40 Jahre Dialyse - es "Müllert" immer noch - Erst bekamen Sie ihn nicht groß und jetzt nicht klein!


Heimdialyse 1979. Meine Mutter führte die Behandlung durch.
Heimdialyse 1979. Meine Mutter führte die Behandlung durch.

Beitrag vom 27.01.2019

 

Am 27.03.2019 begehe ich mein 40ig jähriges Dialysejubiläum. Viele Kollegen in ähnlicher Situation verfassen dem Anlass, in großer Mühe ein Buch. Jeder der Schreiber, der sich die Mühe macht, investiert viel Herzblut. Doch leider ist noch keines dieser Werke, auch bei gutem Marketing, in der Bestsellerliste erschienen oder erreicht hohe Verkaufszahlen.

 

Die Analyse hierfür ist einfach. In Deutschland gibt es derzeit ca. 80.000 Dialysepatienten. Hiervon sind ca. 80 % alte- und multimorbide Patienten, die kaum noch Lesen. Sie erfassen auch die Thematik im Umfang nicht. Der Rest der Patienten schlüsselt sich in Kinder sowie Erwachsene zwischen 18 und 60 Jahre auf. Es bleibt so nur eine sehr kleine Zielgruppe.  In der gesunden Bevölkerung hat man zum Thema Dialyse kaum ein Bezug. Hier nennt man die Dialyse auch gerne mal "Analys" oder "Dynalys".

 

Auch renommierte Professoren kommen mit ihren Werken nicht groß raus, da nur ein begrenztes Fachpublikum existiert.

 

Dies Wissen führte dazu, von einem Buchprojekt abstand zunehmen. Warum was fertigen, was kaum jemand kauft oder liest. Aufarbeiten möchte ich diese 40 Jahre dennoch.  Dies tue ich jedoch in der Form eines Blogs. Der Name lautet "40 Jahre Dialyse".

 

Ich freue mich auf die zahlreichen Geschichten und Personen, die mir beim Schreiben des Blogs begegnen werden. Auch die Erinnerung an die Entwicklung der Technik über die Jahre wird sicher spannend.

 

So können Sie im Blog mein Leben von Beginn meiner Erkrankung, die Entwicklung der Technik sowie der Ärzte über die Jahre und meinen persönlichen Wertegang, bis heute verfolgen. Ich werde versuchen die Beiträge kurz zu halten.

 

Ich würde mich über Ihr Interesse an meinem Blog ab ca. 01.02.2019 sehr freuen!


Der Anfang

1975 Beginn meiner Erkrankung
1975 Beginn meiner Erkrankung

Beitrag vom 02.02.2019

 

1977 im Alter von fünf Jahren waren meine Eltern so wie Familie der festen Meinung, ich wäre an der Kinderkrankheit Mumps erkrankt. Ich war, obwohl man immer sehr um mein Wohlergehen bekümmert war, oft sehr krank. Ich kämpfte mit unzähligen Erkältungen, die sich immer zu handfesten Anginas entwickelten. Der Kinderarzt verordneten mir hiergegen wiederholt Penicillinsaft.

 

Meine Mutter versuchte verzweifelt mein Immunsystem zu stärken. Sie bereitete mir daher täglich die leckersten Fruchtsäfte. Mein Vater kaufte hierzu einen sehr teueren Entsafter, der zu dieser Zeit in Haushalten nicht üblich war.  So erhielt ich täglich einen Fruchtcocktail (heute Smoothie). In diese Fruchtsäfte rührte meine Mutter zur Stärkung noch ein Eigelb sowie Traubenzucker ein. Bis heute habe ich den leckeren Geschmack noch in Erinnerung.

 

Leider zeigten die Vitaminbomben nicht die gewünschte Wirkung. Wie zu Anfang dargestellt, meinte man in dieser Zeit ich wäre an Mumps erkrankt.

 

Die Vermutung führte dazu, dass meine Patentante Lilo aktiv wurde und mein Gesicht mit Watte, die zuvor in warmes Öl getaucht wurde, belegte. Aber auch nach Tagen ging die Schwellung nicht zurück. So ging meine Mutter, da der Kinderarzt in Urlaub war, mit mir zum Hausarzt Dr. Schwinn).

 

Er Untersuchte mich, konnte jedoch nicht viel Feststellen und schickte mich wieder nach Hause. Überm Rausgehen aus dem Sprechzimmer fragte der Arzt meine Mutter, ob sie denke, dass ich Urin lassen könnte? Meine Mutter konnte es nicht sagen, hielt mich aber an es zu versuchen. Der Urin hatte dabei so im Topf geschäumt, dass der Hausarzt mich sofort, in die örtliche Kinderklinik Kohlhof, in Neunkirchen Saar, überwiesen hat.

 

Wir gingen noch nach Hause, meine Mutter packte eine Tasche und wir fuhren mit dem Taxi in die Kinderklinik. Ich weiß noch, dass ich nicht ins Krankenhaus wollte. Ich hatte Angst und weinte.

 

Nach 15 Minuten Fahrt erreichten wir die Klinik.

 

Lesen Sie im nächsten Beitrag, wie ich meinen ersten Klinikaufenthalt erlebte.