca. zwei bis vier Monaten, bis er wieder einiger Maßen genesen ist, erklärte der Arzt. So stimmte ich erneut dem Eingriff zu. Mit gemischten Gefühlen bin ich wieder zurück zu meiner Station. Da die Intensivstation zu viel zu tun hatte, konnte ich ihn nicht besuchen. So verging sein Geburtstag erstmals ohne, dass wir beieinander waren.  Eine Situation, die mir über den Tag ein paar Mal die Tränen in die Augen trieb. Mein Vater ist und war immer der wichtigste Mensch in meinem Leben. Ich liebe den Mann, der immer für mich zur Stelle war und dabei seine Wünsche stets hinten anstellte. Zudem war er immer mit seiner Hilfsbereitschaft für unzählig Freunde, Bekanten sowie Familie zur Stelle. Doch heute, wo er nicht mehr kann wie früher, haben sich unzählige über die Zeit zurückgezogen. Es ist der Lauf des Lebens und der Spott der problematischen Zeit, dass man hier erst die wahren Freunde kennenlernt. So steht man selbst in den Notsituationen allein, wo man selbst anderen durchgeholfen hat. So ergeht es nun aktuell meinem Vater. Diese falsche und ich bezogene Gesellschaft, werde ich weder verstehen, noch akzeptieren. Das passt nicht zu meiner Lebenseinstellung! Mein Kredo ist, dass familiäre Bindungen, Freundschaften sowie Kameradschaften, auch in schweren Zeiten tragen sollten … Sorry für die Anwandlung von meiner Vorstellung vom menschlichen Sozialverhalten in diesem Text!

 

 

Zurück auf meiner Station erwartete mich mein Oberarzt mit dem Ergebnis meines Langzeit-EKGs. Hier hat sich ein erneutes Vorhofflimmern mit Vorhofflattern und langen tachyarrhythmischen Phasen gezeigt. Die bereiten mir schon einige Probleme besonders in der Belastbarkeit. Der Puls lag bei 160.  Man muss nun eine Therapie finden, die den Puls erfolgreich bremst. Bei meiner Vergangenheit mit so zahlreichen misslungenen Behandlungen, kein einfaches Unterfangen. Am 29.10 habe ich hierfür einen Termin beim Ryhthmologen.

 

Die Dialyse war heute schwierig, denn erneut hat die Sorge um meinen Vater, mein Puls auf fast 160 hochgetrieben. Wie man die nervliche Situation in den Griff bekommen könnte, ist mir noch ein Rätsel.

 

Fazit:

Es bleibt die Hoffnung, dass die Operation nun bei meinem Vater den Erfolg bringt, die man sich erhofft. Meine Herzsituation ist wohl in der Kürze nicht lösbar und muss weiter intensiv überwacht werden. Es ist ein trauriger Geburtstag meines Vaters, der statt im Tanzsaal im Operationssaal stattfindet und so bei mir die Herzprobleme mit verstärkte.

 


Augenaufschlag und Leberscann

01.10. Heute in der Früh stand erneut ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt meines Vaters zum Operationsergebnis an. Hierbei erfuhr ich, dass die Operation gut gelungen sei und man vorhabe, ihn heute noch aufzuwecken und von der Beatmung zu nehmen. Als ich ihn am Mittag besuchte, war die Narkose ca. 30 Minuten beendet und der Tubus kurze Zeit raus. Jedoch reagierte er schon leicht auf mich. Dies freute mich sehr und ich hoffe innerlich, dass er sich nun, so Gott will, Stück für Stück langsam erholen wird. So verlies ich diesmal mit etwas Erleichterung aber mit angehaltenem Atem, die Intensivstation. Wie ich die tägliche Sorge und meine gesundheitliche Situation bewältige, bleibt ein wirkliches Rätsel für mich. Aber mein Herz ist nicht ohne Grund so unruhig.

 

Auf Station zurück, musste ich zur Leberuntersuchung. Man vermutet, dass zahlreiche meiner Probleme (Unverträglichkeiten, Darm, Albumin usw.) von der Leber her rühren. So erfolgt in diese Richtung eine ausführliche Diagnostik. Nach 40 Jahren Dialyse ist die Ursachenforschung kein einfaches Unterfangen für die Ärzte bei mir. So muss ich weiter noch geduldig in der Klinik verbleiben, wo ich doch zu Hause so viel zu regeln habe. Findet man an der Leber ein Problem, wäre dies gut mit Medikamenten zu behandeln, wenn ich sie vertrage. Gelingt keine Problemfindung, wird sich der sogenannte finale Weg weiter fortsetzen. Am Mittag nahm ich noch an einen kleinen Gottesdienst teil. Das Unterhaltungsprogramm in einem Krankenhaus lässt zu wünschen übrig. Ein paar Animateure wäre eine gute Verbesserung der Situation.

 

Fazit:

 

Durch den Augenaufschlag meines Vaters ging es mir psychisch etwas besser. Weiter bin ich nun gespannt, ob ein Teil meiner Probleme bei der Leber liegen. Die Analyse beginnt, ich muss mich in Geduld üben. Wenn dem so wäre, müsste ich nur noch die Therapie tolerieren.

 


Stabiler Atem und ein CT

02.10. Heute Morgen startete mein Tag mit einem CT, wobei, Magen, Darm, Leber uvm untersucht wurden. Ebenso hat man mir zahlreiche Röhrchen Blut abgenommen. Bis hierzu die Untersuchungsergebnisse vorliegen, heißt es sich in Geduld üben. Am Nachmittag war mein Dialysetermin.

 

Zu meinem Vater konnte ich nur kurz, da es auf der Intensivstation sehr hektisch war. Ich bin dankbar, dass die Intensivstation an Dialysetagen immer wieder Ausnahmen bei der Besuchszeit für mich macht. So ist es mir, da meine Dialysezeit in beiden Besucherzeiten liegt, täglich möglich ihn zu sehen. Heute war er zwar nicht ansprechbar, da er bedingt durch Medikamente fest schlief. Er atmete aber erstmals sehr stabil und ruhig. So als würde er jetzt schlafen und kraft sammeln. Ich hoffe ich täusche mich nicht, da die Situation immer wieder umschlagen kann. Davor hat man einen riesen Respekt! Bleibt alles stabil, kann es sein, dass er bald in Frühreha kommt.

 

Fazit:

 

Der heutige Tag war mal einer der ruhigeren von der innerlichen Belastung. So atmet der Vater stabil und der Sohn ist durchs CT verstrahlt.  Für letzteres braucht der Sohn jedoch kein CT.  ;-)

 


Tag der Einheit

03.10. Heute hat sich am Feiertag medizinisch nicht viel ereignet. Einzige Problemlage war, dass die Küche versehendlich falsche Essen lieferte und ich wegen des Feiertages, keine Alternative in der Caféteria fand. So hatte ich heute, mit Hintergrund meiner zahlreichen Lebensmittelunverträglichkeiten, tagsüber einen knurrenden Magen.

 

Mein Vater ist im untersten Level weiter stabil. Man mutmaßt nicht, wie man sich freuen kann, wenn der Arzt sagt, er war oft wach und hat auf Anweisung richtig reagiert. Aktuell ist er in der Phase, wo er minimal beim Schlaf beginnt, Kräfte zu sammeln im. Ich wünsche mir, dass er es noch für richtig halten würde, in der Art wie ich Behandlung und Meinung der Ärzte noch zustimme. Wir sind in der Nähe der Grenze, wo man beständig, seinen Willen, die er in der Patientenverfügung formuliert hat, überdenken muss.

 

Fazit:

 

Heute war nochmals ein ruhiger Tag auf beiden Seiten. Doch die nächste Morgendämmerung wird uns gesundheitlich das nächste Gefecht vorgeben. Indessen fand familiär in der Besorgtheit um ihn, ein besonderer Tag der Einheit an seinem Krankenbett statt. Die Begegnung hat ihn in seiner Wahrnehmung, bestimmt überaus gefreut!

 


Stationswechsel

04.10. Heute sind erste Ergebnisse von meinen Untersuchungen eingetroffen. So zeigt das CT, eine ausgeprägte Osteoporose an. Weitere Ergebnisse stehen noch aus. So muss ich das Wochenende weiter in Geduld verbringen. Am Rande ist mein netter Bettnachbar aus der Pfalz (man merke sich die Aussage netter Pfälzer J ) entlassen worden. Als Ersatz habe ich einen älteren sehr netten Mann (84), mit einer ausgeprägten Krankheitsgeschichte ins Zimmer bekommen. Ich hoffe nur meine Nachtruhe wird weiter möglich sein. Es mag Egoistisch klingen, aber in der Belastenden Situation wo ich stecke, benötige ich die Erholungsphasen der Nacht, dringend! Eine Bekannte, die ihre Begleitende Hilfe auf dem Weg meines Vaters anbot, hat mich überrascht, aber sehr gefreut!

 

Bei meinem Vater gab es gesundheitlich keine Veränderung. Er wurde zwar von der Intensivstation zur Wachstation verlegt, aber nur, weil er keine Beatmung mehr benötigt. Im Anschluss an meinen Besuch suchte ich kurz das Gespräch mit seinem behandelnden Arzt. Hier wollte ich erneut erkunden, ob wir uns nicht in einer Situation befinden, wo der Wille meines Vaters in der Patientenverfügung beginnt? Das wurde vom Arzt klar verneint. Er braucht Zeit meinte er. Mit der Aussage, ob er eines Tages noch selbständig leben kann, war man zurückhaltend.

 

Fazit:

 

In meiner derzeitigen zweier Belastung, ist jetzt eventuell eine weitere hervorgetreten, die unter Umständen meine Nachtruhe gefährdet. Ich sollte mich freuen, dass Papa von der Intensivstation verlegt wurde. Gleichwohl ist sein unveränderter Gesundheitszustand nicht nur beängstigend, sondern macht mich sehr nachdenklich, ob ich noch in seinem Interesse handele.  Ich habe weiter die Hoffnung, dass die Ärzte recht behalten und er sich erholt. Ein Kontakt zu einer Bekannten, die in der Begleitung meines Vaters ihre Hilfe anbot, hat mich heute sehr gefreut! Hoffen wir das der Stationswechsel, eine positive Entwicklung mit sich bringt.

 


Die Tiefen und Höhen im Leben.

05/06.10 Am Samstagmorgen, bin ich todmüde erwacht. Denn mein neuer Zimmernachbar (84 Jahre) hatte eine schwere Nacht, die mich nicht zur Ruhe kommen lies. Nach dem Frühstück besuchte mich meine Cousine mit Mann und nahm mich zum Einkauf in den Globus mit. Es tat so gut, mal wieder das normale Leben zu sehen.  Zudem positiv, dass ich Nahrung kaufen konnte, die im Geschmack nicht neutral ist. Nach dem Mittagessen in der Caféteria hat sich meine Cousine verabschiedet. Gegen Abend machte ich mich auf zu meinem Vater. Beim Verlassen des Zimmers winkte ich meinem Zimmernachbarn zu und sagte bis nachher.  Er ist so ein lieber herzlicher Mann.

 

Als wir am Bett meines Vaters standen, war er nicht ansprechbar und zeigte fast keine Reaktion. Einziger Reflex zeigte er im Handdrückten. Dieser Augenblick, wo man hilflos da steht, innerlich fertig ist und jeder auf eine Reaktion wartet, die Hoffnung gibt. Die Situation ist unerträglich und mit großer Angst geprägt! Aber wir standen neben ihm und sprachen ihn motivierend an. Wir  hofften, dass er uns verstand. Man fühlt sich so hilflos, wenn man am Bett einer Intensivstation steht. Wir gingen mit vielen gemischten Gefühlen und zahlreichen Gedanken nach Hause. Wir sind an einem Punkt, wo er uns mit einer Reaktion, auch mal motivieren sollte. Aus meiner Gedankenwelt wurde ich, als ich in mein Krankenzimmer zurückkehrte, gewaltsam herausgerissen. Denn ich fand meinen Zimmernachbar leblos auf dem Zimmerboden vor. Die eingeleitete Widerbelebung des Rettungsteam zeigte keinen Erfolg. Das Ereignis brachte meinen Puls wieder auf 140 und das Herz spürte ich bis zum Hals. Ich war mit der Welt fertig und dachte, wie stellt sich die Steigerung meiner Probleme noch dar?!

 

Nach einer Nacht, wo ich doch guten in den Schlaf gefunden habe, bin ich zu meinem Vater gefahren. Auf dem Weg traf ich seinen behandelnden Arzt. Der war sehr zufrieden mit der Entwicklung von ihm. Er sagte mein Vater hätte das Erste gegessen und sei munter. Das konnte ich mit den Erlebnissen vom Vortag, kaum glauben. Als ich zu seinem Bett kam, war er aufgeweckt und gut orientiert. Er ergriff meine Hand. Ich hätte vor Glück heulen können! Auf so ein Signal hatte ich so lange warten müssen. Er beantwortete selbst meine Frage, ob er gesund werden möchte, mit einem Kopfnicken. Die Situation war so wundervoll und heilsam. Auf dem Weg zurück in mein Zimmer, konnte ich die Erfahrungen des Vortages gut verarbeiten. Es war wieder Hoffnung in mir. Der Rest des Sonntages verlief ruhig mit positiver Grundeinstellung! Am Mittag besuchte mich noch der herzliche Oberarzt der Dialyseabteilung, um sich nach mir zu erkundigen. Am Abend hörte ich am Telefon, mein Vater sei weiter, gut orientiert und ansprechbar. Das ist hoffentlich der positive Anfang eines langen Weges, den mein Vater nun gehen muss.

 

Fazit:

 

Was in meinem Leben zurzeit passiert, kann ich nur noch mit einer sarkastischen Gelassenheit interpretieren. Die Zeitdauer meiner Erkrankung hat mich so geformt, dass ich heute schnell eine professionelle Distanz, zu solchen Erlebnissen wie gestern finde. Ich denke meinem Zimmernachbarn ist mit seinem Krankheitsbild, viel erspart geblieben. Mein Vater könnte nun auf einem guten Weg sein. Ich halte weiter innerlich die Luft an. Dieses Wochenende hat mich rückblickend, alle Tiefen und Höhen des Lebens empfinden lassen.

 


Damoklesschwert

CT vom 07.10.2019 9:50 Uhr
CT vom 07.10.2019 9:50 Uhr

07.10. Da ich bei zwei ärztlichen Konzilen angemeldet bin, resultierte heute nur eine Blutabnahme sowie Dialysebehandlung. Es ist ungewohnt, dass man bei mir Langzeitexot, versucht die Ursache meiner Probleme zu ergründen. Ich bin auf der einen Seite auf die Ergebnisse gespannt auf der anderen Seite auch sehr ungeduldig. Gleichwohl hatte ich in meinem Leben, schon sehr viele längere Klinikaufenthalte zu bestehen.

 

Für 10:00 Uhr war ich beim behandelnden Arzt meines Vaters in der Nachbarklinik bestellt. War mein Vater am Vortag noch orientiert und aufgeweckt, so war er heute wiederum nicht reaktionsfähig. Gemäß der Aussage des Arztes lag dies erneut an einem Hämatom, das sich gebildet hatte. Jenes drückt nun auf das Gehirn (siehe Bild). Hier müsse man wiederholt operativ eingreifen, um es auszuspülen. Weiter wurden Abläufe erläutert, die sehr fachspezifisch sind. Im Anschluss sah ich mich von Neuem mit der Fragestellung konfrontiert, ob ich in den Eingriff einwillige? Da die Ärzte wiederum bekräftigten, dass er gute Chancen besitze, willigte ich ein. Nunmehr musste ich diverse Aufklärungen unterzeichnen. Dazu zählten: 1. Schädel-Gehirn-Operation. 2. Transfusion von Fremdblut oder Fremdblutbestandteile. 3. Computertomografie ohne Kontrastmittel. 4. Narkose (Allgemeinanästhesie). Belehrungen die 17 Seiten umfassten. Anschließend formten sich   etliche Fragen in mir. Erneut die Frage: Handele ich noch im Interesse meines Vaters? Erholt er sich körperlich noch einmal? Wie wird sein Leben, durch die Behandlungen, denen ich zustimme, am Ende aussehen? Möchte er wirklich so leben? Gleichwohl hat er am Sontag noch meine Frage, ob er wieder gesund werden möchte, mit einem Kopfnicken bestätigt. Ob er die Bedeutung seiner Entgegnung begriff, vermochte er nicht mitzuteilen. Solange die Ärzte eine reale Chance auf Widerherstellung sehen, werde ich den Abläufen zustimmen. Indessen machen mich die vielen Gedanken, nicht nur enorm sorgenvoll, sondern auch sehr ängstlich. Die Verlustängste schweben wie ein Damoklesschwert über mir.

 

Fazit:

 

Ich warte weiter auf Laborergebnisse und Konzile. Noch weiß man nicht, wie man in meinem besonderen Fall derzeit therapieren kann. Mittels meiner Herzsituation sowie Medikamentenunverträglichkeiten ist die Ursachen-/Therapiefindung nicht unkompliziert. Mein Vater wird wiederum mit guten Erfolgsaussichten operiert. Es bleibt nur die Hoffnung, dass er keine weiteren Schäden davon trägt und wieder in ein Leben findet, dass ihm unbeaufsichtigte und eigenständige Lebensqualität bietet.  Über allen denen er nahe steht, schweben gegenwärtig die Verlustängste wie ein Damoklesschwert.

 


Der beste Platz in der Urnenwand

08.10. Heute Morgen hatte ich einen Termin in der Urologie. Da angelangt warte ich zwei Stunden, um zu erfahren, dass weder Professor, Oberarzt noch ein Facharzt vor Ort seien. So bin ich unverrichteter Dinge zur Station zurückgekehrt. Der Termin wurde für Montag 10:20 Uhr, beim Professor dieser Abteilung neu terminiert. Zurück auf Station, informierten mich meine behandelnden Ärzte, dass man wegen Personalmangels jedes verfügbare Bett benötige. Demzufolge dürfte ich mich auf meine bevorstehende Entlassung morgen freuen! Nachfolgend fand in Zeitnot (3 Minuten im Wartezimmer), noch das ausstehende Informationsgespräch in einer anderen Abteilung statt. Der Termin in der Urologie wurde verworfen. Mich beherrschen nun zwei Empfindungen. Auf der einen Seite freue ich mich auf zu Hause. Denn ich war noch nie gerne im Krankenhaus. Hier freue ich mich Unteranderem auf meine Wohnung, mein Bett, Sofa u.s.w.! Jedoch beherrscht mich auch Trauer, da ich meinen Vater nun nicht mehr unkompliziert besuchen kann. Das war der positive Nebeneffekt der letzten Wochen. Mir blieben in der zurückliegenden Zeit, so viele körperliche Belastungen (Anfahrt nach Homburg, Einkauf Essen kochen u.v.m.) erspart. Nun muss ich, um ihn besuchen zu können, von Saarbrücken nach Homburg fahren.  In der stressigen Situation ist es zudem notwendig, wieder meinen Haushalt gut zu managen. Das alles bedarf nun viel Planung, um mit wenig Kraftaufwand, vieles erreichen zu können. Wovor ich dennoch höllischen Respekt besitze, ist die Stille für zahllose Gedanken zu Hause. Denen konnte man hier einfach, beim Verlassen des Zimmers entfliehen. Ich bin voller Spannung, wie ich diese bevorstehende Sachlage, die schon für Stabile drückend ist, stemmen werde. Leider kann ich wegen meinen Unverträglichkeiten, zur Entlastung beim Kochen, nicht auf öffentliche Küchen oder den Heimservice, zurückgreifen. So bin ich erstmals aus gesundheitlichen Berücksichtigungen, niedergedrückt entlassen zu werden. So ganz allein zu Hause mit Blick auf die unbewohnte Wohnung meines Vaters zu sein, wird in der Annahme hart werden. Ich hoffe nur, dass die Lage meine Herzsituation nicht erneut befeuert. 

 

Mein Vater hat die Operation heute gut überstanden. Alles verläuft laut Ärztin, so wie erhofft. Ob alles in Plan ist, wird jedoch erst morgen ein erneutes CT offenbaren. Als wir da waren, wurde gerade die Narkose bei ihm ausgeleitet. Er hat wohl zuvor schon auf Ansprache korrekt reagiert. Was erneut leichte Hoffnung macht. Jedoch vermute ich, ich hoffe ich täusche mich, dass ein selbständiges Leben zukünftig kaum noch zu erreichen ist.

 

Fazit:

 

Meine Entlassung fordert von mir neues Denken, sodass ich in der Situation, wo ich stecke, möglichst mit geringstem Aufwand, viel erreichen sowie bewegen kann. Ich habe großen Respekt vor dem was nun auf alle die ihm nahe stehen, zukommt. Ich selbst habe ähnlichen Weg für mich, kürzlich noch abgelehnt. Jedoch waren mein Vater und ich im Denken und handeln immer etwas unterschiedlich. So gestaltete sich sein OP-Tag für mich, anhand von großem Personalmangel und Zeitnot, zum Tag des Abschiedes. Ich hoffe, dass meine Herzsituation infolgedessen nicht neu befeuert wird. Bedauerlicherweise entfallen so einige Konzile. Mein begonnener Finalweg wird nun doch nicht mehr durch eine erhoffte Therapie verzögert. So kämpfen Vater und Sohn nun parallel den besten Platz in der Urnenwand.

 


Entlassung und Sorge

09.10. Danke höre ich mich sagen und schließe die Wohnungstür. Ich stehe mit dem Rücken an der Tür und nehme die Ruhe meiner Wohnung auf. Endlich allein und Ruhe! Ich blicke auf die letzten drei Wochen zurück und begreife nicht, was alles geschehen ist. Der Sturz meines Vaters, dann drei Operationen, das fortwährende Auf und Ab, die Verlustängste, die Hoffnungen und immer wieder Enttäuschungen. Die wiederholten Fragen, handele ich richtig, ist die Therapie, die zutreffende die ich gestatte? Wird er wieder genesen und wenn, welches Leben, wird ihn erwarten. Er liegt nun drei Wochen. Daher kann er vom Muskelabbau her, nicht mehr einfach so aufstehen. Er hat, um wieder gehen zu können, einen harten Kampf vor sich. Wird er den Kampf angehen? Nun denke ich auch darüber nach, was sich bei mir ereignet hat. Da waren zahllose Analysen, dass Entdecken meines toten Zimmergenossen u.v.m. Jedoch habe ich auch viele charmante Menschen kennenlernen dürfen. Zudem musste ich meine Meinung, dass gerade auf Intensivstationen keine Menschlichkeit vorherrscht, revidieren. Das Personal wie die Ärzte sind alle sehr nett und immer Hilfs-/sowie redebereit. Ebenso die netten Büromitarbeiterinnen des Professors.

 

Ich stehe immer noch mit dem Rücken an der Tür, als mich mein Handy plötzlich aus den Gedanken reist. Ich erkenne die Nummer der Intensivstation. Mein Herz pocht ich hebe ab und es meldet sich die Ärztin meines Vaters. Sofort sagt sie keine Angst alles gut! Wir benötigen nur eine Unterschrift! Hierzu bestellt mich der Professor der Anästhesie zu sich ein. Da werde ich zweifelnd, was nun wieder auf uns zukommt.  Vor der Verabschiedung, Frage noch schnell die Ärztin nach der aktuellen Lage meines Vaters. Ich höre alles im Rahmen stabil, er ist auf dem vorgesehenen Weg. Wir beenden das Gespräch. Nun gehe ich durch die Wohnung und denke …, „zu Hause“!

 

Fazit:

 

Bei der Heimkehr habe ich viele Erlebnisse und Bilder der letzten Wochen, Revue passieren lassen. Die Zeit war und ist voller Angst. Meine akuten Probleme gerieten dabei in der Empfindung völlig in den Hintergrund. In allen Gedanken über Tag stand die große Verlustangst um meinen Vater sowie die Sorge, wie gut er sich wieder erholen wird, wenn! Alle hoffen so auf ein positives Zeichen von ihm, an dem auch wir mal wieder Mut und Kraft schöpfen. Mit der Entlassung bleibt die Sorge weiter bestehen!

 

Im Normalfall enden Blogs am Tag der Entlassung. Dieser Blog wird jedoch noch weitergeführt.

 


Traurige Wahrheiten.

10.10. In der Folge der ersten Nacht, die zwei Stunden länger als in der Klinik andauerte, bin ich nach dem Frühstück zu verschiedenen Ärzten meines Vaters gefahren. Zuerst stellte ich jedoch noch die Waschmaschine an, um meine Klinikwäsche, für den Ernstfall, wieder startklar zu haben.  Bei den Beratungen haben mir zwei Ärzte, unabhängig voneinander, im Kern, die gleichförmige Sachlage für die Zukunft meines Vaters geschildert. Mit diesen Gegebenheiten habe ich auch die Ärzte in der Klinik konfrontiert. Sie beglaubigten im Schwerpunkt die Ausführungen der Ärzte, die ich am Morgen erhalten hatte. Sollte die Situation definitiv so wie erklärt eintreten, würde ich für uns einen Ortswechsel planen.

 

In Homburg erlebte ich meinen Vater heute, erstmals wieder nach der Operation reaktionsfähig. Eben versuchte er wieder zu reden. Sein behandelnder Arzt ist mit dem aktuellen Verlauf zufrieden.

 

Fazit:

 

Die heutigen Erkenntnisse von medizinischer Seite, zur Zukunft meines Vaters, waren sehr desillusionierend. Sollte es definitiv so wie erwartet eintreten, wird für uns ein Ortswechsel nicht zu vermeiden sein. Denn eine 100%-Genesung ist wegen anderer Krankheitsbilder  unmöglich. Die aktuelle Situation hat sich wie so oft etwas stabilisiert. Das gibt etwas Hoffnung, die bei traurigen Wahrheiten etwas trägt.

 


Alles liegt in Gottes Hand

11.10. Heute bin ich früh zur Dialyse gefahren, damit ich vor Beginn der Behandlung Gelegenheit hatte meinen Vater zu besuchen. Den fand ich sitzend im Mobilitätsstuhl vor. Er war wach aber nicht im Hier und jetzt orientiert. Seine körperliche Konstitution machte deutlich, dass ein weiter Weg vor ihm liegt, bis er, wenn, wieder bei uns angekommen wird. Dazu benötigt er sehr viel Zeit mit offenem Ergebnis. Auf dem Weg wird ihn keiner zu irgendetwas verbal nötigen. Es fällt mir schwer, ihm das Gefühl zu vermitteln, dass er gehen darf, wenn er möchte. Daher haben wir an seinem Bett auch die Gespräche mit dem Inhalt, man braucht ihn noch, abgeändert in die Verbalität, was wir von ihm lernten. Damit wollen wir vermitteln, dass wir mit seiner Weichenstellung für uns, zukünftig gut gerüstet sind.  Möchte er noch bei uns/mir bleiben, ist es seine freie Entscheidung dafür zu kämpfen. Wir werden ihn auf seinem Weg nach unseren Möglichkeiten bestmöglich begleiten. Uns ist bewusst, seine Grunderkrankung ist am Ende gnadenlos. Es sind jetzt schwere Tage, in der die Realität ein Vulkan der Gefühle in alle Richtungen bei jedem von uns auslöst. Im Unterbewusstsein ist die Situation immer präsent. Wir würden uns jedoch selbst belügen und wären realitätsfremd, wenn wir glauben würden, es würde alles wie zuvor. Solche Gedanken schmerzen. Da wir nicht nur Vater und Sohn waren, sondern auch Freunde, weiß ich, dass er das Leben, dass die Ärzte unabhängig voneinander Prognostizieren, überzeugt ablehnen würde. Das weiß ich auch aus vielen Gesprächen, als sich meine Steifmutter in dieser Situation befand.

 

Fazit:

 

Die Freude ihn aus dem Bett und sitzend zu sehen war enorm! Doch das Wissen, in welches Leben er sich zurückkämpfen soll, macht unendlich traurig sowie hilflos. Er muss seinen Weg selbst entscheiden. Wir/Ich begleite ihn dabei nach besten Möglichkeiten und mit der besten medizinischen Versorgung, fest an seiner Seite. Alles liegt am Ende in Gottes Hand!

 


Durchgangssyndrom

12/13.10. Dieses Wochenende war etwas ruhiger als die Letzten. Mein Vater war bis auf etwas Fieber, welchen von der Lunge kam und mit der langen Beatmung zu tun hat, stabil und Wach. Das Fieber hatte man mit einem neuen Antibiotika und intensiver Lungenpflege, vorerst schnell in den Griff bekommen. Leider ist er noch nicht bei uns und weiß nicht, wo er ist. Die Ursache liegt aber vermutlich mit in einem Durchgangssyndrom (als Durchgangssyndrom werden weitgehend unspezifisch ausgelöste Psychosen bezeichnet, die unter anderem im Zeitraum nach großen chirurgischen Eingriffen auftreten können. Betroffene Patienten sind unkooperativ, agitiert und verwirrt. Es besteht in der Regel eine vegetative Begleitsymptomatik wechselnden Ausmaßes (z.B. vermehrtes Schwitzen, Tachykardie, Hypertonie). Es kann zu Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit, Desorientierung und aggressivem Verhalten kommen. Die Symptomatik beginnt abrupt und zeigt wechselnde Intensität. Verwirrtheitsphasen wechseln sich mit "besseren" Phasen ab. Liegende Katheter und Drainagen können durch den Patienten gewaltsam entfernt werden.) So sehe ich aktuell, wenn er sich weiter etwas stabilisiert, die Möglichkeit, dass er wieder mit uns redet, schneller gegeben, wie dass er sich wieder eigenständig von A nach B bewegt.

 

Mir schlägt der ganze Anspannung gemächlich immer mehr auf den Magen. Ich hoffe es wird sich nicht verschlechtern.

 

Fazit:

 

Es war das erste Wochenende, an dem mein Vater, bis auf Fiber, „etwas“ beständiger und wacher war. Man freut sich über Kleinigkeiten. Die Sachlage macht sich jedoch gemächlich an meiner körperlichen Zustand immer mehr bemerkbar. Aber hier gibt es keinen Ausweg nur Medikamente zur Erleichterung.

 


Dauerhafte Veränderung

14.10.  Heute Morgen war ich vor der Dialyse wiederholt bei meinem Vater. Zuvor hatte ich ein Gesprächstermin mit seinem behandelnden Arzt. Er erläuterte mir, dass mein Vater nicht so vital sei, wie er aus medizinischer Sicht sein sollte. Im Fernbleiben der deutlichen Erholungsphase sei es ungewiss, dass er nochmals in ein Leben in Selbstversorgung zurückkehrt. Er wird vermutlich auf ausgebildete Pflege angewiesen sein. Wie sich dies jedoch in drei Jahren darstellt, ist heute nicht zu prognostizieren. Überraschungen hat er immer wieder erlebt. Morgen wird noch ein CT zur Betrachtung der aktuellen Situation erstellt.

 

Die Darlegungen waren für mich, obgleich sie mir länger bewusst sind, schockierend. In Anbetracht der Situation bedeuten die Ausführungen,  einen unwiderruflichen Abschied in Raten, vom dem vertrauten Leben mit meinem Vater.  Doch ungeachtet dieser Gefühlswirrungen muss ich mir jetzt aktiv über unsere gemeinschaftliche Zukunft Gedanken machen. Gleichwohl, dass diese Gedanken nötig sind,  empfinde ich sie emotional als zu früh. Da ich dann seinen Hausstand auflösen müsste und Dinge in mein Eigentum übergehen, hätte ich das Gefühl eines Geiers. Es ist für mich ethisch, obwohl mit der Gewissheit, dass er die Gegenstände im Leben nicht mehr beansprucht, undenkbar schon an mich zu nehmen oder abzugeben. Ich würde mich da so charakterlos fühlen. Wie ein Aasgeier der auf Profit aus ist. Gleich wie das Schicksaal ist, dass zur Sinnhaftigkeit der Überlegungen führt.  Vorläufig wird nur der Kühlschrank abgeschaltet. Aber sollte er ausgebildeter Pflege bedürfen, bin ich genötigt Fakten zu schaffen. Ich kann die Pflege wegen meiner prekären vielseitigen Gesundheitssituation, leider nicht erbringen.

 

Fazit:

 

Die erneute Gewissheit darüber, was kommen wird, hat mich emotional erneut in eine Explosion der Gedanken geführt. Dazwischen auch Verzweiflung bei der Grundwahrheit, dass nichts mehr so sein wird, wie es war. Benachbart kommen auch bedeutungslose Gedanken, z.B. wem ich, welche Herzenstücke auf die mein Vater so stolz war, in liebevoll Hände abgeben könnte, sollte er uns jetzt schon verlassen. Das wird mir bei der Auflösung seines Lebens, besonders wichtig sein. Dass die Menschen die etwas beerben, es wertschätzen und nicht wie die Geier über alles herfallen. All diese Gedankenflüge lassen mein Herz vor tiefen Kummer bluten. Ich könnt heulend davonlaufen und schreien, denn hier geht Stück für Stück der liebste Mensch in meinem Leben verloren und ich muss sein Vorhandensein am Ende auch noch auflösen. Bis es soweit ist, lege ich die Wohnung so still, sodass Papa jederzeit heimkehren könnte. Doch auch dann wird eine dauerhafte Veränderung unser Leben bestimmen.

 


Wachstation

15.10. Als ich heute meinen Vater besuchte, hörte ich, dass er auf die Wachstation verlegt wurde. Als ich da eingetroffen bin, vernahm ich meinen Vater von Weitem durch bleischweres Atmen. Dies war mir in der Art auf der Intensivstation, nicht aufgefallen und wenn, legt man ihm einen Schlauch durch die Nase, die das Atmen beruhigte. Ich bat darum gleichsam einen solchen Schlauch zu legen, denn beängstigend anzuschauen, wie er mit entkräftetem Köper, so bleiern atmen musste. Jedoch ging leider keiner auf meine Bitte ein. Kurze Zeit später war auch kein Personal mehr in Sicht. Erst nach eingehender Suche, fand ich alle in einem Refugium mit Küche vor. Es war für mich eine riesen Veränderung, dass mein Vater, in seiner Situation nicht mehr so gewissenhaft bewacht wurde, wie auf Intensivstation. So erhoffe ich, dass er nicht wieder so erschöpft wird, dass er zurück zur Intensivstation muss.

 

Fazit:

 

Es ist eine radikale Veränderung, die man als Angehöriger im Empfinden der Qualität der Pflege zwischen Intensivstation und Wachstation begleiten muss. Möglicherweise lag es auch an der Konstellation der Personalzusammensetzung, dass alles etwas unprofessionell auf uns Angehörige wirkte. Bislang hatte ich in vier Wochen keinen Beweggrund zur Klage in der Pflege meines Vaters.

 


Rückschritt

16.10. Als ich heute meinen Vater auf der Wachstation besuchen wollte, informierte man mich, dass er erneut zur Intensivstation zurück verlegt wurde. Dies war Gesten schon bei der schweren Atmung für mich voraussehbar. Wir gehen nun in die fünfte Woche auf Intensivstation und noch keine Veränderung die Hoffnung macht. Im Gegenteil, ich überlege, ob die Palliativstation nicht langsam die beste Lösung sei. Die Situation, die mein Vater derzeit durchlebt, habe ich für mich selbst abgelehnt. Auch er wollte sowas nicht, sagte er, als meine Stiefmutter bei Ihrer Krebserkrankung so dalag. Die Ärzte sagen jedoch er benötige Zeit, da er so geschwächt sei. Tue ich den noch das Richtige, wenn ich jetzt weiter zuschaue? Die Neurochirurgen sagen ihre Arbeit ist erfolgreich beendet. Alles Weitere zeige nun die Reha.

 

Fazit:

 

Das Leben, das mein Vater aktuell erlebt, ist nach meiner Auffassung, im eigenen Körper gefangen zu sein. Ich kann ihm da nur helfen, wenn ich prüfe, ob eine Palliativstation nicht sinnvoller wäre als eine Reha. Auch auf der Palliativstation hätte er auch weiter die Möglichkeit sich zu erholen.

 


Kleiner Lichtblick

17.10. Als wir heute am Bett meines Vaters erschienen, war er kontaktfähig. Es tat gut, dass man von seiner Körperseite eine Rückmeldung entgegennahm. Nur seine Stimme ist noch so geschädigt, dass er nicht zu verstehen war. Um einer wiederholten Verschlechterung zuvorkommen, möchte ich morgen bei einer Aussprache mit dem behandelnden Arzt verhindern, dass mein Vater nicht nochmals zur Wachstation verlegt wird. Weil da, nach ärztlicher Beurteilung mir gegenüber, die Hilfe die er beanspruche, nicht so ausgeführt werden kann. Es macht keinen Sinn, ihn immer wieder diesen sinnlosen Beschwerlichkeiten auszusetzen. Wir erhoffen uns jetzt doch eine Besserung der Situation durch die Frühreha.

 

Fazit:

 

Mein Vater war, erstmals seit vier Wochen, wieder vermehrt reaktionsfähig, sodass wir doch, in unserem Gefühlschaos, auf die Frühreha setzen. Der heutige Tag beinhaltete einen kleinen Lichtblick!

 


Die Hölle

18.10. Als ich das Bett meines Vaters erreichte, nach dem der Tag gestern ein Lichtblick war, beobachtete ich heute einen erneuten Rückgang. Er kommt einfach nicht in eine Erholungsphase. Es hat sich, vom ersten Tag bis heute an seinem Zustand nichts verändert. Nach fünf Wochen, keinerlei Veränderung. Zwar sind die Neurochirurgen mit ihrem Ergebnis zufrieden, aber mein Vater ist fast nicht ansprechbar. Es heiß er benötige Zeit, aber ist es das, was er noch möchte? Er ist in keinem Punkt mehr selbständig. Nicht mal beim an der Nase kratzen. Habe ich das Recht, ihm so ein Leben zuzumuten, in dem ich allen Behandlungen zustimme? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Reha die Situation so verbessert, dass er irgendwo ein Stück Selbstversorgung zurückerhält. Hier bin ich auch auf die Beurteilung der Hausärztin, gespannt. Er hat eine Patientenverfügung und die lasse ich nun juristisch auf die Situation prüfen.

 

Fazit:

 

Das ständige Auf und Ab, ohne das Erholungen zu erkennen sind, gleich in welche Richtung, machen hilflos. Mein Vater registriert nach unserer Meinung alles um sich, ist aber gefangen im eigenen Körper. Das zu erleben ist für ihn wie für uns die Hölle.

 


Ist es Zeit zu gehen?

19/20.10. In seiner Patientenverfügung schreibt mein Vater und sicher viele andere Menschen, wie auch ich: „Für den Fall, dass ich durch Krankheit, Unfall oder Behinderung zur Bildung oder Äußerung meines Willens nicht mehr in der Lage bin, erkläre ich Folgendes: Solange eine realistische Aussicht auf Erhaltung einer erträglichen Lebensqualität besteht, erwarte ich ärztliche und pflegerische Hilfe unter Ausschöpfung der angemessenen Möglichkeiten. Grundsätzlich hat für mich die Lebensqualität Vorrang vor der Lebensverlängerung um jeden Preis. Ich wünsche vom Einsatz lebensverlängernder Maßnahmen, insbesondere intensivmedizinischer Behandlung, abzusehen, die mich daran hindern, in Frieden zu sterben. Auch den Einsatz von Sondenernährung lehne ich ab, wenn sie nur dazu dient, den Sterbevorgang hinauszuzögern. Dasselbe gilt, wenn ich ohne Aussicht auf Wiedererlangung des Bewusstseins im Koma liegen sollte, auch wenn der Sterbevorgang noch nicht eingesetzt hat ( z.B. wegen schwerer Dauerschädigung des Gehirns oder dauernden Ausfalls lebenswichtiger körperlicher Funktionen).

 

Soweit mein Vater in seiner Willensäußerung. Seit fünf Wochen liegt er da, ohne seinen Willen äußern zu können. In drei chirurgische Interventionen stimmte ich ergebnislos ein. Essen oder trinken geht nicht. Wach ist er selten und kommuniziert wenn, kurz über die Augen. Er kann nichts mehr selbständig und jetzt hat er sich auch noch wund gelegen. Und über allem steht noch eine aussichtslose Grunderkrankung, die ihn nach und nach vergessen lässt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies alles noch im Sinne meines Vaters ist oder Lebensqualität für ihn beinhaltet.

 

 

 

Fazit:

 

Mein Vater hat für den aktuellen Fall seinen Willen erklärt und mich eingetragen ihn umzusetzen. Ob der Fall nun eingetreten ist, wo ich handeln muss, werde ich nun unabhängig, medizinisch prüfen lassen. Denn ich kann meinem Vater nicht zumuten, was ich strikt für mich und er für sich verweigert hat. Ich gab ihm alle medizinischen Möglichkeiten, sich zu erholen. Leider ohne jeglichen Erfolg. Auch wenn es mir das Herz in tiefer Trauer bricht, aber ich denke ich muss nun loslassen, denn es ist Zeit für ihn zu gehen.

 


Hinweis

Wer in diesem Blog Rechtschreibefehler findet, darf sie gerne behalten! ;-) Durch meine lange Krankheit und vielen Fehlstunden in der Schulzeit, habe ich eine Leichte Rechtschreibeschwäche zurückbehalten. Dazu stehe ich. Ich denke der Inhalt ist wichtig.